Bonus -Malus-Regelung

Warum die Rudolf-Wissell-Brücke schon am Sonntag fertig wird

Die Sperrung der Rudolf-Wissell-Brücke kann bereits am 20. August beendet werden. Die schnelle Fertigstellung hat mehrere Gründe.

Auf der Rudolf-Wissell-Brücke bereiten Arbeiter die Fahrbahn für das Auftragen der letzten Schicht aus Gussasphalt vor

Auf der Rudolf-Wissell-Brücke bereiten Arbeiter die Fahrbahn für das Auftragen der letzten Schicht aus Gussasphalt vor

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten für Berlins staugeplagte Autofahrer: Das aktuell wohl unangenehmste Nadelöhr auf der Stadtautobahn, die Rudolf-Wissell-Brücke in Charlottenburg, soll bereits ab Sonntagmorgen wieder voll befahrbar sein. Das teilte die Projektgesellschaft des Bundes, die Deges, am Freitag mit. Ursprünglich sollte die Fahrbahn in Richtung Norden bis zum 2. September saniert werden, dann wurde die Freigabe für Montag angekündigt. Zum Rückbau der Baustelleneinrichtung wird es noch zwei Teilsperrungen in den Nächten zu Sonnabend und Sonntag (jeweils zwischen 22 und 5 Uhr) geben.

Dank einer Prämienregelung werden die Baufirmen ihre Arbeiten damit zwei Wochen schneller als anfangs geplant beenden. „Wenn es jetzt keinen Dauerregen gibt, sind wir uns sicher, dass der Autoverkehr ab 21. August in gewohnter Weise rollen kann“, sagte Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner am Mittwoch bei einem Vor-Ort-Termin auf der Brücke.

Von anderer Stelle gab es indes eher schlechte Nachrichten. So ist der bauliche Zustand der Überleitung von der Stadtautobahn (A 100) auf die Avus (A 115) am Dreieck Funkturm so schlecht, dass die Brücke künftig nur noch von Pkw passiert werden kann. Lastwagen müssen dauerhaft umgeleitet werden. Wie, ist derzeit noch unklar. Von der Schnelle der Verkehrslösung hängt auch ab, ob die Brücke über die Halenseestraße am 3. September wieder geöffnet werden kann.

Nach Jahren des Sparens und der Vernachlässigung der Infrastruktur hatte die Senatsverkehrsverwaltung vor Beginn der Urlaubszeit eine regelrechte Bauoffensive gestartet. Gleich an drei neuralgischen Stellen wird seither gebaut. Ganz oben auf der Staumelderliste des Verkehrsfunks steht dabei die Rudolf-Wissell-Brücke im Verlauf der A 100. Die mit 930 Metern längste Brücke der Stadt gilt seit Jahren als sanierungsbedürftig. Ihr Zustand wird von Fachleuten inzwischen als so schlecht eingeschätzt, dass das Bauwerk abgerissen und durch einen kompletten Neubau ersetzt werden soll.

Bislang ist indes noch unklar, wie das ohne eine Vollsperrung dieser wichtigen Lebensader der Stadt gelingen soll. Mit bis zu 180.000 Fahrzeugen am Tag gilt die Rudolf-Wissell-Brücke als der am stärksten frequentierte Autobahnabschnitt in Berlin, bundesweit liegt sie beim Verkehrsaufkommen auf Platz drei. „Die können wir nicht so einfach für zwei Jahre dicht machen“, so Staatssekretär Kirchner.

Im Rahmen eines Wettbewerbs haben mehrere Büros Vorschläge eingereicht. Wer den Zuschlag erhält, will eine Jury im Oktober entscheiden. Klar ist aber auch: Bis der Neubau beginnt, werden etliche Jahre ins Land gehen, so lange muss die alte Brücke noch durchhalten. Daher werden die Fahrbahnen jetzt noch einmal saniert, in diesem Jahr die in Richtung Norden (Hamburg, Wedding), im nächsten Sommer ist dann die Gegenseite dran.

Eigentlich sollte die Sperrung der Rudolf-Wissell-Brücke bis 3. September dauern. Obwohl die häufigen und starken Regenfälle der vergangenen Tage die Asphaltarbeiten eher behinderten, können diese nun doch zwei Wochen früher abgeschlossen werden. Wolfgang Pilz, Projektleiter der Bundesbaugesellschaft Deges, die das Vorhaben im Auftrag des Senats managt, sieht dafür zwei Gründe. Zum einen konnte bei der Sanierung erstmals in der Größenordnung eine neue Technologie angewandt werden, die zwar rund 20 Prozent teurer ist als herkömmliche Verfahren, dafür aber kräftig Zeit spart. Zum zweiten sei der Fahrbahnunterbau weniger schlimm geschädigt als erwartet. Daher konnte bereits am Mittwoch damit begonnen werden, die letzte Asphaltschicht aufzutragen. Die braucht dann noch etwas Zeit zum Aushärten, anschließend müssen noch die Fahrbahnmarkierungen aufgetragen werden. Beide Arbeitsschritte vertragen indes keinen Regen. Projektleiter Pilz ist dennoch sicher: „Bis Sonntag schaffen wir das.“ Der Senat bietet den Baufirmen, eine Arbeitsgemeinschaft von Strabag und Eurovia, zudem einen finanziellen Anreiz, schneller fertig zu werden. Die Bonus-Malus-Regelung hatte schon bei der Avus-Sanierung vor einigen Jahren arbeitsbeschleunigende Wirkungen gezeigt.

Überleitung von der A 100 zur Avus schwer geschädigt

Eine negative Überraschung musste Berlins Tiefbauamtsleiter Lutz Adam dagegen vom Dreieck Funkturm vermelden. Die von bis zu 25.000 Fahrzeugen am Tag genutzte Überleitung von der Stadtautobahn (A 100) zur Avus (A 115) in Höhe des ICC ist so marode, dass sie selbst nach den aktuellen Sanierungsarbeiten nur noch eingeschränkt genutzt werden kann. „Tausalz und Wasser haben die Spannbeton-Bewehrung aus Stahl schwer angegriffen“, sagte Adam. Um weitere Schäden zu verhindern, wird die rechte Fahrbahnseite dauerhaft gesperrt. Die Brücke über die Halenseestraße darf zudem nur noch von Fahrzeugen bis zu 2,8 Tonnen Gesamtgewicht befahren werden, also von Pkw und Kleintransportern. Für Lkw, in Spitzenzeiten sind es bis zu 120 pro Stunde, muss dauerhaft eine Umleitung gefunden werden. Derzeit wird der gesamte Autoverkehr am ICC entlang geleitet, was allerdings der Messe Berlin nicht gerade gefällt. Trotz der noch offenen Verkehrslösung hofft Adam, dass die Brücke am 3. September wieder befahren werden kann. Auch das wäre ein Erfolg. Denn die Sperrung sollte eigentlich bis zum 10. September dauern.

Marode Straßen und Brücken

Bedarf: Nach jahrelanger Vernachlässigung befinden sich Berlins Straßen und Brücken vielfach in keinem guten Zustand. Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) bezifferte jüngst den Investitions­bedarf auf mindestens 1,3 Milliarden Euro.

Zustand: Bei jeder dritten der 252 Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen sowie jeder vierten der 833 Brücken in Landesbesitz besteht Handlungsbedarf. Das ergaben die Begutachtungen der Bauwerke. Jede 20. Brücke befindet sich dabei in einem „nicht ausreichenden Zustand“ und muss gesperrt werden.

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