Das Palais am Funkturm mit dem Ambiente der 50er-Jahre ist nicht nur für Filmaufnahmen wie erst kürzlich beim ZDF-Dreiteiler „Ku’damm 56“ eine begehrte Location. Auch Empfänge, Bankette, Kongresse und Vorträge werden dort veranstaltet, zunehmend auch Firmenjubiläen und andere Feste.

„Das Palais ist eine wunderbare Ergänzung unserer Kongresse im modernen City Cube“, bestätigt Ralf Kleinhenz, Geschäftsbereichsleiter Guest Events bei der Messe Berlin. Gerade der Gegensatz – auf der einen Seite die hochmodernen Räume im City Cube und auf der anderen Seite der komplett andere Stil aus den 50er-Jahren – sei sehr begehrt. Diesen Mix entdeckten auch immer mehr IT-Veranstalter mit Begeisterung. Das Palais am Funkturm in Charlottenburg ist beliebt wie nie.

Bis zu 120 Bälle pro Jahr zu West-Berliner-Zeiten

Errichtet wurde es in den Jahren 1956/57 vom Architekten Bruno Grimmek. Er baute es rückwärtig an die sogenannte „Ehrenhalle“ (Halle 19), die aus den 30er-Jahren stammt, an. Sie hat eine Höhe von 32 Metern und dient auch heute noch als stilvolles Entree zum Palais.

Im Zweiten Weltkrieg waren die Messehallen aus den 20er-Jahren stark beschädigt oder ganz zerstört worden. Der Wiederaufbau hatte 1950 mit funktionalen Hallen begonnen.

Ohne Smoking geht gar nichts: Blick von der Galerie auf die tanzenden Gäste des Presseballs im Palais am Funkturm im Jahr 1967
Ohne Smoking geht gar nichts: Blick von der Galerie auf die tanzenden Gäste des Presseballs im Palais am Funkturm im Jahr 1967 © INTERFOTO | Schinkel

Waren es in den 60er- und 70er-Jahren noch die Bälle beispielsweise der Juristen und Journalisten, die im Palais am Funkturm für Stimmung sorgten – bis zu 120 Bälle pro Jahr gab es dort zu West-Berliner-Zeiten, heute sind es gerade noch eine Handvoll – sind es heute eher die Firmenfeiern und messebegleitenden Events, die dort veranstaltet werden. Ausgesprochen beliebt ist das Palais auch als Party-Location nach der Verleihung von großen Preisen.

Der Echo 2016 wird im Palais gefeiert

So trifft sich dort an der Masurenallee gleich gegenüber vom Haus des Rundfunks an diesem Donnerstag die nationale und internationale Musikbranche, wenn dort in der Nachbarmessehalle 20 der Deutsche Musikpreis Echo verliehen wird.

In der Halle bestehen alle Gestaltungsmöglichkeiten für die Vergabe solcher Preise, gefeiert wird dann anschließend im Palais. „Diese Kombination ist ein Alleinstellungsmerkmal, das unsere Kunden wirklich schätzen“, weiß auch Dirk Wenzel, der bereits seit 17 Jahren Ansprechpartner für die Gastveranstaltungen im Palais am Funkturm ist.

Treppe ist sogar in den Boden versenkbar

Die Bezeichnung Palais kennzeichnet die Örtlichkeit durchaus treffend. Zwei großzügige Freitreppen erschließen den galerieartigen hohen Raum, der sich über zwei Geschosse erstreckt. Eine der Treppen ist sogar in den Boden versenkbar. „Bei einem Bankett oder einer Tanzveranstaltung durchaus nützlich“, weiß Dirk Wenzel. Bis zu 3500 Gäste können im Palais am Funkturm feiern, das Minimum sind 500 Menschen. Bei mehr als 1300 Gästen wird das erste Obergeschoss dazugenommen.

Nicht nur architektonisch sei das Palais dem Anspruch entsprechend großzügig gestaltet, auch die Technik sei schon damals ausgesprochen vorausschauend eingebaut worden und heute noch zeitgemäß und sehr nützlich, um unterschiedlichste Anforderungen zu bedienen. Wahrscheinlich würden solche aufwendigen technischen Einbauten schon aus Kostengründen heute eher nicht mehr realisiert.

Und obwohl 2017 das Palais 60 Jahre alt wird, verfüge es über moderne Entertainment-Technik. „Deshalb gibt es auch nie echte Buchungslöcher“, sagt Wenzel. Von September bis Juli brummt das Geschäft so, dass es manchmal nicht ganz leicht sei, alle Wünsche zu terminieren. Das war selbst nach der Wende so, als Veranstalter gern auch mal eine pure, nackte Industriehalle im Ost-Teil der Stadt buchten.

Palais wird im Sommer gewartet

In der Sommerzeit wird auch das Palais am Funkturm gewartet. Schließlich steht es unter Denkmalschutz. Da müssen dann die Holztäfelungen überarbeitet oder auch teils schon mal ersetzt werden. Und die runde, 290 Quadratmeter große Tanzfläche im Erdgeschoss, um die man herum an Tischen sitzt, wird routinemäßig einmal im Jahr überholt. „Das Parkett wird abgezogen und neu versiegelt. Alle zwölf bis 13 Jahre muss der Boden dann komplett erneuert werden“, sagte Dirk Wenzel.

Weil nicht nur das Gebäude, sondern auch das Interieur unter Denkmalschutz steht, erfordert auch die Wartung des Innenraums besonderes Augenmerk. Der Teppich beispielsweise – gemustert und türkispastellfarben – muss immer neu angefertigt werden, wenn er nicht mehr ordentlich aussieht. „Das ist nicht ganz günstig, aber der Teppich ist eben einzigartig“, so Wenzel. Dasselbe gilt für die pastellfarbene Bestuhlung, die ebenfalls aus den Anfangszeiten übernommen wurde und farblich auf den Teppich abgestimmt ist.

Dem Echo folgen weitere Galas und Feiern

Der Schriftzug „Restaurant“ steht ebenfalls unter Denkmalschutz. Angebracht ist er an der Außenfassade des Palais. Auf der Terrasse gleich neben dem ovalen Sommergarten ist er gut sichtbar und diente ebenfalls bereits in mancher Filmszene für das 50er-Jahre-Ambiente.

Nach dem Echo ist das Palais am 27. Mai 2016 Schauplatz einer weiteren Gala, dem Deutschen Filmpreis. Ebenfalls zunächst in Halle 20, um dann zum Feiern ins Palais zu wechseln. Dasselbe Konzept wird angewandt, wenn die Laureus World Sports Awards, mit denen sportliche Spitzenleistungen gewürdigt werden, am 18. April 2016 auf dem Berliner Messegelände verliehen werden. Der „Oscar des Sports“ wird zum 17. Mal vergeben. Zum ersten Mal in Deutschland – auf dem Messegelände in Berlin.