Kinderpressekonferenz

Wie sieht eigentlich Ihr Alltag aus, Frau Giffey?

Bei der Kinderpressekonferenz der Berliner Morgenpost im Zoo Palast in Charlottenburg erleben 250 Schülerreporter die Ministerin hautnah.

Begehrt: Die Kinderreporter drängen sich um Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, um ein Selfie mit ihr zu machen

Begehrt: Die Kinderreporter drängen sich um Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, um ein Selfie mit ihr zu machen

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Die Stimmung im Zoo Palast ist sensationell gewesen. Mit Applaus und Jubel begrüßten 250 Nachwuchsreporter Bundesfamilienministerin Franziska Giffey bei der Kinderpressekonferenz der Berliner Morgenpost. Eine Stunde lang stellte sich die SPD-Politikerin den Fragen von Berliner Kindern zwischen acht und 14 Jahren, gab Auskunft zu Karriere und Hobbys und versuchte, Lösungen für die Anliegen der Schülerinnen und Schüler aufzuzeigen - auch wenn sie als Bundesfamilienministerin nicht für alle Probleme zuständig ist.

Gemeinsam mit Moderator Gilbert Schomaker, stellvertretender Chefredakteur der Morgenpost, sang sie sogar ein Ständchen für die Geburtstagskinder Lilian (10) und Mareike (11). Hier eine Auswahl der Fragen und Antworten:

Letitia (10), Grunewald: Frau Giffey, wie genau wird man eigentlich Ministerin?

Franziska Giffey: Der offizielle Teil sieht so aus: Man wird von seiner Partei gefragt, ob man das machen will. Dann wird der Vorschlag in den Bundestag eingebracht und wenn der das absegnet, wird man vom Bundespräsidenten im Schloss Bellevue ernannt und dann im Bundestag vereidigt.

Dominik (10), Steglitz: Wollten Sie schon immer Politikerin werden?

Das war gar nicht mein Plan. Ich wollte eigentlich Lehrerin werden. Dann habe ich aber Politik, Verwaltung und Wirtschaft studiert. In Neukölln war zuerst meine Aufgabe, Fördergelder zu beantragen, auch für Projekte für Kinder. Da habe ich gesehen, dass es vielen Kindern nicht so gut geht und ich habe gemerkt: Wenn ich was verändern will, muss ich in die Politik. Ich bin dann in die SPD eingetreten und wurde Schulstadträtin, später Bezirksbürgermeisterin. Und nach drei Jahren kam ganz überraschend die Frage: Willst du Familienministerin werden? Ich habe das auch mit meinem Sohn beraten, er ist neun Jahre alt. Und dann habe ich Ja gesagt. So kann ich auch für andere Kinder in ganz Deutschland etwas bewegen. Wenn ich unterwegs bin, begleitet mich mein Sohn übrigens manchmal. Ich mag das Reisen, dabei lernt man viel.

Felicia (10), Lichterfelde-West: Wie sieht Ihr Alltag aus?

Ich stehe jeden Morgen früh auf, um fünf oder kurz vor sechs. Danach frühstücke ich mit meinem Sohn, bringe ihn zur Schule, dann fahre ich ins Ministerium. Dort mache ich mit meinem Team eine Lagebesprechung: Welche Termine stehen an? Ich reise auch viel, ich bin als Ministerin ja für ganz Deutschland unterwegs. Seit meinem Amtsantritt im März war ich schon in allen 16 Bundesländern und habe über 200 Besuche gemacht. Und dann gibt es ja noch die Sitzungswoche im Bundestag, wo ich zum Beispiel Reden halte. Auch am Wochenende gibt es Termine.

Julius (10), Westend: Was ist Ihnen besonders wichtig in Ihrem Amt?

Ich will erreichen, dass sich jedes Kind gut entwickeln kann, egal ob es arme oder reiche Eltern hat. Dafür braucht es Kitas mit liebevoller Betreuung und schönem Spielzeug. An den Schulen braucht es guten Unterricht und Nachmittagsangebote, bei denen Kinder ihre Talente entfalten können. Ich will die Voraussetzungen dafür schaffen, dass jedes Kind das werden kann, was es sich erträumt. Dafür gibt es auch das Kindergeld, das Eltern und Familien zusätzlich unterstützt.

Isabell (10), Reinickendorf: Wie versuchen Sie die Schulen zu verbessern, damit die Kinder besser lernen können?

