Der 411 Millionen Euro teure Umbau des Bahnhofs Ostkreuz droht sich erheblich zu verzögern. Derzeit ist unklar, ob und wann die Deutsche Bahn AG ihre nächtlichen Bauarbeiten an dem maroden Verkehrsknoten wieder aufnehmen kann. Gegenwärtig darf nur von 6 bis 22 Uhr und nicht an Sonntagen gearbeitet werden.

Um den aufwendigen Abbruch der Gewölbebrücke über die Hauptstraße möglichst rasch abzuschließen, hatten die von der Bahn beauftragten Baufirmen bei der Senatsverwaltung für Gesundheit für die Zeit vom 11. bis 25. Juli eine Ausnahmegenehmigung für nächtliche und sonntägliche Bauarbeiten beantragt und auch erhalten. Den vom Baulärm betroffenen knapp 200 Anwohnern stellte die Bahn im Gegenzug Ausweichquartiere in Hotels zur Verfügung.

Doch, wie berichtet, hatte Jürgen Freymann - einer der Anwohner und Vertreter der Betroffenenvertretung Traveplatz-Ostkreuz - am Freitagnachmittag Klage gegen diese Ausnahmegenehmigung eingereicht (Az.: VG 10a 190/08). Entschieden haben die Richter darüber zwar noch nicht. "Doch im Verwaltungsrecht hat jeder Widerspruch, jede Anfechtungsklage erst einmal aufschiebende Wirkung", sagt Stephan Groscurth, Sprecher des Berliner Verwaltungsgerichts. Erst gestern habe das Gericht die Klage den Beteiligten zur Stellungnahme zugestellt. Wann das Gericht über sie befinden wird, konnte Groscurth nicht sagen. In einem ähnlichen Fall - dem Einspruch gegen die Senatsgenehmigung für den Bau des ersten Berliner Windrads in Pankow - seien vier Monate zwischen Einreichung der Klage und der Entscheidung des Gerichts vergangen.

So lange will die Bahn indes nicht warten. Bereits für das kommende und das darauffolgende Wochenende will sie erneut nachts und am Sonntag arbeiten lassen. "Gerade um die Belastung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten, brauchen wir Zeiten, in denen konzentriert hintereinander gearbeitet werden darf", sagt Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert. Um den Brückenabriss am nächsten Wochenende fortsetzen zu können, werde ein Antrag auf sofortige Vollziehbarkeit der Ausnahmegenehmigung vorbereitet.

Doch auch dagegen will sich die Anwohnerinitiative sofort mit rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen. "Wir sind nicht gegen die Modernisierung des Ostkreuzes - aber der nächtliche Baulärm hat ein Ausmaß angenommen, das nicht mehr akzeptabel ist", sagt Freymann. Bereits seit Ende Mai werde am Bahnhof fast ununterbrochen gearbeitet. Die Anwohnerinitiative fordert, dass Arbeiten in der Nacht tatsächlich nur Ausnahme und nicht Dauerzustand sind. Zudem verlangt sie wirksame Schutzvorkehrungen - etwa durch den Einsatz mobiler Lärmschutzwände und den Einbau von Schallschutzfenstern in ihren Wohnungen.