Waldbühne und Olympiastadion haben Westend über die Grenzen Berlins hinaus bekannt gemacht. Doch der als Wohnort beliebte Ortsteil des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf hat mehr zu bieten als nur Wallfahrtsort für Kultur- und Sportbegeisterte zu sein. Seine ruhige Lage am Rande der City West, die gute Luft, seine Nähe zum Grunewald und den Gewässern der Havel sowie seine außergewöhnlichen Grünanlagen machen ihn besonders.
Die Erkundungstour startet am belebten Mittelpunkt der Reichsstraße zwischen den Verkehrsadern Heerstraße und Spandauer Damm am Steubenplatz, der nach General Friedrich Wilhelm Graf von Steuben (1730-1794) benannt wurde. Auf der Mittelinsel steht seit 1961 die Reiterplastik „Der Sieger“, die 1902 von Louis Tuaillon geschaffen wurde.
Es geht von dort in nördlicher Richtung wenige hundert Meter die Reichsstraße entlang bis zum Brixplatz. Der ist kein gewöhnlicher Platz. Auf dem Gelände einer ehemaligen Kiesgrube entstand vielmehr ein Park mit 14 Metern Höhenunterschied, imposantem Baumbestand und Wasserspiel. Auch das Grün dort ächzt derzeit unter der anhaltenden Trockenheit, der Wasserfall scheint eine Dauerbaustelle zu sein. Seit 1909 hieß er Sachsenplatz, 1947 wurde er nach dem Hochschullehrer Joseph Brix benannt. Gedenktafeln an den Häusern Nummer 9 und 11 erinnern an prominenten Anwohner wie den Boxweltmeister Max Schmeling und den Dichter Joachim Ringelnatz. Der schrieb über den Platz sogar ein Gedicht: „Am Sachsenplatz: Die Nachtigall“.
Selbst der Friedhof lädt zum Spazieren und Verweilen ein
Vom Spielplatz an der Westendalle geht es in östlicher Richtung bis zur Olympischen Straße, dort dann rechtsherum, mit Blick auf das Olympiastadion über die Olympische Brücke. Linker Hand erstreckt sich dort das Gelände des Friedhof Heerstraße, der von seiner Anlage und Größe von 15 Hektar ein Brixplatz im XXL-Format ist. Auf dem vor knapp hundert Jahren eröffnete Friedhof mit dem Sausuhlensee in der Mitte haben auf den terrassenförmig angelegten Grabfeldern Prominente wie Tilla Durieux, Horst Buchholz, Rolf Eden, Loriot oder auch Ringelnatz ihre letzte Ruhestätte.
Immer linksherum geht es hinein in die Trakehner, die Heilsberger und die Sensburger Allee. Auf der rechten Seite erstreckt sich der Georg-Kolbe-Hain mit fünf vereinzelten Bronzeskulpturen des bedeutenden Bildhauers der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. An das Leben und Werk von Georg Kolbe wird im nahegelegenen Museum erinnert (siehe Infokasten).
Nach Erreichen der Heerstraße geht es links über die gleichnamige Brücke und dann hinein in die Preußenallee, wo zwischen Baden- und Marathonallee dienstags und freitags von 8 bis 13.00 einer der schönsten Berliner Wochenmärkte abgehalten wird.
Noch mehr Spaziergänge in Berlin:
Reminiszenz an den Landschaftsplaner Fürst Pückler
Wir biegen nun rechts in die Württembergallee ein, passieren den parkähnlichen Fürstenplatz und gelangen über die Heerstraße zum Theodor-Heuss-Platz. Der beindruckt mit seiner imposanten Randbebauung und der parkähnlichen Mittelinsel. Dort lodert seit 1955 (mit kleinen Unterbrechungen) die „Ewige Flamme“ zur Erinnerung an die Opfer von Flucht und Vertreibung. Es bietet sich noch ein Abstecher zum Karolingerplatz hinter dem Theater „Die Wühlmäuse“ auf der Südseite der Heerstraße an.
Vom „Theo“ geht es westwärts die Reichsstraße entlang bis zur Kastanienallee und von dort aus zum imposanten Branitzer Platz, der bereits 1895 angelegt wurde und 1897 seinen heutigen Namen erhielt. Der ist eine Reminiszenz an den berühmten Landschaftsplaner Fürst Pückler, der den Landschaftspark Schloss Branitz bei Cottbus angelegt hat. Zum Schluss geht es über die Ulmen- oder Eichenallee zurück zum Ausgangspunkt der Platzrunde durch Westend, dem Steubenplatz.
Ausflugs-Info
- Verkehrsverbindung Der Steubenplatz (Start und Ziel des Spaziergangs) kann mit den Zügen der U 2 in Richtung Ruhleben (Haltestelle Neu Westend, Ausgang in Fahrtrichtung hinten) erreicht werden. Außerdem verkehrt auch die Buslinie 143 über Theodor-Heuss-Platz die Reichsstraße entlang bis zum Brixplatz.
- Kunst & Architektur Das Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25, befindet sich in einem Architekturdenkmal der Moderne und erinnert mit Exponaten und Infotafeln an den Bildhauer Georg Kolbe (1877–1947). Geöffnet: Mi.–Mo., 11–18 Uhr, Eintritt: 8, erm. 5 Euro.
- Einkehr Auf dem Gelände des Kolbe-Museum lädt das Café „Benjamine“ zum Verweilen ein. Geöffnet täglich (außer dienstags) von 10 bis 18 Uhr, Tel. 23 59 25 03.
- Dauer und Strecke Der Spaziergang geht über 7,3 Kilometer und dauert etwa zwei Stunden – ohne einen Abstecher zum Friedhof Heerstraße oder ins Museum.


