Berlin-Kreuzberg

Feuer in Moschee - Technischer Defekt könnte Ursache sein

An der Skalitzer Straße in Kreuzberg hat der Rohbau an der Mevlana-Moschee gebrannt. Hinweise auf eine politische Tat fand der Staatsschutz nicht. Ursache könnte ein technischer Defekt gewesen sein.

Foto: Schroeder

In der Mevlana-Moschee an der Skalitzer Straße in Berlin-Kreuzberg hat es in der Nacht zu Dienstag gebrannt. Zunächst war eine vorsätzlichen Tat vermutet worden, und auch einen politisch motivierten Anschlag hatten die Sicherheitsbehörden in den ersten Stunden nach dem Feuer nicht ausschließen können. Der für solche Straftaten zuständige Polizeiliche Staatsschutz war in die Ermittlungen eingebunden.

Ersten Erkenntnissen nach liegen aber bislang keine Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung vor. Deshalb hat der Staatsschutz den Fall wieder abgegeben.

Man gehe inzwischen nicht mehr von Brandstiftung und einer politischen Motivation aus, sagte eine Polizeisprecherin. Möglich sei ein technischer Defekt. Das Brandkommissariat hat nun die Ermittlungen übernommen.

Keine Einbruchsspuren

Gegen 22.50 Uhr am Montag war die Feuerwehr zu dem Brand gerufen worden, Menschen kamen nicht zu Schaden. Wie sich im Zuge der Untersuchungen herausstellte, war die Moschee 20 Minuten vor Ausbruch des Feuers geschlossen worden. Wenig später bemerkte schließlich ein hinter dem Gebäude ansässiger Installationskünstler die Flammen und rief die Polizei.

Als die Einsatzkräfte eintrafen, schlugen hohe Flammen aus einem Anbau, der an der Moschee entsteht. Nachdem das Feuer schließlich unter Kontrolle war, fanden Brandexperten heraus, dass dort gelagertes Verpackungs- und Baumaterial gebrannt hatte. Die Flamen hatten zudem auf die Fassade übergegriffen und verrußten sie stark. Sechs Staffeln der Feuerwehr waren nötig, um den Brand zu löschen.

„Dieser Anbau ist an einer Seite durch ein Rollgitter und auf der anderen durch einen Stacheldrahtzaun gesichert“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. „Unsere Ermittler haben keine Spuren entdecken können, die darauf hinweisen, dass sich jemand unbefugt Zugang verschafft hat. Es gibt keine Einbruchsspuren.“ Vielmehr spreche im Moment einiges dafür, dass das Feuer durch Fahrlässigkeit oder einen technischen Defekt ausgelöst wurden. In dem Rohbau stehen mehrere elektrische Geräte, darunter auch eine Kühltruhe. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass eines davon einen Kurzschluss hatte.

Nach Polizeiangaben ist das Gebäude nicht nur total verrußt, sondern auch die Bausubstanz wurde so stark angegriffen, dass der Beton abplatzte und die Eisenverstärkung freigelegt wurde. „Deswegen wurde die Bauaufsicht zu der Einsatzstelle geschickt“, so Neuendorf. „Es muss genau geprüft werden, ob die Statik noch intakt ist.“ Vorher könne das Gebäude nicht freigegeben werden. Die Höhe des Schadens konnte die Polizei zunächst nicht beziffern.

„Lückenlose Aufklärung“ gefordert

In einer ersten Stellungnahme zu dem Feuer forderte der Türkische Bund in Berlin und Brandenburg (TBB) eine lückenlose Aufklärung. Nach Angaben von Vorstandssprecherin Ayse Demir hätten Statistiken der Bundesregierung ergeben, dass die Angriffe auf Moscheen in den vergangenen Jahren stark zugenommen hätten. „Das bereitet uns große Sorge. Aus diesem Grund fordern wir eine lückenlose Aufklärung, mit besonderem Augenmerk auf einen möglichen islamfeindlichen und rassistischen Hintergrund.“

Auch der innenpolitische Sprecher der Linke-Fraktion, Hakan Tas, forderte Polizei und Innenverwaltung auf, den Brand vollständig aufzuklären.

Ein an den Ermittlungen beteiligter Beamter sagte, dass aber „nach derzeitigem Stand kein Anschlag oder eine vorsätzliche Brandstiftung“ vorliege. Die endgültigen Ergebnisse der Untersuchungen der Kriminaltechnik dürften aber mehrere Tage in Anspruch nehmen, so Neuendorf. Der Brandschutt wurde gesichert und zur Untersuchung ins Labor gebracht. Er soll auf mögliche Brandbeschleuniger wie Benzin oder Spiritus untersucht werden. Ferner werden die Gegenstände gesichtet, die in dem Anbau gefunden wurden. Sie sind allerdings durch die Flammen stark beschädigt.

Sowohl der türkische Generalkonsul als auch der Botschafter kamen am Dienstag zur Mevlana-Moschee, um sich ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung zu machen.

Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) will sich am Mittwoch die Schäden an der Moschee ansehen. Sie werde von einem CDU-Abgeordneten aus dem Bezirksparlament begleitet, teilte ihr Sprecher am Dienstag mit. Herrmann wolle auch mit Gemeindemitgliedern sprechen.

Bei den Sicherheitsbehörden wurden die ersten Ermittlungsergebnisse des Landeskriminalamtes (LKA), wonach es sich auch um fahrlässige Brandstiftung oder einen technischen Defekt handeln könnte, mit Erleichterung aufgenommen. „Durch den Konflikt im Nahen Osten sind die Muslime ohnehin sehr empört. Ein politisch motivierter Anschlag auf eine Moschee in der Hauptstadt Deutschlands hätte fatale Folgen für die Sicherheit der Stadt haben können“, sagte ein Ermittler.

In der Vergangenheit war es bereits zu mehreren Anschlägen auf islamische Einrichtungen in Berlin gekommen. Für Schlagzeilen sorgte vor allem eine Tat, bei der 2012 einen Schweinekopf vor der Sehitlik-Moschee in Neukölln abgelegt worden war. Der Täter, der als rechtsextrem gilt, wurde dafür im Januar 2014 zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt.