Am Freitagvormittag schlängelt sich eine Menschenschlange knapp 250 Meter durch das Untergeschoss des Einkaufszentrums WILMA Shoppen in Charlottenburg. Sie alle warten auf den großen Kostümverkauf. Mehr als 3500 Stück aus Theater, Oper, Fernsehen und Shows werden hier bis Samstag um 20 Uhr angeboten. Ein Kleidungsstück aber ist nicht zu kaufen, sondern wird ersteigert.
Es ist der Smoking, den der Berliner Entertainer Harald Juhnke 1999 bei der Fernsehgala „Typisch Juhnke!“ zu seinem 70. Geburtstag trug, dazu seine Lackschuhe. Juhnke starb 2005. „Heute kann man sich ein Stück Legende für den Kleiderschrank kaufen“, sagt die Moderatorin zur Begrüßung.

Kostüme, die schon im Scheinwerferlicht standen
Die Kostüme stammen unter anderem vom Deutschen Theater, vom Staatstheater Hannover, vom Deutschen Fernsehballett und aus dem Friedrichstadt-Palast. Es gibt Kleider, Anzüge, Tanz- und Showkostüme, mehrere Hundert Hüte und Kinderkostüme. Die meisten Stücke kosten zwischen einem und 99 Euro. Das Center veranstaltet den Verkauf zum vierten Mal in Folge. In diesem Jahr kämen besonders viele Menschen, sagt Centermanagerin Catja Schneider.
Bei der Versteigerung stehen Tänzerinnen in Kostümen aus Juhnkes Show von 1999. Diese Kostüme sind nur ausgestellt und nicht zu kaufen. Die frühere Ballerina Melanie Wolf hat eines davon später selbst getragen. Sie erklärt, warum sie noch passen. Die Stoffe seien dehnbar, und an den Nähten sei immer etwas Stoff übrig, damit man die Kostüme für jede Produktion neu anpassen kann. Ein gutes Kostüm merke man auf der Bühne gar nicht, sagt sie.

Der Höchstbietende saß nicht im Saal
Um 13 Uhr beginnt die Versteigerung. Der Erlös geht vollständig an Mariaschutz, eine Einrichtung der Caritas. Dort leben bis zu 70 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 21 Jahren, die nicht in ihren Familien aufwachsen können. Zwei Vertreterinnen der Einrichtung stehen mit auf der Bühne. Das Geld soll in Bildungsangebote fließen.
Die Moderatorin hofft scherzhaft auf jemanden, der „gerade noch so 250.000 Euro übrig“ hat. Peter Wolf, Juhnkes langjähriger Manager, dämpft die Erwartungen. Wer wollte, konnte vorab per E-Mail bieten, das höchste Gebot liegt bei 780 Euro. „Alles zu wenig“, sagt Wolf.
Dann wird im Saal geboten. Schauspieler Bruno Eyron eröffnet mit 850 Euro. Danach gehen die Hände schnell nach oben, und der Preis klettert über 1000 auf 1800 Euro. Die Moderatorin fragt eine der Frauen von Mariaschutz, was sie mit so viel Geld machen könnte. „Mit Sicherheit fünf Projekte“, antwortet sie.
Am Ende liegt das höchste Gebot bei 3200 Euro. Dann wird es still im Saal.
Da zieht Wolf ein Schreiben hervor, das am Vortag eingegangen ist. Darin bietet jemand 4000 Euro für den Smoking. Wolf liest vor. „Harald Juhnke war für mich schon immer ein großes Vorbild. Vor allem seine Berliner Schnauze, sein Humor, seine Authentizität und die Tatsache, dass er trotz vieler Höhen und Tiefen immer seinen eigenen Weg gegangen ist, haben mich schon sehr früh beeindruckt.“
Den Namen nennt er erst zum Schluss. Es ist der Rapper Sido. Der Saal jubelt. Für 4000 Euro geht Juhnkes Smoking an ihn.
„Harald Juhnke sitzt heute oben auf einer Wolke und freut sich über dieses Ergebnis“, sagt Wolf. Die Moderatorin wendet sich an die beiden Frauen von Mariaschutz und fragt, ob sie sich täusche oder ob da Tränen in den Augen seien. „Ja, so ein bisschen schon“, sagt eine von ihnen. „Zwei Berliner Originale machen ganz viele Kinder hier im Bezirk glücklich.“
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