Der Protest in Kreuzberg hatte Erfolg. Die Berliner Wasserbetriebe haben nun doch eine Alternative für ihr Bauvorhaben an der Lausitzer Straße entwickelt. Sie werden den Boden nicht aufreißen, wie ursprünglich geplant, teilten sie am Mittwoch mit. Eine Baufirma führt die Arbeiten stattdessen unterirdisch aus. Den Anwohnern bleibt Baulärm und Schmutz erspart.
Vor allem wegen der Bäume, die durch die Bauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen worden wären, hatte sich Protest geregt. Sechs Straßenbäume bleiben nun unangetastet. Ihre Wurzeln wären durch die Spundwände beschädigt worden, auf deren Einsatz im Boden nun verzichtet wird. Ihre Kronen sollten gekürzt werden, um Platz für die Baumaschinen zu machen. Das geänderte Bauvorhaben wird außerdem ein halbes Jahr früher fertig als geplant, nämlich im April 2014. Teurer wird es nicht. Die Gesamtkosten bleiben bei 2,3 Millionen Euro.
„Na bitte“, sagte der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (Grüne). „Es geht doch. Warum haben sie das nicht gleich so gemacht?“ Ströbele hatte mit dem Kreuzberger Abgeordneten Dirk Behrendt einen offenen Brief an die Wasserbetriebe geschrieben und den Protest der Anwohner unterstützt. Behrendt und die Linke-Abgeordnete Marion Platta initiierten zudem Mitte Mai einen Antrag im Abgeordnetenhaus, der Alternativen forderte.
„Eine kleine Stufe zu mehr Bürgerbeteiligung“
Die Wasserbetriebe wollen an der Lausitzer Straße einen alten Mischwasserkanal durch einen größeren ersetzen und ein Auslaufportal am Paul-Lincke-Ufer bauen. Für dieses große Portal sollen fünf Linden am Ufer gefällt werden. Dies bleibe unumgänglich, sagte Andrej Heilmann von den Wasserbetrieben. Gefällt werde ab 27. Mai.
Der neue Kanal unter der Lausitzer Straße wird unterirdisch mithilfe einer Vortriebsmaschine gebaut. Nur am Anfang und am Ende der Strecke entstehen Baugruben. Das Verfahren sei an der Grenze des Möglichen, weil die Rohre dicht unter der Oberfläche verlegt werden müssten, so Heilmann. In den Häusern soll vor Baubeginn und nach dem Abschluss festgestellt werden, ob es Risse in Wänden und Böden gibt.
Viele Anwohner akzeptieren den neuen Vorschlag. „Ich bin begeistert“, sagte Ingelore Kindermann, 73, die an der Lausitzer Straße wohnt. „Die Bäume liegen mir sehr am Herzen.“ Sie habe sie oft an heißen Sommertagen gegossen. Die Diskussion von Wasserbetrieben und Anwohnern sei „eine kleine Stufe zu mehr Bürgerbeteiligung“, sagte die Kreuzbergerin Dorothea Härlin.





