Friedrichshain

Baustart für das Einkaufs-Ufo in Friedrichshain

An der Mercedes-Benz Arena starten die Bauarbeiten für die futuristische East Side Mall. Sie soll ein junges Publikum ansprechen

So soll die East Side Mall an der Warschauer Brücke nach dem Entwurf des niederländischen Architekten Ben van Berkel aussehen

So soll die East Side Mall an der Warschauer Brücke nach dem Entwurf des niederländischen Architekten Ben van Berkel aussehen

Foto: FREO Financial & Real Estate Operations GmbH

Neben der Mercedes-Benz Arena in Friedrichshain entsteht das neue Einkaufszentrum East Side Mall. „In der vergangenen Woche haben wir begonnen, den Boden auf Kampfmittel zu untersuchen“, sagte Projektleiter Siegfried Tenner von der Freo Group auf Anfrage der Morgenpost. In diesem Monat geht es mit den eigentlichen Bauarbeiten los. Rund 200 Millionen Euro investiert das Unternehmen.

Das Shoppingcenter mit fünf Geschossen entsteht in der Nähe des Bahnhofs Warschauer Straße, an dem täglich rund 85.000 Menschen in S-Bahn, U-Bahn und Straßenbahn umsteigen. Es sind vor allem jüngere Menschen, die in Kreuzberg und Friedrichshain unterwegs sind. Auf diese junge Klientel richtet sich die East Side Mall ein. Ein Fußgängerüberweg auf der Warschauer Brücke ist geplant, für Kunden, die vom U- und S-Bahnhof kommen. Sie gelangen über eine 50 Meter breite Plattform direkt in die Mall. Auf dieser Ebene soll vor allem junge Mode angeboten werden.

120 Geschäfte und Gastronomie auf 38.000 Quadratmetern

Auch auf der Ebene der Arena, an der Tamara-Danz-Straße, entsteht ein Zugang. Er liegt tiefer und führt zu einem Lebensmittelmarkt für die Nahversorgung. Der Markt werde voraussichtlich früher und länger öffnen als die übrige Mall, sagte Projektleiter Tenner. Das Center wird rund 120 Läden beherbergen. In der Etage über den Modeanbietern sollen ein Markt für Unterhaltungselektronik und Sportartikelläden einziehen. Daneben sei ein Foodcourt mit 15 oder 16 Anbietern geplant, so Tenner. „Auch Gastronomen aus dem Kiez sollen dabei sein, die den Kunden schon bekannt sind.“ Nach Süden sei eine Terrasse mit Blick auf den Vorplatz der Arena geplant. Restaurants und Cafés sollen nahe den Zugängen entstehen. Geparkt wird in den beiden obersten Etagen, auf 760 Stellplätzen. Das Dach wird begrünt.

Insgesamt rund 38.000 Quadratmeter Fläche stehen im Neubau für Geschäfte, Dienstleister, Gastronomie und Freizeitangebote zur Verfügung. Davon fast 25.000 Quadratmeter Fläche nimmt der Einzelhandel ein. Rund 30 Prozent sind schon vermietet. Auch Gewerbetreibende aus dem Umfeld sollen in die Mall ziehen. Man sei zum Beispiel im Gespräch mit einem Apotheker aus dem Kiez, sagte Tenner. Das soll die Akzeptanz für das Bauvorhaben erhöhen. Große Einkaufszentren in der Innenstadt würden erfahrungsgemäß auch auf Kritik stoßen, so der Projektleiter. Die Erfahrung in Friedrichshain: Das Bauschild für die Mall war innerhalb kurzer Zeit verschmiert.

Tenner hofft jedoch, dass der Neubau, wenn er fertig ist, auch durch sein futuristisches Äußeres Akzeptanz finden wird. Die Pläne stammen vom Architekten Ben van Berkel und seinem UN Studio in Amsterdam. Die Fassade hat Lamellen, die gesteuert werden können. Die Inneneinrichtung solle anders werden als in üblichen Einkaufszentren, kündigte der Projektleiter an. „Auch damit wollen wir die jüngeren Kunden ansprechen.“ Man erwarte, dass täglich bis zu 25.000 Besucher kommen. Im Herbst 2018 soll die Mall eröffnen.

Die Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg kritisieren das Vorhaben. Man sei nicht glücklich darüber, sagt Jonas Schemmel, Fraktionsvorsitzender in der Bezirksverordnetenversammlung. „Wir brauchen an dieser Stelle nicht noch ein Shoppingcenter.“ Die nahe gelegene Galeria Kaufhof am Ostbahnhof müsse wegen fehlender Kundschaft schließen. „Wir bezweifeln, dass sich ein solches Megaprojekt trägt.“ Außerdem sei eine hohe Verkehrsbelastung zu erwarten, so Jonas Schemmel. „Es fehlt ein Konzept, wie die zu erwartenden Fahrzeugströme gesteuert werden sollen.“ Schon jetzt sei die Warschauer Straße an manchen Tagen völlig überlastet.

Die Freo Group hat noch mehr vor am Standort. Sie plant ein Hochhaus mit 39 Stockwerken und etwa 140 Metern Höhe auf einem kleinen Grundstück neben der Mall, an der Warschauer Brücke. Jetzt sind die Überlegungen zur Nutzung im Gange. Hotel und Büros sind möglich. „Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen“, so Tenner. Erwogen werden auch Serviced Apartments für Menschen, die für mehrere Monate in Berlin leben und arbeiten, aber nicht dauerhaft sesshaft werden wollen. Dieses Hochhaus werde jedoch erst nach der Mall errichtet.

Gropius Passagen in Neukölln immer noch größer

Die Mall in Friedrichshain wird nicht die größte in Berlin sein. Auf Platz eins stehen die Gropius Passagen in Neukölln mit 85.000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche. Platz zwei teilen sich die Mall of Berlin am Leipziger Platz und der Boulevard Berlin an der Schloßstraße in Steglitz (je 76.000 Quadratmeter). Auf dem Anschutz Areal in Friedrichshain sollen in diesem Jahr weitere Vorhaben beginnen. Die Anschutz Entertainment Group baut auf dem Gelände einen „Entertainment District“ nach amerikanischem Vorbild, bestehend aus einem Multiplex-Kino mit 14 Sälen und eine weitere Veranstaltungshalle mit 4000 Plätzen. Außerdem sind zwei Hotels, ein Bowlingzentrum mit 28 Bahnen und bis zu 15 Cafés und Restaurants geplant. Die Neubauten werden an einem Boulevard liegen, der von der Mühlenstraße zur Arena führt, und 2018 fertig sein wird. Die Investition ist mit insgesamt 190 Millionen Euro angegeben. „Die Arbeiten werden in Kürze beginnen“, versicherte Anschutz-Sprecher Moritz Hillebrand auf Anfrage. „Wir liegen im Plan.“