Daran müssen viele mitarbeiten: Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen. Und es braucht Geld. Es fängt ja schon damit an, wie die Schule aussieht. Wer von euch ist zum Beispiel zufrieden mit den Schultoiletten? Die sind ja nie perfekt. Wie das Schulgebäude aussieht und wie die Umgebung: Darum kümmert sich der Bezirk. Wir im Familienministerium machen uns stark dafür, dass die Erzieher besser bezahlt und ausgebildet werden. Ich möchte erreichen, dass mehr Erzieher bei euch an der Schule arbeiten. Ich wünsche mir auch, dass es an jeder Schule einen Sozialarbeiter gibt.

Philipp (10), Grunewald: Wie viel Geld hat das Ministerium für Kindertagesstätten und Schulen?

Meine Kasse für ein Jahr nennt man Haushalt, und 2019 soll da so viel drin sein wie noch nie: 10,3 Milliarden Euro. Das meiste geben wir für das Elterngeld aus. Viel Geld geht auch in die Kinder- und Jugendarbeit und natürlich gibt es auch Geld für die Senioren, für die ich ja auch zuständig bin.

Paul (10), Friedrichshagen: Was ist Ihr größtes Ziel in der Politik?

Ich möchte, dass jedes Kind in Deutschland die Schule mit einem Abschluss verlässt. Im Moment schaffen das rund zehn Prozent der Schüler nicht. Doch es ist wichtig, um das zu tun, was man sich wünscht, und um das Land gut mitzugestalten. Deshalb freue ich mich auch so, dass ihr hier seid: Es zeigt, dass ihr euch für mehr als nur für euch selbst interessiert. Vielleicht sitzt ihr eines Tages selbst hier und beantwortet als Politiker Fragen!

Helena (9), Tempelhof: Und was besprechen Sie mit Frau Merkel?

Immer mittwochs um 9.30 Uhr trifft sich das Kabinett, also die Bundesregierung. Das sind die Kanzlerin und alle Minister. Wir sitzen an einem großen ovalen Tisch und beschließen dort auch Gesetze. Morgen soll das Gute-Kita-Gesetz aus dem Familienministerium beschlossen werden. Das will mehr Qualität in den Kitas und auch, dass die Eltern in ganz Deutschland nicht mehr so viel für einen Kitaplatz bezahlen müssen. Ich sehe Frau Merkel also jede Woche, und sie ist sehr nett.

Jonas (10), Westend: An welche schlechten Dinge erinnern Sie sich, als Sie Kind waren, die Sie jetzt verbessern wollen?

Heute haben fast alle Kinder Smartphones, das hatten wir nicht. Aber es ging auch ohne ganz gut. Ich hatte eine schöne Kindheit. Ich bin in der Nähe von Frankfurt/Oder geboren und in einem Dorf aufgewachsen. Wir hatten einen Hund und ich fand es schön auf dem Land. Erst mit 20 Jahren bin ich nach Berlin gekommen.

Konstantin (13), Marzahn: Bei uns gibt es viele dreckige Spielplätze, auf einigen übernachten Obdachlose. Wie können Spielplätze sauberer und sicherer werden?

Darum muss sich das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf kümmern. Da gibt es ein Straßen- und Grünflächenamt und ein Ordnungsamt. Aber ich kenne diese
Probleme aus vielen Bezirken und finde: Man muss den Anfängen wehren. Das fängt mit jedem Einzelnen an, dass er seinen Müll hinwirft, wo er hingehört. Und es hilft, Menschen zu finden, die sich kümmern. In Neukölln haben wir Spielplatzpaten gesucht, die ein Auge auf den Spielplatz haben.

Antonia (10), Grunewald: Warum dürfen Schüler nicht wählen?

Dafür müsste man das Gesetz ändern, und das ist gar nicht so einfach. Aber ich finde auch, dass man Kinder mehr einbeziehen sollte. Wenn ein Spielplatz gebaut oder der Schulhof gestaltet wird, sollten die Kinder auch gefragt werden. Damit fängt Demokratie und Mitbestimmung an. Es gibt ja auch Möglichkeiten, sich einzubringen, als Klassensprecher etwa. Bei meinem Sohn gibt es einen Klassenrat, der hat gerade entschieden, dass es Wochenhausaufgaben geben soll und keine Tageshausaufgaben.

