City West

Bezirk will Feste auf dem Breitscheidplatz einschränken

Die Pläne für einen Umbau des Breitscheidplatzes sind vom Tisch. Dafür soll es weniger Veranstaltungen geben, der Weihnachtsmarkt könnte auf der Budapester Straße stattfinden.

Foto: Frank Lehmann

Erst sind die Buden rund um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche verschwunden, jetzt sollen auch die Veranstaltungen und Märkte auf dem Breitscheidplatz nach und nach weniger werden. Ein Planungsbüro stellte jetzt entsprechende Vorschläge im Ausschuss für Stadtentwicklung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg Wilmersdorf vor.

Baustadtrat Marc Schulte (SPD) geht davon aus, dass nur noch an rund 100 Tagen im Jahr der Breitscheidplatz von Veranstaltern "besetzt" sein darf. Das wären rund 50 weniger als bisher. "Man kann das nur schrittweise machen. Das ist klar", sagte er. Und es wird nicht nur zeitlich weniger, es wird etwa nur noch die Hälfte der Fläche zur Verfügung stehen, wenn die Vorschläge der Planer umgesetzt werden. Die westliche und südliche Seite der Kirche soll freigehalten werden. Beibehalten wird aber die Gastronomie vor dem Europa-Center, neue Gastronomieflächen könnten an den Einmündungen zur Rankestraße und vor dem Hochhaus "Upper West" entstehen, das 2017 fertig sein soll.

Kommentar: Nicht der große Wurf

Ziel ist, den bei Touristen und Berlinern gleichermaßen beliebten Breitscheidplatz öfter als bisher frei von Buden, Zelten oder Bühnen zu haben, damit eines der bedeutsamsten Berliner Wahrzeichen, die Gedächtnis-Kirche, in voller Schönheit erlebbar wird. Das war auch der Grund, warum das Bezirksamt der Kirche aus Denkmalschutzgründen im vergangenen Mai untersagte, auf dem Kirchenpodest die Verkaufsbuden zu betreiben. Nach jetziger Absprache dürfen sie dort nur stehen, wenn auch auf dem Platz Veranstaltungen sind.

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Die Planergemeinschaft Kohlbrenner moderiert bereits seit etwa einem Jahr ein sogenanntes "Dialogverfahren". Bezirk, Senat und Anrainer überlegen dabei gemeinsam, wie der Breitscheidplatz in Zukunft bespielt werden soll. Die Idee, ihn umzubauen, ist aber vom Tisch. Alle Überlegungen nämlich, die Privaten daran zu beteiligen, seien gescheitert, sagte Urs Kohlbrenner von der gleichnamigen Planungsgemeinschaft.

Nicht gescheitert sind die Überlegungen, welche Veranstaltungen in Zukunft eine Sondererlaubnis vom Bezirksamt erhalten sollen. Neben der mengenmäßigen Reduzierung – so soll es immer drei Wochen Pause zwischen Veranstaltungen geben – wird auch eine qualitative Verbesserung angestrebt. Eine Kommission mit Vertretern des Senats, des Bezirks und der Anrainer soll ins Leben gerufen werden und darüber einmal pro Jahr beraten.

Weihnachtsmarkt auf der Budapester Straße

Unterschieden haben die Stadtplaner zwischen dem Weihnachtsmarkt und den sonstigen Veranstaltungen. Beim Weihnachtsmarkt gibt es zwei Varianten. Um das Bikini-Haus einzubeziehen, könnten die Stände sogar auf der dann gesperrten Budapester Straße aufgestellt werden. Aber nur nördlich der Kirche, um den Bereich mit dem stark frequentierten Fußgängerweg am Kurfürstendamm frei zu halten. Insgesamt würde diese Variante zu mehr Fläche führen – allerdings zu Lasten der Autofahrer, die die gesperrte Straße umfahren müssten.

Bei der zweiten Variante würden sich die Buden wie bisher rund um die Kirche gruppieren, die Budapester Straße müsste nicht gesperrt werden. Beide Varianten haben jedoch eins gemeinsam: In der gesamten Tauentzienstraße bis zur Bezirksgrenze an der Nürnberger Straße würde der Weihnachtsmarkt nicht mehr stattfinden.

"Das kann ich mir nur schwer vorstellen", sagte Arne Herz, baupolitischer Sprecher der CDU-Fraktion in der BVV. Auch die Sperrung der Budapester Straße, die zu einem Verkehrschaos auf Kurfürstendamm und Lietzenburger Straße führen werde, sei kritisch. "Warum machen wir denn ein Dialogverfahren, wenn doch alles beim Alten bleiben soll", erwiderte Gerhild Pinkvoß-Müller, Bezirksverordnete der SPD-Fraktion. Das Bikini-Berlin werde durch die Buden des Weihnachtsmarktes "abgeschottet", es stünden ohnehin nur eine "Fress- und Bierbude" nach der anderen auf dem Platz.

Heike Schmitt-Schmelz jedoch, die Sprecherin für Stadtentwicklung der SPD-Fraktion, warb dafür, dass der Weihnachtsmarkt weiterhin auf dem Tauentzien stattfinden darf. Die Grünen lobten die angedachte zeitweise Sperrung der Budapester Straße als "mutigen Vorschlag". Stadtrat Schulte bezeichnete den Vorschlag als "charmant", schränkte aber ein, dass die Sperrung für "große Aufregung sorgen" werde. Er fände es ebenfalls "fatal", den Weihnachtsmarkt auf dem Tauentzien einzuschränken.

Schulte rechnet ohnehin mit einem "heftigen Widerstand der Veranstalter". 2015 werden die Veranstaltungen wie bisher stattfinden. Im dritten Quartal soll sich dann die Kommission gründen, die für 2016 entscheidet, was auf dem Platz noch veranstaltet werden darf.

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