Kreuzberg

Anwohner verhindern Baumfällungen am Kanal

Am Landwehrkanal werden vorerst keine Bäume gefällt. Kreuzberger Anwohner protestierten erfolgreich gegen Pläne der Wasserbetriebe, die fünf Linden absägen wollten. Beide Seiten suchen Alternativen.

Foto: Reto Klar

Kreuzberger Anwohner haben mit ihrem Protest gegen geplante Baumfällungen einen Teilerfolg erzielt. Die Berliner Wasserbetriebe erklärten sich bereit, die Arbeiten bis zum 27. Mai zu verschieben. In der kommenden Woche werden sie Alternativen zu ihrem Bauvorhaben am Landwehrkanal prüfen. Am 22. Mai will das Unternehmen gemeinsam mit dem Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Hans Panhoff (Grüne), darüber informieren, wie es weiter vorgeht.

Kreuzberger Anwohner kritisieren Wasserbetriebe

Die Wasserbetriebe wollen an der Lausitzer Straße eine größere Leitung für Mischwasser verlegen und ein Auslauf-Portal in den Kanal bauen. Geplant war, die Bäume ab 13. Mai zu fällen. Fünf Linden am Landwehrkanal sollen abgesägt werden. An sieben weiteren Bäumen an der Lausitzer Straße wollen die Wasserbetriebe einen starken Rückschnitt der Kronen vornehmen lassen, weil sie die Baufahrzeuge behindern.

Dass diese Arbeiten nun ausgesetzt werden, ist der Hartnäckigkeit von Anwohnern und Geschäftsleuten zu verdanken. Bei einer mehrstündigen Diskussion am Mittwochabend kritisierten sie vehement das Vorgehen der Wasserbetriebe. Das Unternehmen habe erst eine Woche vor Baubeginn über sein Vorhaben informiert. Das sei zu spät, so der Vorwurf von vielen Anwesenden. Es habe Kommunikationspannen innerhalb der Wasserbetriebe gegeben, räumte Stephan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe, daraufhin ein.

Bürgerinitiative protestiert seit Jahren gegen Baumfällungen

Eine Gewerbetreibende kündigte an, sie werde sich um eine einstweilige Verfügung bemühen, um die Baumfällungen zu verhindern. Man protestiere seit fünf Jahren gegen unnötige Fällungen, sagte Anuschka Guttzeit von der Bürgerinitiative „Bäume am Landwehrkanal“. Die Wasserbetriebe hätten mit den Anwohnern diskutieren sollen, ob das Vorhaben nicht auf anderem Wege möglich sei, so ihre Forderung. Anstelle der gefällten Bäume würden neue gepflanzt, sagte Kay Joswig, zuständig für Netz- und Anlagenbau bei den Berliner Wasserbetrieben.

Die Wasserbetriebe wollen die unter der Lausitzer Straße liegende Leitung für Regenwasser und Schmutzwasser, sogenanntes Mischwasser, durch eine größere ersetzen. Dadurch kann bei starkem Regen eine größere Menge gespeichert werden. Weniger Schmutzwasser gelangt in den Landwehrkanal. Er soll dadurch sauberer werden. Außerdem ist geplant, alte Abwasserdruckleitungen aus dem Boden zu entfernen. Rund 2,5 Millionen Euro kostet das Vorhaben. Man habe sich für die wirtschaftlichste Bauweise entschieden und nicht für eine ökologische, teilten die Vertreter der Wasserbetriebe mit. Bis 2015 sollen die Arbeiten dauern.

Linke und Grüne unterstützen Kreuzberger Bürgerinitiative

Die Anwohner haben am Mittwochabend einen eigenen Vorschlag für das Bauvorhaben unterbreitet. Er sieht vor, dass die alte Mischwasserleitung im Boden bleibt und künftig nur noch für Regenwasser genutzt wird. Eine zweite, kleinere Leitung soll bei starken Regenfällen als Speicher für Mischwasser dienen. Sie könnte so gebaut werden, dass keine Bäume gefällt oder beschnitten werden müssten.

Der Vorschlag wurde von den Vertretern der Wasserbetriebe zwar als „pfiffige Idee“, aber als nicht durchführbar und zu teuer zurückgewiesen. Im Laufe des Abends bot Kay Joswig jedoch an, ihn zu diskutieren. Die Anwohner fordern auch, dass ein unabhängiger Fachmann die von den Wasserbetrieben geplante Bauweise prüft. Politische Unterstützung bekommen sie von den Abgeordneten Marion Platta (Linke) und Dirk Behrendt (Grüne). Beide wollen sich in ihren Fraktionen dafür einsetzen, dass bei der Plenarsitzung des Landesparlaments am Donnerstag ein Dringlichkeitsantrag eingebracht wird.

Amt will Unfälle durch umfallende Bäume vermeiden

Die Ahornbäume und Winterlinden an der Lausitzer Straße, deren Kronen gekürzt werden sollen, sind mittelfristig ebenfalls von Fällung bedroht. Ihre Wurzeln nehmen voraussichtlich Schaden, wenn neben ihnen Spundwände in den Boden gebracht werden.

Die Bäume seien dann wahrscheinlich nicht mehr standsicher, sagte Anwohner Achim Appel. In diesem Fall müssten sie abgesägt werden. Man wolle einen weiteren Unfall wie an der Großbeerenstraße verhindern, sagte Baustadtrat Hans Panhoff. Anfang März war dort ein Baum auf ein Auto gestürzt. Fachleute hatten ihn als gesund eingeschätzt. Doch bei früheren Straßenbauarbeiten waren die Wurzeln beschädigt worden.