Alex (9), Zehlendorf: Warum gibt an unserer Schule nicht mehr Fahrradständer?

Ich finde, das sollte möglich sein. Schreibt doch mal einen Brief an das Rathaus und begründet euren Wunsch gut. Als ich in meinem Amt als Bezirksbürgermeisterin Briefe von Kindern bekommen habe, konnte ich ihren Bitten selten widerstehen. Manchmal muss man einfach sagen, was man will.

Lisa (14), Marzahn: Wie kann man Kinder vor Kriminellen besser schützen und Gewalt in Familien verhindern?

Ich finde, dass alle Menschen vor Kriminellen besser geschützt werden müssen, besonders Kinder. Auf der Straße sind das Ordnungsamt und die Polizei zuständig. Die Gerichte müssen Kriminelle verurteilen und ordentlich bestrafen. Gewalt in der Familie und in der Schule ist etwas anderes. Ich finde es wichtig, darüber zu sprechen. Das fängt beim Mobbing an. Wenn so etwas passiert, schon eine Hänselei, muss man sofort reagieren. Nicht weggucken, sondern versuchen zu helfen, zu einem Lehrer gehen und ihn um Hilfe bitten: Das ist das richtige Verhalten.

Clara (10), Westend: Gehen Sie auch in Seniorenheime?

Ja, dort bin ich auch unterwegs. Ich setze mich dafür ein, dass die Pflegekräfte unterstützt werden. Ich will bald einmal einen Praxistag in einem Seniorenheim machen und dort richtig mitarbeiten.

Ruby (10), Kreuzberg: Was war bisher das Spannendste in Ihrem Beruf?

Am liebsten mag ich Termine mit Kindern – wenn man erlebt, wie gut ihr drauf seid. Dafür mache ich Politik.

Finn (9), Tempelhof: Was war Ihre schlechteste Note in der Schule?

Ich war eine gute Schülerin, ich bin sehr gerne in die Schule gegangen. Ich hatte aber auch mal eine Vier, das muss in Mathe oder Physik gewesen sein. Meine Lieblingsfächer waren Englisch, Kunst und Musik.

Lilian (10), Westend: Haben Sie einen Lieblingsort?

Ich mag es dort, wo es ruhig ist, zum Beispiel an der Ostsee. Und ich bin auch sehr gerne im Britzer Garten.

Melina, Steglitz: Haben Sie noch Zeit für Hobbys?

Ja, ich fahre gerne Rad, schwimme und spiele auch ab und zu Gitarre. Die meiste freie Zeit verbringe ich aber natürlich mit meinem Sohn.

Emily, Rudow: Sind Sie lieber Bürgermeisterin oder Bundesministerin?

Beides ist schön. Es kommt ja immer darauf an, was man aus etwas macht. Wenn man sich richtig Mühe gibt, macht alles Spaß und gelingt – das kennt ihr bestimmt von den Hausaufgaben! Was sich verändert hat: Ich bin mehr über Berlin hinaus unterwegs, und es gibt mehr Journalisten, die Fragen haben.

Die jungen Reporter

Aus ganz Berlin: Rund 250 Kinder aus der ganzen Stadt befragten am Dienstag Bundesfamilienministerin Franziska Giffey bei der Kinderpressekonferenz im Zoo Palast.

Schulen: Diese Grund- und Sekundarschulen sowie Gymnasien waren dabei: Grundschule auf dem Tempelhofer Feld, Tempelhof; Katholische Schule Liebfrauen, Westend; Athene Grundschule, Lichterfelde-West; Aziz-Nesin-Grundschule, Kreuzberg; Michael-Ende-Grundschule, Rudow; Kerschensteiner Schule, Marzahn; Kant Grundschule, Steglitz; Grundschule unter den Kastanien, Zehlendorf; Grunewald Grundschule, Grunewald.

Schülerzeitungsredaktionen: Diese Schülerzeitungsredaktionen waren dabei: „TGS Schülerexpress“, Temple-Grandin-Schule, Friedrichshain; „Schulzeugs“, Friedrichshagener Grundschule, Friedrichs­hagen; „Lindenblatt“, Lindenhof Grundschule, Schöneberg; „Kolumbus News“, Kolumbus-Grundschule, Reinickendorf; „Liebigbox“, Justus-von-Liebig-Grundschule, Friedrichshain; „Karlchen“, Karlsgarten Grundschule, Neukölln

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