Außenwerbung

Berliner Unternehmen Wall testet digitale Werbebotschaften

Der Außenwerber Wall testet in 25 Berliner U-Bahnhöfen digitale Werbeangebote mit Informationen und Service. Von den neuen City Light Postern der Firma profitieren auch Berliner Kultureinrichtungen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Am U-Bahnhof Wittenbergplatz hat die digitale Zukunft begonnen – zumindest ein klein wenig. Zwar rollen die gelben U-Bahn-Wagen wie die Eisenbahn vor 150 Jahren ganz analog über die Gleise. Und gesteuert werden die Züge wie gewohnt von Triebfahrzeugführern der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und nicht von seelenlosen Computern.

Doch auf den Bahnsteigen tut sich etwas: Dort flimmern jetzt Werbebotschaften über elektronisch gesteuerte Aufsteller – sogenannte City Light Poster (CLP) –, die nach und nach das althergebrachte Reklame-Plakat aus Papier ablösen sollen. „Eine Neuentwicklung aus Berlin für Berlin“, betont Daniel Wall, Vorstandsvorsitzender der Wall AG. Das in der Hauptstadt ansässige Unternehmen gestaltet noch bis 2020 die Außenwerbung in den Bahnhöfen und an den Fahrzeugen der BVG.

In zunächst 25 Berliner U-Bahn-Stationen hat Wall jetzt die neuen City Light Poster aufgestellt. Digitale Werbeflächen haben für den Vermarkter gegenüber dem simplen Plakat viele Vorteile: Die Flächen können gleich mehrfach genutzt (bis zu sechs Motive), die Inhalte der Anzeigen können zudem einfacher und schneller verändert und angepasst werden. „Wir sind in der Lage, viel schneller und auch ortsbezogen auf die Wünsche unserer Kunden zu reagieren“, sagt Wall. Die neue, allerdings auch deutlich teurere Technik bietet zudem völlig neue Informationsmöglichkeiten.

Von einer dieser Möglichkeiten können kulturinteressierte Berliner und die zahlreichen Besucher der Stadt ab sofort profitieren. Denn neben den digitalen Werbebotschaften für Autos, Schokoriegel oder Fernreisen werden über die Bildschirme jetzt auch Ankündigungen für Theater-Premieren und Opern-Aufführungen veröffentlicht. Der unter dem Namen „bluespot Premieren“ angebotene Service ist für die Kultureinrichtungen kostenlos. „Traditionell unterstützen wir die Berliner Kunstszene und engagieren uns für die Stadt – nun haben wir ein weiteres Angebot geschaffen, mit dem wir dem kreativen Berlin unter die Arme greifen“, sagt Wall. Kulturstaatssekretär Tim Renner freut sich über das Premierenplakat: „Diese neue Form der Kulturförderung durch die Wall AG ist großartig – und auch technisch innovativ. So werden die Bühnen und Museen unserer Stadt noch besser sichtbar, viel mehr Berliner und Berlin-Besucher werden auf unsere Theater, Opern und Ausstellungen aufmerksam“, heißt es in Renners Erklärung. Das neue Werbeangebot sei „eine Bereicherung für die Kulturstadt Berlin“.

Dialog über Handy

Auf den City Light Postern im Bahnhof Wittenberplatz läuft gerade eine Ankündigung für die Western-Operette „Arizona Lady“ von Emmerich Kálmán, die am Sonntag in der Komischen Oper Erstaufführung hatte und am 30. Dezember wieder aufgeführt wird. Auch die Premiere von „Marlene“ am 25. Dezember im Renaissance-Theater am Kurfürstendamm wird beworben.

Das Premierenplakat bietet gleich mehrere Verbindungen, wie der interessierte U-Bahn-Fahrgast weitergehende Auskünfte erhalten kann. In den Vitrinen sind kleine Chips, sogenannte Beacons, verbaut, die Signale aussenden. Klickt der Passant die von seinem Smartphone angezeigte Nachricht an, gelangt er zu weiterführenden Informationen etwa zur Beschreibung der Handlung oder zu Regisseur und Solisten des Stücks. Möglich ist auch, direkt über das Handy Karten für die jeweilige Aufführung zu kaufen. Dafür muss der Nutzer allerdings die Wall-eigene App „bluespot City Guide“ auf seinem Smartphone installiert haben. „Er muss auch keine Sorgen haben, dass er ungewollt mit Werbebotschaften bombardiert wird. Es werden nur Informationen übermittelt, zu denen man sein Einverständnis gegeben hat“, sagt Unternehmenssprecher Michael Wehran. Neben der App kann der Smartphone-Nutzer auch über einen QR-Code (das sind die kleinen Schwarz-Weiß-Muster) oder mittels der in neueren Handys integrierten NFC-Funktionen Informationen unkompliziert abrufen. „Wir bieten jetzt erst einmal solche Informationen für die bekannten, öffentlich geförderten Häuser. Aber ich kann mir vorstellen, das Angebot auch auf die freie Kulturszene auszuweiten“, sagt Daniel Wall.

Moderne Glasfasertechnik

Das Angebot ist für die Kultureinrichtungen kostenlos, wird von dem Außenwerber aber nicht ganz uneigennützig gemacht. „Wir wollen zeigen, was mit der neuen Technik alles machbar ist“, sagt Wall. Was moderne Kommunikationsformen betrifft, liege Berlin weiter hinter anderen Metropolen. Berlin tut sich bisher schwer, in der Stadt kostenlose Internetzugänge anzubieten. Auch in den Bahnhöfen herrscht fast immer Funkstille. „Da sind London oder New York schon viel weiter“, so Wall. Dabei könnte gerade in der U-Bahn das Problem relativ leicht gelöst werden. Die neuen Wall-Werbevitrinen sind über ein modernes Glasfasernetz mit leistungsfähigen Servern verbunden. Über sie könnten sich Handy-Nutzer auch kabellos in das Internet einwählen. „Am Ende steht natürlich immer die Frage, wie wird das finanziert“, sagt Wall. Er kündigte an, möglichst bald mit BVG-Chefin Sigrid Nikutta über ein solches Angebot zu reden.

Die BVG sieht – angesichts der damit verbundenen hohen Investitionen – ein WLAN-Angebot oder besseren Handy-Empfang in der U-Bahn vor allem als Aufgabe für die Netzbetreiber. Derzeit rüstet etwa der Mobilfunk-Betreiber E-Plus mit Millionenaufwand seine Technik in den Tunnelanlagen um, damit sich der Empfang in der U-Bahn verbessert. Ungeklärt ist bisher jedoch, wie Nutzer anderer Netze davon partizipieren können.