Vorkaufsrecht

Bezirk rettet 80 Wohnungen an der Karl-Marx-Allee

Wie geplant: Im Milieuschutzgebiet wurde das Vorkaufsrecht ausgeübt. Die Wohnungen gehen an die landeseigene WBM.

"Ausverkauf stoppen" Mieterprotest von Anwohnern der Karl-Marx-Allee.

"Ausverkauf stoppen" Mieterprotest von Anwohnern der Karl-Marx-Allee.

Foto: RubyImages/F. Boillot

Friedrichshain. Während im Tauziehen um die 600-700 zum Verkauf stehenden Wohnungen an der Karl-Marx-Allee der Ausgang noch offen ist, haben die Mieter von 80 Wohnungen und acht Gewerbeeinheiten dort vor Weihnachten nun Sicherheit. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat für das Gebäude an der Karl-Marx-Allee 92/100 das Vorkaufsrecht zu Gunsten der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) ausgeübt. Die Option war möglich, weil sich der Block im Milieuschutzgebiet befindet.

Das Käuferunternehmen Deutsche Wohnen habe laut Bezirk zuletzt noch versucht, den Schritt abzuwenden und in einer einseitigen Verpflichtung gemäßigte Konditionen angeboten. Diese sollten aber nur zehn Jahre lang gelten, was dem Bezirk zu wenig gewesen sei. Derweil vermeldete die Deutsche Wohnungen am Mittwoch den Kauf eines weiteren Wohnhauses an der Karl-Marx-Allee. Es handele sich um 150 Mietwohnungen, die den Bestand des Unternehmens langfristig ergänzen sollen, teilte eine Sprecherin mit. Verkäufer ist demnach wie schon im Falle von vier anderen Blöcken mit 755 Wohnungen die Firma Predac.

Das kaufende Unternehmen eines Grundstück an der Kreuzberger Hornstraße 11/Möckernstraße 104A/105 unterzeichnete indes eine Abwendungsvereinbarung, in der es sich verpflichtet, auf kostenintensive Modernisierungsmaßnahmen und Umwandlungen in Eigentumswohnungen zu verzichten. Betroffen sind die Mieter von 37 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten.

Friedrichshain-Kreuzberg hat bisher in 18 Fällen das Vorkaufsrecht angewandt und 24 Abwendungen erreicht. Mehr als 1400 Wohnungen und Gewerbeeinheiten wurden so abgesichert.

Das Bezirksamt prüft jetzt die Transaktion. Der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg Florian Schmidt (Grüne) reagierte auf die Ankündigung gelassen. „Wir werden auch in diesem Fall alle Möglichkeiten einer Rekommunalisierung ausschöpfen“, sagte er.

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