Für Martin Woelffer kam die Nachricht völlig überraschend. „Vom Käufer des Kudamm-Karrees habe ich noch nie etwas gehört“, sagte der Direktor der beiden Boulevard-Bühnen. Erst durch den Anruf der Berliner Morgenpost habe er am Donnerstag davon erfahren, dass das Gebäudeensemble, in dem seine Theater beheimatet sind, an das Münchner Immobilienunternehmen Cells Bauwelt GmbH verkauft wurde.
Ob diese Nachricht für seine beiden Bühnen nun Rettung oder Untergang bedeute, könne er daher nicht abschätzen. „Wir sind sehr gespannt auf die ersten Gespräche mit dem Investor“, sagte der Theaterdirektor der Berliner Morgenpost.
Die Cells Bauwelt GmbH hat am Donnerstag mitgeteilt, dass sie das marode Gebäudeensemble in bester Kurfürstendammlage vom Vorbesitzer, der irischen Ballymore Group, übernommen hat.
„Die Parteien haben einen bindenden Kaufvertrag geschlossen, der einen voraussichtlichen Eigentumsübergang zum Jahresbeginn 2015 vorsieht“, teilte das Maklerhaus Jones Lang LaSalle (JLL) mit, das den Verkaufsprozess im Auftrag des Verkäufers beratend begleitet hat. Das Investment werde von einem Bankenkonsortium unter Führung der Bayerischen Landesbank finanziert. Über die Verkaufssumme sei Stillschweigen vereinbart worden.
Umfangreiche Umbauarbeiten
Cells plant nach eigener Auskunft, das Objekt für seine Investoren bis 2020 umfangreich umzubauen und zu renovieren. Ziel des Immobilienunternehmens sei es, „ein architektonisch hochwertiges, innerstädtisches und multifunktionales Gebäudeensemble in exzellenter Berliner Lage zu entwickeln, das höchsten Ansprüchen gerecht wird“, schreibt das Unternehmen.
Nicht nur der Theaterdirektor der seit Jahren von der Schließung bedrohten Bühnen, auch Baustadtrat des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, Marc Schulte (SPD), zeigte sich vom Verkauf der Immobilie überrascht. „Bei mir haben sich die Erwerber noch nicht gemeldet“, sagte Schulte. Allerdings seien die Rahmenbedingungen zur baulichen Entwicklung des Gebäudeensembles durch die Bezirksverordnetenversammlung klar definiert. „Grundlage für die weiteren Planungen ist der Entwurf des Architekten David Chipperfield“, sagte Schulte. Daran müsse sich auch der neue Besitzer orientieren.
Streit um die Neugestaltung
Seit mehr als zehn Jahren wird zwischen Bezirk, Theater und den häufig wechselnden Eigentümern des Gebäudes um die Neugestaltung des Karrees und insbesondere die Zukunft der beiden Boulevard-Theater gestritten. Denn diese besetzen die für die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes so wichtige Lage im Erdgeschoss am Kurfürstendamm. Sämtliche Investoren verfolgten deshalb bisher das Ziel, die Theater, wenn nich gleich ganz aus dem Gebäude, so doch zumindest aus dem Erdgeschoss zu vertreiben. Das hatte zuletzt auch die Ballymore-Gruppe versucht, die das Gebäudeensemble 2007 für rund 155 Millionen Euro gekauft hatte. Doch die schnelle Umsetzung der Baupläne scheiterten erst an der Finanzkrise, dann am heftigen Widerstand der Theaterfreunde, die für den Erhalt der historischen Bühnen kämpften.
Um einen Kompromissvorschlag zu unterbreiten, hatte Ballymore hatte 2009 den angesehenen Architekten David Chipperfield angeheuert, um wieder Bewegung in die festgefahrenen Fronten zu bringen. Zudem hatte Ballymore auch akzeptiert, dass Woelffer, quasi als Kompensation für die unsichere Zukunft seiner Bühnen, seit Jahren keine Miete mehr zahlt. Die von David Chipperfield im Auftrag von Ballymore und mit dem Bezirk abgestimmten entwickelten Pläne sehen vor, beiden Bühnen abzureißen und dafür in der dritten Etage ein neues Theater mit 650 Plätzen und einem Eingangsbereich im Parterre zu bauen.
In bester Lage des Kudamms
Der riesige Komplex zwischen Kurfürstendamm, Uhlandstraße und Lietzenburger Straße mit seinem 20 Stockwerke emporragenden Bürohochhaus in der Mitte befindet sich in bester Lage des Kurfürstendamms. Allerdings wurde seit Jahren nicht mehr in das Gebäude investiert., „Das Objekt stellt eine der letzten Möglichkeiten dar, ein herausragendes Einzelhandelsangebot in bester Lage des Kurfürstendamms zu etablieren“, wirbt der Münchener Erwerber in seiner Mitteilung um neue Mieter. Von der Zukunft der Theater und dem Entwurf Chipperfields ist in der Presseerklärung dagegen keine Rede. Auf Nachfrage teilt Cells-Geschäftsführer Christian Elleke lediglich mit: „Wir haben das Objekt erworben und wollen im Rahmen der Möglichkeiten ein architektonisch angemessenes, ökonomisch sinnvolles und an dieser wunderbaren Stelle des Ku'damm s geeignetes Objekt herstellen.“ Für Woelffer ist die Zukunft wohl ungewisser denn je.




