Wirtschaft

„Junge Unternehmen sind das Kapital für unsere Zukunft“

Für Bezirksbürgermeister Naumann ist die alte Zigarettenfabrik in Schmargendorf einer der letzten Schätze für die Berliner Wirtschaft.

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD)

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD)

Foto: Amin Akhtar

Charlottenburg-Wilmersdorf.  Auf dem Reemtsma-Gelände in Schmargendorf entsteht in den kommenden Jahren ein ganz neues Viertel. Es wird zwar keine Wohnungen geben, aber Arbeitsplätze für Handwerker und Kreativberufe. Wir sprachen darüber mit dem für Wirtschaftsförderung zuständigen Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD).

Was bedeutet das Projekt für den Wirtschaftsstandort City West?

Reinhard Naumann: Das Projekt hat aus mehrerer Hinsicht eine herausragende Bedeutung für die City West und den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Zum einen ist das Reemtsma-Gelände eine der letzten vorhandenen Flächen im Bezirk, wo gewerbliche Entwicklung noch im größeren Umfang möglich ist. Zum anderen brauchen wir es insbesondere in den Bereichen Handwerk, Kultur- und Kreativwirtschaft sowie für die vielen jungen technologieorientierten Unternehmen Standortsicherungs- und Expansionsflächen.

Warum hat man auf den Bau von Wohnungen auf dem Areal verzichtet?

Wir verlieren die Schaffung von Wohnraum nicht aus den Augen. Wir brauchen aber auch neue Perspektiven für Gewerbe. Arbeiten und Wohnen bedingen einander. Es gilt aber ja nicht nur neue Arbeitsplätze zu schaffen, sondern auch bestehende zu erhalten. Der Druck auf Gewerbeimmobilien ist ähnlich dramatisch wie der auf Wohnraum. Umso wichtiger ist es, dass wir außerhalb des S-Bahnrings in verkehrsgünstigen Lagen, wie es das Reemtsma-Gelände ist, Alternativen erarbeiten. Das Areal ist einer der letzten Schätze, die es für die Wirtschaft der Stadt zu heben gilt.

Wie kann der Bezirk beeinflussen, dass auch bei kleineren Investitionsvorhaben Gewerbe und Handwerk Raum findet?

Die Einflussmöglichkeiten auf den privaten Immobilienmarkt sind begrenzt. Im Bereich der Bebauungspläne und der Genehmigungen arbeiten wir intensiv daran, dass es auch künftig Platz gibt für Handwerk und Dienstleistungen, die wir alle täglich benötigen. Etwa am Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf sind wir mit Vermietern und Geschäftsleuten gemeinsam gegen den Leerstand vorgegangen. Das hat sehr gut geklappt.

Warum hat es im Fall des ehemaligen Reemtsma-Geländes vier Jahre gedauert?

Vier Jahre sind sicher zu lang. Wir müssen gemeinsam mit der Senatsverwaltung daran arbeiten solche Prozesse zu beschleunigen. Zwei Aspekte sind aber in diesem Fall zu berücksichtigen. Der der Eigentümer hat zu Beginn auf einen neuen Bebauungsplan und die Möglichkeit Wohnungen zu bauen hingearbeitet. Das wollten wir nicht. Zudem war der personelle Engpass im Bereich Bau und Stadtplanung des Bezirks in den vergangenen Jahren besonders groß. Mittlerweile haben wir gerade in diesem Bereich wieder erheblich Personal aufgebaut.

Sie haben sich immer für das CHIC, das Charlottenburger Innovationszentrum, in Zusammenarbeit mit der TU stark gemacht. Bleiben die dort geförderten Start-ups in der City West?

Aus meiner Sicht sind diese Unternehmen unser Kapital für die Zukunft. Seit Eröffnung des CHIC haben dort knapp 100 junge technologieorientierte Unternehmen ein Zuhause gefunden. In der Tendenz wollen die jungen Unternehmer im nahen Umfeld der City West bleiben. Dafür brauchen wir Standorte wie das Reemtsma-Gelände. Wir sind dehslab auch mit der Senatswirtschaftsverwaltung in Kontakt, weil wir uns dringend eine Standorterweiterung des CHIC wünschen.

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