Zuletzt wurde bekannt, dass in Charlottenburg-Wilmersdorf das Mommsen-Eck vor dem Aus steht. Auch das Gasthaus Wendel schließt nach über 100 Jahren. Die Reaktionen zeigten: Für viele ist die Kneipe mehr als nur ein Lokal. Die Kneipe hat eine lange Tradition. Sie gehört zum urbanen Lebensalltag und prägt die städtische Kultur. Hier wird diskutiert, politisiert und Geschichte geschrieben.
Für viele Gäste ist die Kneipe ein Ort der Zuflucht und bietet zugleich Gesellschaft. Alkohol, Glücksspiel, Rausch und Sucht sind Teil der Realität. Drei Fotografinnen nehmen sich diese Realitäten in der Ausstellung „Chez Icke – Die Kneipe – ein paralleles Universum“ vor die Linse. Die Ausstellung wird am Donnerstag, 23. Februar 2023, um 18 Uhr in der Kommunalen Galerie Berlin auf dem Hohenzollerndamm 176 eröffnet.

Die Kneipe werde in der Ausstellung als ein paralleles Universum dargestellt, heißt es in der Einladung der Galerie. Die Kneipe könne eine verbindende Wirkung haben und erfülle so eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Die noch verbliebenen „Chez Ickes“, wie sie auch genannt werden, seien ein lebendiger Teil der Berliner Kiez- und Kulturgeschichte. Als in schummriges Licht getauchte Räume mit Billard, Girlanden, Grünpflanzen und Nippes, seien die Kneipen Bühnen des Lebens. Die es kunstvoll abzubilden gilt.
Fotografinnen widmen sich der Kneipe in Ausstellung in Charlottenburg-Wilmersdorf
Drei Fotografinnen nähern sich dem Thema in ihren künstlerischen Sprachen. Stefanie Schweiger wendet sich dabei den Menschen zu. Sie begegne ihnen mit Sensibilität, versuche Unterschiede zu überbrücken, Gemeinsamkeiten zu entdecken und sich auf die Personen einzulassen. Sie wahre in ihren Porträts das Gleichgewicht zwischen Interpretation und Dokumentation, so die Einschätzung der Kommunalen Galerie.
Friederike von Rauch setze sich fotografisch mit Architektur, Raum und Atmosphäre auseinander. Über sie schreibt die Galerie in Charlottenburg-Wilmersdorf, sie beobachte diese Elemente mit Präzision und fange diese ein. Ihre Arbeiten würden sich durch Reduktion und Konzentration auszeichnen, heißt es weiter.

Anna Lehmann-Brauns hingegen beschäftigt sich mit dem Raum als Ort der Erinnerung. In der Balance zwischen der Abbildung konkreter Örtlichkeit und surrealen Raums schaffe sie farbintensive, fotografische Kompositionen, so die Macher der Galerie mit dem Schwerpunkt künstlerische Fotografie.
Zwei Künstlerinnen widmen sich Thema Kneipe auch in filmischer Form
Darüber hinaus widmen sich Friederike von Rauch und Stefanie Schweiger in ihrer ersten gemeinsamen Arbeit dem Thema Kneipe in filmischer Form. Entstanden sind Videos mit unbewegter Kamera, meist menschenleere Situationen, die die Betrachtenden durch ihre Klangkulisse in die verschiedenen Kneipen Berlins mitnehmen. Durch stille Einstellungen haben sie sich neue Wahrnehmungsebenen ihrer Stadt erschlossen. Die Künstlerinnen arbeiten mit in den Kneipen gefundenen Zitaten und mit Interviews.
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Die Ausstellung kann von Freitag, 24. Februar bis Sonntag, 28. Mai 2023, besichtigt werden. Eine Ausstellung im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie 2023. Die Öffnungszeiten der Galerie sind Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 17 Uhr, Mittwoch von 10 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr, Sonderöffnungszeiten gibt es von 11 bis 17 Uhr am Mittwoch, 8. März und am Karfreitag, 7. April sowie am Donnerstag, 18. Mai 2023.
Im Rahmen der Ausstellung wird es auch ein Rahmenprogramm geben. So findet am Sonntag, 26. März um 14 Uhr ein Ausstellungsrundgang mit den Künstlerinnen statt. Am Mittwoch, 29. März um 18 Uhr gibt es eine Lesung mit Anna Thalbach und am Mittwoch, 3. Mai um 18.30 Uhr lädt die Galerie zum Artist Talk moderiert von Julia Rosenbaum. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.


