Wo ist der Besen? Die Männer rennen hin und her, Gitter werden geschoben, die Einfahrt zum Hinterhof muss noch gefegt werden. Kurze Frage? „Keine Zeit, der Minister kommt gleich“, ruft ein junger Mann. Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wird zu ihnen in die Skalitzer Straße kommen, gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mazyek.
Sie wollen sich ein Bild von der Zerstörung machen, die ein Feuer am 12. August an einem noch nicht fertigen Anbau der Mevlana Moschee in Kreuzberg hinterlassen hat. Die Polizei hat inzwischen bestätigt, dass Spuren einer brennbaren Flüssigkeit festgestellt wurden, nicht aber, ob es sich um Brandstiftung handelt.
Im Hof der Moschee, der den Gläubigen seit dem Feuer als Ort des Gebetes dient, steht die Minbar, die Kanzel von der der Imam zu den Betenden spricht. Ein mit schwarzen Tüchern behängtes Provisorium, für die Zeit, in der die Moschee nicht betreten werden darf. Eine Auflage des Bauamtes.
Der Imam Fazli Altin erzählt, dass seit bald einem Jahr nicht mehr an dem Anbau gebaut worden sei, weil speziellen Arbeitern aus der Türkei bislang kein Visum erteilt worden sei. Nur deswegen habe überhaupt so viel Baumaterial herumgelegen, von dem aus dann das Feuer ausgebrochen sei.
Angst vor fehlender Rückendeckung
Der Besuch des Vizekanzlers ist ein Signal, das die Gemeinde gebraucht hat. „Denn wir haben Furcht, dass uns besonders in dieser Zeit die nötige Rückendeckung fehlt“, sagt Murat Kosdemir. Er kommt regelmäßig zum Gebet in die Moschee. Es sei ein gutes Zeichen, dass Gabriel komme. „Dann fühlen wir uns nicht ganz so allein gelassen.“ Von den staatlichen Institutionen meint er, von der Berliner Politik.
Gabriel sprach von einem „Attentat“ und mahnte nach dem Rundgang durch das verbrannte Gebäude, an dem auch Stephan Kramer, Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, teilgenommen hatte: „Ein Anschlag auf Kirchen, Gotteshäuser und Moscheen ist ein Anschlag auf das Zentrum der Gesellschaft.“ Und in Deutschland sollten keine Konflikte aus anderen Teilen der Welt ausgetragen werden. „Gerade in dieser Zeit wollen wir in Deutschland offen und tolerant leben“, sagte Gabriel. Mazyek betonte, das Feuer in der Moschee dürfe keinen Keil in die Gesellschaft treiben.

