Stadtautobahn

Wie das Autobahndreieck Funkturm umgebaut werden soll

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Charlotte Bauer und Eberhard von Elterlein

Die Deges stellt die neuen Pläne für das Autobahndreieck Funkturm vor: Acht Jahre Bauzeit, Kosten werden 300 Millionen übersteigen.

Berlin. Die Pläne sind groß, die Aufregung darüber ist es ebenso. Nachdem die Deges am Donnerstag ihre neuen Pläne für das Autobahndreieck Funkturm präsentiert hatte (acht Jahre Bauzeit, mehr als 300 Millionen Euro Kosten, Verlagerung der Avus weg von den Tribünen, mehr Grün, weniger Trassen), konnten Interessierte am Abend bei einer Informations- und Diskussionsveranstaltung ihre Fragen stellen.

Von Lärmschutz über Verkehrsführung bis zu Auswirkungen auf die Kleingartenkolonie Eichkamp gab es viel Gesprächsstoff. „Wird die Stadtautobahn in Berlin in Zeiten der Mobilitätswende überflüssig?“, lautete eine Frage. Antwort: Auch wenn 2030 der Verkehr am Autobahndreieck Funkturm um 30 Prozent geringer ausfalle als erwartet, würden dort immer noch 175.000 Fahrzeuge täglich unterwegs sein, so Andreas Irngartinger, Bereichsleiter bei der Deges für Berlin und Brandenburg.

Zur Einordnung: Die Bundesprognose sieht in zehn Jahren täglich 250.000 Autos rund um den Funkturm vor. Derzeit werden pro Tag 230.000 Autos gezählt, gebaut wurde das Dreieck in den 60er-Jahren für 20.000 Fahrzeuge. Die Deges baut für den Bund Autobahnen in Deutschland. Und das Autobahndreieck Funkturm ist ein schwieriges Projekt, weil es ganz neu geplant werden muss. Hier treffen auf diversen Trassen und 25 Brücken Stadtautobahn A100 und die Avus (A115) aufeinander, es ist bundesweit einer der am stärksten belasteten Verknüpfungspunkte.

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Autobahndreieck Funkturm: Erste Bauvorbereitungen ab 2023

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Anlass der Informationsveranstaltung war, dass noch in diesem Jahr das Planfeststellungsverfahren, an dessen Ende die Genehmigung steht, eingeleitet werden soll. Dazu müssen die Anwohner gehört werden. Ist dies erfolgreich, könnten erste Bauvorbereitungen ab 2023 starten und mit dem Bau 2024 begonnen werden. Fertig soll das Projekt 2032 sein. Doch obwohl der Start erst in drei Jahren ist, herrscht schon jetzt große Sorge. „Wir beobachten intensiv die explodierenden Baupreise“, hatte Deges-Manager Irngartinger tagsüber bei der Pressekonferenz gesagt. „Wir müssen leider Sorge haben, dass 300 Millionen Euro nicht reichen werden.“

Und das ist konkret geplant: 1,9 Kilometer Stadtautobahn und Avus sowie notwendige Verbindungsrampen und 25 Brücken sollen erneuert werden. Fünf davon sind bereits so marode, dass sie kaum befahrbar sind, bei vieren steht das noch bevor. Am einschneidendsten ist die neue Anschlussstelle „Messedamm“. Sie ersetzt die vielen verkehrshemmenden Rampen und Zufahrten. Auch die Rampen der Halenseestraße fallen weg. Dazu wird die Avus-Gaststätte geschlossen, der Lkw-Parkplatz wird aufgehoben und durch Grünflächen ersetzt.

Es wird also grüner rund um den Funkturm, Autofahrer werden sich auf ungewöhnliche Wege einstellen müssen. Denn das Autobahndreieck Funkturm ist stark geschädigt und in seiner jetzigen Form nicht sanierungsfähig. „Der Umbau des Autobahndreiecks Funkturm ist dringend erforderlich, um die Leistungsfähigkeit langfristig zu sichern“, betonte Irngartinger. Durch den Umbau des Autobahndreiecks Funkturm sollen nun Verkehrsfluss und Verkehrssicherheit verbessert werden.

Lärmschutzwände am Eichkamp werden erhöht

Schließlich soll die Leistungsfähigkeit der Stadtautobahn wiederhergestellt und langfristig gesichert werden, die Quartiere im Umfeld sollen entlastet werden und für einen besseren Lärmschutz und mehr Verkehrssicherheit sorgen. Die Sorge der Anwohnerinnen und Anwohner ist allerdings groß, dass sich dadurch die Lärmsituation in ihren Wohngebieten verschlechtern könnte. Als Maßnahme sollen sie einen neuen Lärmschutz erhalten. Am Eichkamp etwa soll die Lärmschutzwand von aktuell 4,5 Meter auf 7,5 Meter erhöht werden. „Wir haben hier also eine deutliche Verbesserung der Lärmschutzsituation“, ergänzte Projektleiter Peter Grüschhow.

Zudem befürchten die Anwohner mehr Verkehr an der Anschlussstelle Kaiserdamm, die an der Knobelsdorffstraße liegt. Um dem entgegenzuwirken, soll der Verkehr aus den Wohngebieten heraus geleitet und eine Einbahnstraße eingerichtet werden. Grundsätzlich wolle man durch solche Maßnahmen verhindern, dass die Autofahrer neue Umwege suchten. Darüber hinaus sollen mehrere Fahrspuren auf der Knobelsdorffstraße angelegt werden. Mit den ersten Bauvorbereitungen ab 2023 wird es dann auch zeitweise Sperrungen der diversen Bahnstrecken geben, die von der Autobahn überquert werden.

Also: Bauzeit lange, Kosten unsicher. Nur eines ist klar: Stichwort Mobilitätswende: „Es gibt keine Kapazitätserhöhung – mittelbar vielleicht, aber unmittelbar nicht. Ein bedarfsgerechter Ausbau ist nicht geplant“, sagte Irngartinger.