Gutachten gefordert

Anwohner der Karl-Marx-Allee wehren sich gegen Baupläne

An der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain sollen 20 neue Hochhäuser entstehen - in Höfen, auf Grünflächen und Parkplätzen.

Die Karl-Marx-Allee in Friedrichshain

Die Karl-Marx-Allee in Friedrichshain

Foto: Britta Pedersen / dpa

Anwohner aus Friedrichshain wollen mehr Schutz vor Feinstaub, Lärm und Verkehr in den Wohngebieten nördlich und südlich der Karl-Marx-Allee. In einem Einwohnerantrag fordern sie, dass Umweltgutachten von externen Fachleuten eingeholt werden, bevor das Areal verdichtet wird und neue Hochhäuser entstehen.

Mehr als 2000 Unterschriften von Befürwortern aus dem Bezirk wurden eingereicht, doppelt so viel wie nötig. Der Antrag sei zulässig, teilte Kristine Jaath (Grüne) die Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg, Anfang April mit. Ende April wird das Anliegen von den Bezirksverordneten diskutiert.

Hochhäuser sollen auch in Höfen entstehen

Hintergrund sind die Pläne der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM), in Friedrichshain auf 20 Flächen neue Punkthochhäuser mit mindestens zehn Geschossen zu bauen und mehr als 700 neue Wohnungen zu schaffen. Sie sollen auf Innenhöfen, Grünflächen und Parkplätzen entstehen.

Diese Verdichtung werde zu einem verstärkten Wärmestau in den Höfen und in den Wohnungen führen, kritisiert das Bürgerbündnis. Rasen und Sträucher verschwinden. An der Koppenstraße würden alte Kastanien gefällt und könnten nicht mehr für Schatten sorgen. Zudem wird befürchtet, dass der Autoverkehr zunehmen und die Schadstoffbelastung steigen wird.

Anwohner wollen an Planung beteiligt werden

Das Bürgerbündnis fordert, dass es für die Neubauten der WBM eine umfassende Planung geben soll, an der sich Anwohner beteiligen können, und dass die langfristigen Folgen der Neubauten für Klima und Gesundheit berücksichtigt werden.

Die BVV Friedrichshain-Kreuzberg hatte schon 2015 eine Prüfung gefordert, ob das Karree an der Karl-Marx-Allee die geplante Verdichtung verträgt oder ob eine Veränderungssperre sinnvoll ist.

Im Februar 2016 beschlossen die Verordneten, dass vorerst keine bezirkseigenen Grundstücke an die WBM verkauft oder übertragen werden sollen. Denn die Gesellschaft plant, rund ein Viertel der neuen Wohnungen auf Flächen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg zu errichten. Die WBM hat einen Runden Tisch eingerichtet, um über ihre Vorhaben zu diskutieren.