Antje Kapek möchte ja keine Spießerin sein. Aber dass in der Nacht des 1. Mai Tausende Menschen zu wummernden Bässen bis in die frühen Morgenstunden im Görlitzer Park eine per Facebook angekündigte Spontanparty feierten, missfiel der Grünen-Fraktionschefin im Abgeordnetenhaus ebenso wie vielen anderen Anwohnern in SO 36. Das Myfest hatte in diesem Jahr die engen Grenzen des eigentlichen Festgeländes rund um die Oranienstraße gesprengt und den ganzen Ortsteil beansprucht. Vor jedem Spätkauf und vor vielen Kneipen pumpten die Soundsysteme Musik in die Masse der Straßentänzer, Bands spielten unter dem Hochbahnviadukt und das noch lange, nachdem auf der eigentlichen Festmeile die Bühnen abgebaut waren. Viele Ladenbesitzer machten das Geschäft des Jahres. Polizei war kaum zu sehen.

So schön erlebten die meisten Berliner den 1. Mai

Buntes Kreuzberg: Tausende Besucher laufen über das Myfest.
Buntes Kreuzberg: Tausende Besucher laufen über das Myfest. © REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Künstler zeigen beim Myest ihr Können - und Hunderte schauen zu.
Künstler zeigen beim Myest ihr Können - und Hunderte schauen zu. © dpa | Paul Zinken
Helium-Luftballons trugen einiges zum bunten Kreuzberger Straßenbild bei.
Helium-Luftballons trugen einiges zum bunten Kreuzberger Straßenbild bei. © dpa | Jörg Carstensen
Blick in die Menge.
Blick in die Menge. © dpa | Ralf Hirschberger
Drei Frauen verkaufenGemüse- und Salatvariationen.
Drei Frauen verkaufenGemüse- und Salatvariationen. © dpa | Ralf Hirschberger
Zahlreiche Menschen feiern im Görlitzer Park den 1. Mai. Im Hintergrund ist die evangelische Kirche Emmaus.
Zahlreiche Menschen feiern im Görlitzer Park den 1. Mai. Im Hintergrund ist die evangelische Kirche Emmaus.© dpa | Paul Zinken
Am Lausitzer Platz gibt es eine musikalische Darbietung.
Am Lausitzer Platz gibt es eine musikalische Darbietung. © Jörg Krauthöfer
Auch am Mariannenplatz sitzen zahlreiche Menschen beisammen.
Auch am Mariannenplatz sitzen zahlreiche Menschen beisammen. © Jörg Krauthöfer
Wieder mit dabei: der Verkäufer mit den Heliumbalons.
Wieder mit dabei: der Verkäufer mit den Heliumbalons. © REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Einstige Ölfässer dienen als Grilltonne zur Zubereitung von Fleisch.
Einstige Ölfässer dienen als Grilltonne zur Zubereitung von Fleisch. © dpa | Paul Zinken
Ein Streetdancer in Aktion.
Ein Streetdancer in Aktion. © dpa | Paul Zinken
Ein Mann spielt auf seinem Balkon auf einer Klarinette.
Ein Mann spielt auf seinem Balkon auf einer Klarinette. © dpa | Paul Zinken
Dicht an dicht drängen sich die Festbesucher auf der Oranienstraße.
Dicht an dicht drängen sich die Festbesucher auf der Oranienstraße. © REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Eine Frau grillt und verkauft Würstchen an ihrem Stand.
Eine Frau grillt und verkauft Würstchen an ihrem Stand. © REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Eine Anwohnerin dekotiert ihr Fenster mit bunten Luftballons.
Eine Anwohnerin dekotiert ihr Fenster mit bunten Luftballons. © dpa | Paul Zinken
Ein Breakdancer in Aktion. Solche Einlagen gibt es an vielen Punkten auf dem Myfest.
Ein Breakdancer in Aktion. Solche Einlagen gibt es an vielen Punkten auf dem Myfest. © REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Einige Besucher hatten sich verkleidet.
Einige Besucher hatten sich verkleidet. © dpa | Ralf Hirschberger
Menschen ziehen übers Myfest.
Menschen ziehen übers Myfest. © dpa | Ralf Hirschberger
Zwischendurch kam immer wieder die Sonne raus.
Zwischendurch kam immer wieder die Sonne raus. © dpa | Paul Zinken
Die Polizei sicherte das Myfest mit Absperrungen.
Die Polizei sicherte das Myfest mit Absperrungen. © dpa | Paul Zinken
Noch ein Streetdancer.
Noch ein Streetdancer. © dpa | Paul Zinken
Kulinarisch gut dabei: Zwei Köche grillen Fleisch.
Kulinarisch gut dabei: Zwei Köche grillen Fleisch. © dpa | Paul Zinken
Zwei Mitglieder des Organisationsteams Myfest-Crew ziehen Mülltonnen.
Zwei Mitglieder des Organisationsteams Myfest-Crew ziehen Mülltonnen. © dpa | Ralf Hirschberger
Polizeibeamte unterhalten sich am Rande des Myfests.
Polizeibeamte unterhalten sich am Rande des Myfests. © dpa | Ralf Hirschberger
Das Fest verlief friedlich und lockte Besucher auch aus anderen Bezirken an.
Das Fest verlief friedlich und lockte Besucher auch aus anderen Bezirken an. © dpa | Ralf Hirschberger
Das ist Berlin: Ein Mann sitzt auf einem Bürostuhl.
Das ist Berlin: Ein Mann sitzt auf einem Bürostuhl. © dpa | Ralf Hirschberger
Auch im Görlitzer Park kamen viele Menschen zusammen.
Auch im Görlitzer Park kamen viele Menschen zusammen. © picture alliance / NurPhoto | Emmanuele Contini
Eine Besucherin hält ihr Bier in die Höhe.
Eine Besucherin hält ihr Bier in die Höhe. © picture alliance / Eventpress | dpa Picture-Alliance / Hartmut Müller-Stauffenberg
Im Görlitzer Park sitzen einige Menschen auf dem Dach.
Im Görlitzer Park sitzen einige Menschen auf dem Dach. © picture alliance / NurPhoto | Emmanuele Contini

