Drei Wochen nach dem Start von uniformierten Streifen gegen den Drogenhandel im Görlitzer Park in Kreuzberg haben Polizei und Bezirk eine vorsichtig-optimistische Bilanz gezogen. Gestoppt wurden die Dealer aber bislang keineswegs. Das gibt auch die Polizei zu. Der Drogenhandel sei „erheblich gestört und eine Ausweitung verhindert“ worden, teilte sie der Nachrichtenagentur dpa mit. „Eine abschließende Aussage zur Wirksamkeit der Doppelstreifen“ lasse sich noch nicht treffen.

Auch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg geht von einem längeren Prozess aus. Der zuständige Stadtrat Peter Beckers (SPD) sagte aber auch: „Die ersten Erfolge der gemeinsamen Streifen finde ich erfreulich. Es zeigt, dass die Dauerpräsenz der Streifen das Sicherheitsgefühl der Besucher erhöht.“

Obwohl in Kreuzberg Uniformen nicht immer beliebt seien, habe es keine Klagen oder Beschwerden gegeben, hieß es. „Die hohe Akzeptanz der Bevölkerung freut uns sehr. Wir sind auf einem guten Weg“, sagte Becker. Verstärkt will das Bezirksamt jetzt wieder Schulen mit Flohmärkten und Familien zu Ausflügen zurück in den Park holen.

Dealer weichen auf Nebenstraßen und U-Bahnhof aus

Seit einigen Jahren verkaufen Dealer im Görlitzer Park besonders Marihuana. Zeitweise stehen mehr als hundert Drogenhändler und Zuarbeiter, meist Flüchtlinge aus Afrika, an den Eingängen und Wegen. Im Frühjahr wurden Kokain und die gefährliche Aufputschdroge Crystal Meth in einem Sandkasten gefunden. Selbst eingesessene Kreuzberger und Familien mit Kindern waren zunehmend genervt und empört von den ständigen Ansprachen und Angeboten der Drogenhändler.

Seit Anfang Mai laufen Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsamts täglich durch den Park, um den Drogenhandel zu stören. Teilweise sind auch Suchhunde dabei. Gezielte Razzien gibt es nebenbei auch, die Streifen setzen aber auf Präsenz.

Zu beobachten ist nun, dass die Dealer beim Auftauchen der Polizeistreifen ihre Standorte wechseln und ihre Ware woanders verkaufen. Zudem nahm der Drogenhandel in den Seitenstraßen und rund um den nahe gelegenen U-Bahnhof Görlitzer Park deutlich zu.

„Dealerszene in Wohnviertel verlagert“

Die Polizei listet für den Zeitraum 5. bis 21. Mai rund 300 „Einsatzkräftestunden“ auf. Seit Beginn des Jahres seien mehr als 1000 Menschen überprüft und mehr als 100 Menschen festgenommen worden. 250 Ermittlungsverfahren wegen Drogen seien eingeleitet worden. Polizeihunde hätten „regelmäßig versteckte Rauschgiftpäckchen gefunden“.

Sascha Langenbach, Sprecher von Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne), beschrieb, die Polizei sei mit ihren Hunden vor allem rund um die Spielplätze unterwegs. „Wenn die Polizei Drogen findet und die Dealer in Bewegung bleiben müssen, ist das beides schlecht für das Geschäft. Die Stammkunden finden sie nicht mehr und die große Verlässlichkeit von früher ist weg.“

Er räumte aber ein: „Es ist extrem ärgerlich, wenn sich die Dealerszene nun in Wohnviertel verlagert. Das bereitet uns Sorge und ist auch nicht befriedigend. Aber den Königsweg hat noch keiner gefunden.“

Polizei warnt vor Raubüberfällen

Das Ordnungsamt konzentrierte sich demnach besonders auf allgemeine Verstöße außerhalb der Dealerszene. In den ersten Wochen seien knapp hundert Hundebesitzer ermahnt oder verwarnt worden, sagte Langenbach. Die Streifen hätten sich auch um verbotenes Grillen und den Lärm der Partytouristen gekümmert.

„Das ist schwierig in einem Umfeld und bei Menschen, die gewohnt waren, dass bei Verstößen nichts passiert“, betonte er. „Es gab aber keine Pöbeleien und keine Angriffe. Das ist eine große Überraschung und sehr erfreulich.“

Die Polizei warnte zudem vor Raubüberfällen. Mehrfach seien junge Menschen gezielt mit Drogenangeboten in den Park gelockt und dann dort beraubt worden.

dpa/jkw