Kreuzberg

Polizei findet Brandbeschleuniger in Moschee-Ruine

Immer noch ist unklar, ob das Feuer an der Kreuzberger Mevlana-Moschee ein Anschlag oder ein Unfall war. Laut Erkenntnissen der Polizei kann eine Brandstiftung nicht länger ausgeschlossen werden.

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Mehr als 500 Muslime haben sich am Freitagvormittag vor der Mevlana-Moschee in Kreuzberg versammelt. Männer breiteten ihre bunten Teppiche auf dem Gehweg und der Skalitzer Straße aus und beteten. Frauen und Kinder standen abseits und beteten dort. 280 Polizisten sicherten das Areal.

Anlass für diesen außergewöhnlichen Anblick war das Feuer in der Nacht zu Dienstag, das in einem Anbau anfing und auf die Moschee übergriff. Seitdem hat die Gemeinde keinen Gebetsraum mehr. Das Freitagsgebet – welches das wichtigste der muslimischen Woche ist – musste also unter freiem Himmel stattfinden.

Verwirrende Ursachensuche

Zuerst wurde eine gezielte Brandstiftung als Brandursache befürchtet. Schließlich gab es schon mehrere Übergriffe auf die muslimische Gemeinde. Dann hieß es, ein technischer Defekt hätte das Feuer auslösen können.

In dem Rohbau stehen mehrere elektrische Geräte, darunter auch eine Kühltruhe. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass eines davon einen Kurzschluss hatte, sagte ein Sprecher der Polizei noch vergangenen Mittwoch.

Deswegen übernahm ein Brandkommissariat die Ermittlungen. Ursprünglich hatte der Staatsschutz, der für politisch motivierte Taten zuständig ist, die Untersuchung geführt.

Brennbare Flüssigkeit im Schutt gefunden

Am Freitag teilte die Polizei dann mit, dass Kriminaltechniker in den Brandresten Spuren einer brennbaren Flüssigkeit gefunden haben. Demnach könne Brandstiftung doch nicht mehr ausgeschlossen werden. Die Ermittlungen leitet nun also doch wieder der Staatsschutz – allerdings in Zusammenarbeit mit dem Brandkommissariat. Die Soko heißt offiziell „Ermittlungsgruppe Skalitzer Straße“.

Nach dem vorläufigen Ergebnis der Untersuchung müsse nun klargestellt werden, „ob brennbare Flüssigkeiten vorsätzlich zur Brandlegung benutzt wurden oder durch einen technischen Defekt bzw. fahrlässige Handhabung in Brand gerieten“, hieß es in der Mitteilung. Nach Informationen der Berliner Morgenpost geht der Staatsschutz nach wie vor von Fahrlässigkeit oder einem technischen Defekt aus. Hinweise auf eine Straftat gebe es bislang nicht.

„Wenn in Berlin Moscheen in Brand gesetzt werden, geht das uns alle etwas an“, sagte der Vorsitzende der Berliner Grünen, Daniel Wesener, zu den Hinweisen eines möglichen Brandanschlags. Muslime seien Teil Berlins, so Daniel Wesener weiter. Ein Angriff auf sie sei daher ein Angriff auf alle Berliner.

„Mangelnde Sensibilität in der deutschen Gesellschaft“

Auf einer Pressekonferenz nach dem Freitagsgebet sagte Imam Ismail Altin, der die Freitagspredigt gehalten hatte, dass die Versammlung Solidarität mit der Moschee und ihrer Gemeinde zum Ausdruck bringen und auf „mangelnde Sensibilität in der deutschen Gesellschaft“ hinweisen sollte. Direkt nach dem Feuer habe die Polizei unzureichend mit dem Moscheevorstand kommuniziert, auch Politiker hätten zu lange keine Anteilnahme gezeigt.

Innensenator Frank Henkel (CDU) teilte am Freitag mit, die Polizei habe in den vergangenen Tagen in einem engen Dialog mit den Betroffenen gestanden. „Wenn nur der Verdacht besteht, dass es sich um eine vorsätzliche Brandstiftung handeln könnte, muss dies dringend aufgeklärt werden“, so Henkel.

Allerdings erklärte Polizeisprecher Stefan Redlich, dass nach wie vor keine Hinweise auf einen islam- oder ausländerfeindlichen Anschlag vorlägen. „Es gibt weder Spuren von gewaltsamem Eindringen, noch irgendwelche Schmierereien“, sagte Redlich. Auch ein Bekennerbrief lag der Polizei am Freitagnachmittag nicht vor.

Die Feststellung der brennbaren Flüssigkeit in dem Brandschutt sei zwar ein Indiz, dass es Brandstiftung sein könnte. „Es gibt aber auch andere Gründe, warum eine derartige Flüssigkeit in einem Gebäude sein kann“, erklärte Redlich. Das Ziel der Polizei sei nun eine schnelle und gesicherte Aufklärung der Brandursache – mit der erforderlichen Sensibilität.

Kritik an Öffentlichkeitsarbeit

Der innenpolitische Sprecher der Linke-Fraktion, Hakan Tas, der die Mevlana-Moschee am Freitag persönlich besuchte, kritisierte die bisherige Öffentlichkeitsarbeit der Behörden. „Ich finde es merkwürdig, dass ohne genaue Untersuchungen Aussagen über die mutmaßliche Brandursache getroffen worden sind, die nun widerlegt wurden.“ Die Behörden sollten bei der Verkündung voreiliger Schlüsse künftig vorsichtiger sein, forderte Tas. Seine Fraktion werde den Fall und die Informationspolitik am 15. September im Innenausschuss thematisieren.

Wie berichtet, wurde die Feuerwehr am Montag gegen 22.50 Uhr zu dem Brand gerufen. Ein hinter dem Gebäude ansässiger Installationskünstler hatte die Flammen zuerst bemerkt und die Polizei verständigt. Ermittlungen ergaben, dass die Moschee 20 Minuten vor Ausbruch des Feuers geschlossen worden war. Als die Einsatzkräfte eintrafen, schlugen schon hohe Flammen aus einem Anbau, der an der Moschee entsteht. Es entstand an dem Rohbau ein hoher Sachschaden. Die genaue Höhe steht noch nicht fest.

Foto: Steffen Pletl