Prozess

Messerattacke in besetzter Kreuzberger Schule - Täter schweigt

In der von Flüchtlingen besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg muss sich die Justiz mit mehreren gewalttätigen Vorfällen befassen. Nun steht ein 19-Jähriger vor Gericht, der im Streit einen Mann niedrgrestichen haben soll

Sechs Monate nach einer Messerattacke auf dem Gelände der als Notunterkunft genutzten ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule an der Ohlauer Straße in Berlin-Kreuzberg hat der mutmaßliche Täter vor dem Landgericht die Aussage verweigert. Der 19 Jahre alte Mann muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. Er soll in einem Streit hinterrücks zugestochen und das damals 20-jährige Opfer schwer verletzt haben. Die Verteidigerin des Angeklagten kündigte zu Beginn der Verhandlung am Donnerstag an, dass sich ihr Mandant zu einem späteren Zeitpunkt äußern werde.

Der aus dem Tschad stammende Angeklagte war seit März 2013 in einem Flüchtlingsheim im Land Brandenburg gemeldet. Am 14. November 2013 soll er sich auf dem Schulhof der Gerhart-Hauptmann-Schule aufgehalten haben. Zum Messerangriff sei es in einem Streit um Whisky und einen Joint gekommen, heißt es in der Anklage. Ohne Vorwarnung habe er das Opfer, das ihm weder Alkohol noch Drogen geben wollte, attackiert. Der Mann wurde durch drei wuchtige Stiche gegen den Kopf und den Oberkörper verletzt.

Täter soll betrunken gewesen sein

Das inzwischen 21 Jahre alte Opfer sagte, sie hätten zunächst mit weiteren Flüchtlingen in einer Bar auf dem Gelände gezecht. „Am Abend wurde er aggressiv“, sagte der aus dem Niger stammende Mann über den Angeklagten. Mit dem Einsatz eines Messers habe er jedoch nicht gerechnet. Zwei Tage sei er in einem Krankenhaus behandelt worden.

Die frühere Schule an der Ohlauer Straße hatten vor rund anderthalb Jahren Flüchtlinge besetzt. Etwa 250 Personen – darunter inzwischen auch Roma und Obdachlose – sollen sich derzeit dort aufhalten. Die Unterkunft befindet sich in einem sehr schlechten Zustand. Mehrfach kam es in der Vergangenheit zu Gewalt. Im April endete eine Messerattacke unter zwei Bewohnern tödlich. Der Prozess gegen den 19-Jährigen wird 26. Mai fortgesetzt.