„Das Fest hat einen anderen Charakter bekommen durch die Verlagerung“, glaubt Antje Kapek, die als gebürtige Kreuzbergerin die Entwicklung des Myfests seit Jahren verfolgt. Die Enge der Oranienstraße habe immer auch für Aggressionen gesorgt, die seien am Montagabend verschwunden gewesen. Die Stimmung bei den Spontanpartys war fröhlich. „An sich eine gute Sache, aber man muss schon sehen, welche Folgen das hat“, so Kapek. Darüber müsse man im Bezirk reden.

Bezirksamt: „Polizeitaktik“ begünstigte die Ausdehnung

Im Bezirksamt kann man zu den erweiterten Festgrenzen wenig sagen. Dass die Polizei schon am frühen Nachmittag die Oberbaumbrücke für Autos sperrte und so das bunte Treiben zwischen Schlesischem und Kottbusser Tor sehr begünstigte, sei „Polizeitaktik“, da habe man keinen Einfluss drauf, hieß es aus dem Büro der Bürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne).

Die Veranstalter sind mit dem Verlauf des Myfests zufrieden. Aus ihrer Sicht sei es besser verlaufen als alle Feste zuvor, sagte Soner Ipekcioglu, Sprecher und Mitorganisator des Vereins Myfest36, der das Fest seit 15 Jahren ausrichtet. „Ich persönlich habe das Fest als sehr gut gelaunt erlebt, viele Gäste haben sich auch für die Organisation bedankt, etwa, was Toiletten und Sicherheit betraf“, so der Sprecher.

Insgesamt sollen 200.000 Menschen auf dem Fest gewesen sein, diese Zahl nannte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Montagabend. Wo die Personen gezählt wurden, war dabei nicht ganz klar. Die meisten der Partys in den umliegenden Straßen hätten mit dem offiziellen Myfest nichts zu tun, sagte Ipekcioglu. Nach seinen Informationen seien lediglich zwei Veranstaltungen am Rand des Görlitzer Parks genehmigt gewesen. Die BSR putzte schon in der Nacht mit 100 Einsatzkräften und 40 Fahrzeugen den ganzen Kiez und nahm sich am Morgen auch den Görlitzer Park vor. Von den Straßen wurden 200 Kubikmeter Müll aufgelesen, zehn mehr als 2016. Die Stadt bezahlt den Einsatz. Das Myfest gilt als Veranstaltung mit politischem Charakter, deshalb müssen die Veranstalter für den Müll nicht selbst aufkommen.

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