Eines vorweg: Wir freuen uns über die vielen Touristen, die Berlin besuchen, hier shoppen, trinken, Kultur genießen, feiern, viele Jobs schaffen und zum kosmopolitischen Bild der Stadt beitragen. Jeder Einzelne ist willkommen. Dennoch ist es nachvollziehbar, wenn ein Bezirk wie Friedrichshain-Kreuzberg in reinen Wohngebieten im Interesse seiner Bürger keine neuen Hotels und Hostels mehr genehmigen will.
Niemand stellt in Zweifel, dass eine Kommune eine Chemiefabrik oder eine Eisenpresse in dicht besiedelten Nachbarschaften verbieten darf. Warum sollen 200 laute Teenager mit Rollkoffern einen Kiez weniger belasten als ein störendes anderes Gewerbe? Die Lasten durch das relativ neue Phänomen des wohnortnahen Massentourismus sind in der Stadt sehr ungleich verteilt.
Kein Bezirk ist so stark davon betroffen wie Kreuzberg. Wer den Menschen dort mangelnde Toleranz vorwirft, darf gerne mal ein paar Sommernächte am Stück an der Falckensteinstraße verbringen. Wenn derartige Mengen feierfreudiger Besucher sich durch Charlottenburg oder Zehlendorf schöben, wären die Anwohner dort mindestens ebenso aufgebracht wie die Kreuzberger.
Eine zu große Ballung an Beherbergungsbetrieben bedroht genau das Flair, das die Touristen suchen. Auf Wochenmärkten verdrängen Stände mit Berlin-Souvenirs die Gemüsestände, Fachgeschäfte weichen Spätkaufs, die Gastronomie zielt mit Billig-Angeboten auf schnelle Kunden mit schmalem Geldbeutel. All diese Tendenzen lassen sich nicht umkehren mit einem Hotel-Stopp. Aber es ist eine Möglichkeit, das Kippen ganzer Kieze in Amüsierzonen zu bremsen.
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