Mysteriöser Trend

In Kreuzkölln toben sich Hipster beim Reifenwerfen aus

An der Grenze von Neukölln und Kreuzberg schleudern Unbekannte Fahrradmäntel über Straßenpfeiler – angeblich eine neue Disziplin der Hipster-Olympiade. Deren Gründer weiß allerdings von nichts.

Foto: Nele Obermüller

Wer derzeit durch Neukölln oder Friedrichshain-Kreuzberg läuft und sich anhand der Straßenschilder orientieren möchte, wird dort nicht nur Straßennamen oder Verkehrssymbole sehen, sondern auch alte Fahrradreifen. Auf der Pannierstraße in Neukölln etwa gibt es kaum ein Schild ohne Bereifung. Doch woher sie kommen und was sie zu bedeuten haben, scheint keiner zu wissen.

Pippa, eine 25 Jahre alte Kellnerin im Café „Neues Off“ Ecke Weserstraße, wo sich Reifen mittlerweile auf den Schildern stapeln, hatte sich lange gewundert was es mit dem Reifenschmuck auf sich hat. Eines Abends sah sie dann eine Gruppe Jugendlicher, die auf ein Straßennamenschild mit Reifen warfen. „Die haben mir gesagt, es sei ein Hipster-Sport und das es mit der Hipster-Olympiade zu tun hat und offenkundig Spaß macht“, sagt Pippa.

Gründer der Hipster-Olympiade kennt neue Disziplin nicht

Die Hipster-Olympiade wurde 2011 von den Brüdern Alexander und Christian Bernikas initiiert. Im Februar 2013 gab es auch ein Hipster-Winter-Cup. Bei den Events trifft Selbstironie auf kreativen Spaß, während Szenegänger sich an Disziplinen wie etwa Mate-Eis-Wettlutschen, einem Instagram-Fotopuzzle und Triangel-Shooting messen. Doch Alexander Bernikas sagt, er hätte noch nie etwas von Fahrradreifen-Werfen gehört. Selbst er und seine Mitstreiter würden am Wochenende nicht so hart feiern, „dass wir uns nicht mehr daran erinnern könnten, wenn wir mit Fahrradreifen auf Straßenschilder schmeißen würden“.

2011 gab es einen ähnlichen Schilderschmuck, den sogenannten Shoefiti Trend – mit zusammengebundenen Schuhen. Im Internet fanden sich zahlreiche Erklärungsversuche. Eine Theorie besagte, der Trend stammt aus Amerika, wo Straßengangs und Dealer die Schuhe zum Abgrenzen ihres Reviers benutzten. Laut anderer Erklärungen feiern Studenten oder Schüler mit dem Schuhwerf-Ritual ihren Abschluss oder Soldaten ihre Entlassung aus dem Militär.

Laut einer Polizeisprecherin haben sich Anwohner bereits beschwert. Da es aber keine Sachbeschädigung sei, sei die Polizei dafür nicht zuständig. Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) sagte dazu: „Hin und wieder sehen wir, wie sich irgendwelche Spaßvögel daraus einen Jux machen.“ Er habe aber weder Personal noch Geld, die Reifen zu entfernen.