Begegnungszone

Findlinge in der Bergmannstraße sorgen für Chaos und Ärger

Radfahrer und Anwohner sind über die Maßnahme in der Begegnungszone verärgert. Bergmannstraßenfest findet in Kreuzbergstraße statt.

Ein Radfahrer kurvt durch die Findlinge in der Bergmannstraße.

Ein Radfahrer kurvt durch die Findlinge in der Bergmannstraße.

Foto: Reto Klar

Große, grau-beige Felsbrocken liegen mitten auf der Fahrbahn der Bergmannstraße – das neueste Experiment in der Kreuzberger Straße. Mit den Findlingen und zusätzlichen Baken will das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg gegen Falschparker zwischen Zossener- und Friesenstraße vorgehen. Zudem solle „das Experiment des Begegnungsplatzes im öffentlichen Straßenland vor der Marheineke-Markthalle gesichert“ werden, so das Amt.

Freitagmorgen, 9.30 Uhr. Fahrradfahrer bahnen sich ihren Weg, flankiert von den Findlingen, die Bergmannstraße entlang. Auch Stephanie Bugiel will gerade losfahren. „Ich frage mich, wer die hier hergelegt hat, wer sie bezahlt und wer sie hoffentlich wieder wegräumt“, sagt die Anwohnerin. „Die Steine sind weder schön noch sinnvoll.“ Um gegen Falschparker vorzugehen, würde es reichen, Knöllchen zu verteilen, ärgert sie sich. „Da müsste man keine Findlinge in den Weg legen – das macht man woanders auch nicht.“

Eine andere Fahrradfahrerin sieht das anders: „Wenn es der Auftakt für eine Fußgängerzone in der Bergmannstraße ist, finde ich es einen guten Ansatz. Alles, was den Autoverkehr hier raus hält, ist erst mal prima.“ Über weniger Autoverkehr freuen sich auch die Aktivisten des Volksentscheid Fahrrad. „Modalfilter in der Bergmannstraße. Das rockt!“, schreiben sie auf Twitter.

Die Autos landen in einer Sackgasse

Hauptgrund für die Findlinge ist jedoch nicht die Förderung des Fahrradverkehrs, sondern ein anderer: die Friesenstraße. Bis zum 31. Juli wird dort mit EU- und Landesmitteln das Kopfsteinpflaster durch eine neue Asphaltdecke ersetzt. Das absolute Halteverbot an der Baustelle hätten viele Autofahrer missachtet. „ Dadurch wird aktuell die umfangreiche Baumaßnahme in der Friesenstraße behindert und die termingerechte Fertigstellung gefährdet“, schreibt das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Helfen sollen nun die Steine.

Für Autofahrer mündet die Bergmannstraße deshalb jetzt in eine Sackgasse. Worauf ein Verkehrsschild auch hinweist. Trotzdem fahren an diesem Morgen immer wieder Autos in die von Baken und Findlingen begrenzte und dadurch sehr verengte Straße hinein. Ein silberner VW-Van biegt von der Zossener Straße kommend in die Bergmannstraße ein. Diesem Vorbild folgen gleich drei weitere Autos – bis alle vier bemerken, dass sie in einer Sackgasse gelandet sind. Und wieder zurück müssen. Verkehrschaos. Die vier rangieren vor und zurück, behindern sich dabei gegenseitig, rammen beim Zurückfahren fast die vorbeifahren Fahrradfahrer. Platz zum Wenden gibt es so gut wie keinen.

Anwohner ärgern sich, weil sie nicht eingebunden wurden

Dass es bei solch einer Situation schnell gefährlich werden kann, berichtet auch Kathrin Diemer, eine langjährige Anwohnerin: „Gestern ist ein Abschleppwagen falsch eingefahren, der dann hier wenden musste.“ Beim Rückwärtsfahren sei der Lkw dann einem Jungen auf einem Fahrrad in die Quere gekommen, „der nur noch vom Rad springen konnte. Es ist einfach total gefährlich“. Diemer bemängelt zudem, dass die Anwohner über die Maßnahme nicht benachrichtigt und nicht mit eingebunden wurden.

Für Streit und Ärger sorgten auch die anderen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung der Bergmannstraße. So zum Beispiel die orangefarbenen „Parklets“ am Straßenrand. Anwohner klagten über nächtlichen Lärm und Müll. Im Mai kassierte Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) eine Rüge der BVV – er hatte sich über den BVV-Beschluss, die Parklets an der Bergmannstraße vorzeitig wieder abzubauen, hinweggesetzt. Auch die an Ostern auf der Fahrbahn aufgetragenen neongrünen Punkte sorgten für Unmut und Ärger bei den Anwohnern. Hinzu kam letzte Woche die Errichtung eines Dialogdisplays, das die Geschwindigkeit kontrollieren und Autofahrer auf Tempo 20 hinweisen soll. Nun die Findlinge.

„Wegwerfen, wegsprengen. Ich bin fassungslos“

„Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg legt seinen Bewohnern in der Begegnungszone wortwörtlich Steine in den Weg“, kritisiert der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner. „Wieder einmal zeigt sich, dass der Baustadtrat seinem Amt nicht gewachsen ist. Gerade in einer Einkaufsstraße, wo viele Anwohner und Touristen entlangschlendern wollen, stören diese neu errichteten Felsbrocken.“ Über die Steine ärgert sich auch Hauke Lang, die mit ihrem Hund vorbeiläuft. Sie fordert: „Wegwerfen, wegsprengen. Ich bin fassungslos.“

Wie jedes Jahr findet an diesem Wochenende das Bergmannstraßenfest statt – zum 25. Mal, jedoch trotz Jubiläum diesmal an einem anderen Standort. Da die Begegnungsstraße mit ihren „Parklets“ zu viel Platz belegt, musste das Fest in die Kreuzbergstraße umziehen, die wegen des Fests gesperrt ist. Lange war unklar, ob das Fest überhaupt stattfinden würde.

Doch nicht alle Anwohner und Besucher sind unzufrieden. „Ich finde die Steine an sich schön“, sagt eine Frau, die vor der Marheineke-Halle auf einer Holzbank sitzt. „Aber es scheint noch nicht fertig zu sein.“