Unser Spaziergang beginnt am Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain, der von dem Architekten und langjährigen Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffman (1852-1932) im Stil des Neobarocks entworfen und am 15. Juni 1913 anlässlich des 25. Thronjubiläums Wilhelm II. der Öffentlichkeit übergeben wurde. Neben insgesamt zehn Fontänen und sieben Wasser speienden Fröschen schmücken zahlreiche Märchenfiguren der Gebrüder Grimm den Rand des arkadenförmig ansteigenden Brunnenbeckens. Die Thematik wurde bewusst volksnah gewählt.

Es ist einer der Orte, an den man beliebig oft gehen kann und immer wieder ein weiteres, kleines Detail entdeckt. Eine versteckte Märchenfigur streckt einem die Zunge entgegen und zaubert ein Schmunzeln ins Gesicht. An manchen Nachmittagen sind die Sonnenbänke am Märchenbrunnen dicht gedrängt.

Unsere Route führt aus dem Park wieder heraus, weiter zur denkmalgeschützten, neugotischen Sankt Bartholomäuskirche in der Friedenstraße 1. Der Backsteinbau, eine Hallenkirche, wurde 1854 bis 1858 nach einem von Baumeister Friedrich Adler überarbeiteten Typenentwurf von Friedrich August Stüler errichtet. Die Kirche ist Gotteshaus für die St. Bartholomäus-Gemeinde, zusätzlich finden hier die Tagungen der Landessynode Berlin-Brandenburg – schlesische Oberlausitz und auch kulturelle Veranstaltungen statt.

Wir gehen weiter nach rechts über den Platz am Königstor (hier hält die Tramlinie M4) weiter ins Bötzowviertel, das im Nordosten von der Danziger Straße, im Süden vom Volkspark Friedrichshain und im Nordwesten von der Greifswalder Straße begrenzt wird. Entstanden ist das Viertel um 1900 und wurde nach der Großgrundbesitzer-Familie Bötzow benannt. Entlang der Greifswalder Straße, die wir entlang gehen, prägen vor allem rechter Hand repräsentative Jugendstilwohnhäuser das Bild. Die Fassaden sind in eher warmen Tönen gehalten, von creme-, über gelb- bis ockerfarben.

Geschwungene Linien, Symmetrie, Verzierungen im Mauerwerk an den Fenstern und aus der Fassade ragende Gesichter und Wappen fallen ins Auge. Mehrere nur etwa 1,60 Meter hohe Flügeltüren lassen Zeiten erahnen, in denen Menschen noch kleiner waren.

Wir biegen rechts in die Käthe-Niederkirchner-Straße und einige Meter weiter links in die Esmarchstraße ein, die uns später zur Kurt-Tucholsky-Bibliothek führen wird. Zuvor lassen wir die Atmosphäre des Bötzowviertels aber noch ein wenig auf uns wirken. Es ist wie ein Stück heile Welt so nah am Alex. Kinder genießen in der Herbstsonne im Café Caramello, Ecke Hufelandstraße, noch ein Eis. Kopfsteinpflaster, Ahornbäume und auffallend wenig Verkehr passen ins Bild – von Großstadthektik fehlt jede Spur.

Namensstifter Kurt Tucholsky (1890-1935) ist ein in Berlin geborener Journalist und Schriftsteller und engagierte sich gesellschaftskritisch und politisch. Die Bibliothek befindet sich in der 1. Etage der Esmarchstraße 18, einem roten Backsteingebäude, und besteht bereits seit 130 Jahren im Bötzowviertel. Der Bestand konzentriert sich auf die Schöne Literatur für Kinder und Erwachsene. An dieser Stelle endet unser Spaziergang.

ast