Seinem Ruf als grünster Bezirk Berlins macht Treptow-Köpenick alle Ehre, wenn man einmal durch den Treptower Park spaziert. Noch während man die gleichnamige S-Bahn Haltestelle verlässt, findet man sich im Grünen. Die Pfade, die entlang der Puschkinallee in den Park hinein führen, sind umrandet von Waldstücken und Wiesen. Es ist Freitag Nachmittag und man sieht Hundebesitzer, Spaziergänger und Faulenzer, die entspannt das wahrscheinlich verdiente Wochenende einleiten.

Ein Stückchen weiter in den Park hinein stoßen wir auf den Rosengarten. Die Vielfalt an Rosen, die man hier findet (über 100 Sorten), ist ein Muss für alle Gartenliebhaber. Menschen sitzen auf Parkbänken, lesen, plaudern, im Hintergrund das Rauschen des Springbrunnens im Zentrum des Gartens.

Rechts neben dem Rosengarten überqueren wir die Puschkinallee und betreten damit nicht nur die andere Straßenseite, sondern auch eine besondere Seite der Geschichte. Der Torbogen, durch den wir auf die Statue „Mutter Heimat“ zugehen, verrät es: Es ist das sowjetische Ehrenmahl, das Herz des Treptower Parks und eine echte Touristen-Attraktion. Die 1949 fertig gestellte Gedenkstätte markiert das Grab von 7000 sowjetischen Toten. Wenn man von der Statue aus nach links hoch geht, überblickt man eine Anlage, deren Architektur heutzutage übertrieben wirkt, die aber trotzdem eine ernste Stimmung ausstrahlt.

Eingegrenzt von Bäumen, gepflegtem Gras, makellos sauberen Treppen und Grabsteinen entlang beider Seiten wirkt der Ort fast schon isoliert, ein Relikt der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die stalinistische Statue mit Kind und zerschlagenem Hakenkreuz dominiert die Szene, vielleicht ein Anlass, ein bisschen in die Geschichte der Sowjetzeit einzutauchen. Die Treppen laden zum Innehalten ein, oder zu einem Spaziergang rund um die Anlage. Danach folgen wir unseren Fußspuren zurück in Richtung des Torbogens, den wir passieren und dann wieder in den Park abbiegen.

Der Weg führt wieder am Ehrenmahl vorbei, diesmal auf der anderen Seite des mit sowjetischen Zeichen versehenen Zaunes. Als wir diesen hinter uns gelassen haben, können wir schon die Archenhold Sternwarte sehen, der ältesten und größten deutschen Volkssternwarte. Den Wegen entlang am Zaun des Sternwarten-Geländes folgend, kommen wir zum Museum, das neben den normalen Öffnungszeiten (Mittwochs bis Sonntags 14-16.30 Uhr) Samstags und Sonntags um 14 Uhr Kinderprogramm und um 15 Uhr reguläre Führungen anbietet.

Die Ausstellungen hier beschäftigen sich mit den Fragen der Astronomie, aber erzählen auch die Geschichte der Archenhold Sternwarte. Doch nach Geschichte und Wissenschaft wir des nun Zeit für Entspannung. Wenn wir die Alt-Treptow Straße überqueren und dann links die Bulgarische Straße entlang laufen, lädt uns die Anlegestelle zu einer Kaffeefahrt auf der Spree ein. Gemütlich beenden wir hier unseren Spaziergang, wenn das Wetter es erlaubt bei einem kühlenden Eis im Fahrtwind auf dem Deck der Fähre.

Henner Petin