Ob drogenfreie Zone im Görlitzer Park oder Pantomime gegen Partylärm: Für außergewöhnliche Ideen war Friedrichshain-Kreuzberg schon immer gut. Jetzt will der grünregierte Bezirk sich frei von Sexismus und Diskriminierung machen. Neuerdings darf auf Werbeplakaten nur noch mit Motiven und Produkten geworben werden, die bestimmten Kriterien nicht widersprechen.
Über ein Jahr arbeitet eine 15-köpfige, bis auf eine Ausnahme ausschließlich weibliche, Arbeitsgemeinschaft zehn Punkte aus. Werbung werde größtenteils von „weißen, gesunden, heterosexuellen Mittelschichtmännern dominiert“, während Frauen gezielt abgewertet würden, heißt es in der Vorlage. Verboten sein soll Werbung, die vermittelt, dass Frauen „zwar schön, aber hysterisch, dumm, unzurechnungsfähig“ sind. In der die Frau unter dem Mann „(kaum bekleidet) hockt, kniet, sitzt oder liegt, während der Mann (vollständig bekleidet) eine höhere Position einnimmt.“ Nicht erwünscht sind auch bestimmte Rollenbilder, wie das der Frau, die „mit großer Freude im Haushalt beschäftigt“ ist. Ebenso farbliche Stereotypen, wie die Farbe Blau bei Jungen und Rosa bei Mädchen.
Werberat hält Kreuzberger Werbe-Verbot für übertrieben
Dem Deutschen Werberat geht das zu weit. „Der Staat kann nicht vorgeben, welches Rollenbild das richtige ist“, sagte Sprecherin Julia Busse. Die Abbildung eines Klischees sei nicht per se diskriminierend. Doch die Arbeitsgruppe hält an ihrem Weg fest. „Wir haben eine Verantwortung dafür, wie die Werbung in unserem Bezirk aussieht“, sagte Susanne Hellmuth (Grüne), Vorsitzende des Ausschusses für Frauen und Gleichstellung. „Das hat nichts mit Verbot und Zensur zu tun.“ Das Feedback sei bisher sehr gut, gerade von Eltern. Hellmuths Gruppe orientierte sich bei der Ausarbeitung an Richtlinien, die in Österreich gültig sind. „Wir hoffen auf Nachahmer, andere Bezirke oder das Land“, sagte Hellmuth.
Betroffen sind in Friedrichshain-Kreuzberg zunächst nur fünf Werbeflächen, die einzigen, die vom Bezirk selbst betrieben werden. Vermarktet werden sie von Ströer Media aus Köln. Dort will man den Vorstoß nicht kommentieren. „Wir setzen natürlich sämtliche Vorstellungen und Wünsche um“, sagte ein Sprecher.
lov




