Deutscher Schulpreis

Charlottenburger Schule gehört zu den besten in Deutschland

Die Charlottenburger Friedensburg Schule hat es beim Deutschen Schulpreis unter die letzten 20 geschafft. Die Oberschule punktete mit einem besonderen Konzept, das schon die Kanzlerin kennenlernt hat.

Foto: Timur Emek / DAPD

1100 Schüler aus 70 Nationen, 2200 Unterrichtsstunden in der Woche, 130 Lehrkräfte – die Friedensburg Oberschule an der Charlottenburger Goethestraße gehört zu den zehn größten allgemeinbildenden Schulen Berlins. Dass Vielfalt als Bereicherung und Größe als Chance für zahlreiche Projekte begriffen werden kann – dafür ist die Sekundarschule mit einem deutsch-spanischen Europaschulzweig ein herausragendes Beispiel. „Diese außergewöhnliche Bandbreite von Schülern, von Angeboten, von Profilen zur Förderung von Interessen ist eines unserer Alleinstellungsmerkmale“, sagt Schulleiter Paul Schuknecht. Mit seinem Konzept der Integration von leistungsstarken und -schwachen Kindern sowie der Mitbestimmung der gesamten Schulgemeinschaft hat er sich für den Deutschen Schulpreis 2015 beworben und ist nun eine Runde weiter im Wettbewerb.

Die Friedensburg Oberschule gehört zu den Top-20-Schulen, die für den Deutschen Schulpreis 2015 aus mehr als Hundert Bewerbungen ausgewählt wurde. Es ist die einzige Bildungsstätte aus Berlin auf der Liste der Besten. Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind mit jeweils drei Schulen vertreten, Sachsen und Thüringen sind gar nicht vertreten. In den kommenden Wochen wird eine Jury aus Praktikern und Bildungswissenschaftlern alle 20 Bildungseinrichtungen, die es in die engere Auswahl geschafft haben, besuchen. Dabei werden Gespräche mit der Schulleitung, mit Lehrern, Schülern und Eltern geführt.

Jury lobt Charlottenburger Friedensburg Oberschule

Mittwoch und Donnerstag war die Jury zu Gast an der Charlottenburger Sekundarschule. Sie sind durch die Flure mit Graffiti-Kunst gelaufen, haben am bilingualen Unterricht teilgenommen, bei Workshops vorbeigeschaut. Ihre Bilanz nach dem Besuch fiel positiv aus. „Eine Schule muss sich weiterentwickeln. Hier haben wir gesehen, wie das alte verstaubte Image der Gesamtschule abgestreift wurde“, sagte Kurt Reusser, Professor in Zürich. Es werde Wert darauf gelegt, die Schüler nicht nur leistungsorientiert zu fördern, sondern sie auch soziale Wärme und Nähe spüren zu lassen. Dafür lasse man die Klassen länger zusammen, anstatt die Schüler auf Kurse zu verteilen.

Die Jury bewertet die Schulen bei der Entscheidung in sechs Kategorien: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution. Diese sechs Kriterien sind inzwischen als Kennzeichen für gute Schulqualität international anerkannt. Am Ende der Deutschlandtour Ende März werden 15 Schulen nominiert, die an der feierlichen Preisverleihung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am 10. Juni in Berlin teilnehmen. An diesem Tag entscheidet sich, wer zu den Gewinnern gehört. Der erste Preis ist mit 100.000 Euro dotiert, fünf weitere Preisträger erhalten jeweils 25.000 Euro. Damit ist der Schulpreis der höchstdotierte Wettbewerb für Schulen in Deutschland.

Angela Merkel sprach mit Schülern über europäische Konflikte

Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel haben die Schüler der Friedensburg Oberschule bereits diskutiert: Vor knapp drei Jahren hat die Kanzlerin die Schule anlässlich eines EU-Projekttages besucht und mit mehr als 100 Schülern über europäische Konflikte gesprochen. Die Schülerschaft an der Friedensburg Oberschule stammt nicht nur aus vielen Ländern, sie ist auch sonst sehr gemischt: Etwa 35 Prozent kommen mit einer Gymnasialempfehlung, haben sich aber bewusst für das Abitur in drei Jahren an der Sekundarschule entschieden. 30 Prozent der Schüler stammen aus sozial schwachen Familien, 60 Prozent aus Familien nicht-deutscher Herkunftssprache. Dabei sind türkische, arabische und slawische Sprachen gleich stark vertreten. Der Anteil der spanischen Muttersprachler liegt bei 20 Prozent.

Die Friedensburg Oberschule bietet 40 Prozent der Kinder eine bilinguale Ausbildung, der Unterricht wird von muttersprachlichen Lehrkräften erteilt. Mittlerweile gehört die Schule zu den am stärksten nachgefragten im Bezirk. In den vergangenen Jahren gab es mehr Anmeldungen als Plätze. Die Schule bietet einen Ganztagsbetrieb von 8 bis 16 Uhr mit einer einstündigen Mittagspause. Der Unterricht wird überwiegend in Doppelstunden erteilt. In den Tagesablauf integriert ist das projektorientierte Lernen in den berufsorientierten Projekten. Nachmittags werden Förderunterricht, Hausaufgaben-AGs, aber auch regulärer Unterricht angeboten.

„Anfangs waren wir skeptisch, ob wir uns mit unserem Konzept bewerben sollen“, sagt Schulleiter Paul Schuknecht. Doch dann hätte sich die Mehrheit dafür ausgesprochen. Bereits in der Phase der Bewerbung habe sich das Selbstwertgefühl gewandelt, alle hätten Ehrgeiz und Stolz entwickelt. Allein für diese Veränderung habe es sich gelohnt.

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