Stillstand auf dem Areal gegenüber dem Internationalen Congress Centrum (ICC). Nicht nur die Zukunft der bereits seit April geschlossenen Kongresshalle ist unklar. Auch die Entwicklung des Grundstücks an der Neuen Kantstraße zwischen Messedamm und Stadtautobahn stockt. Und das schon seit Jahren.
Dabei liegen Entwürfe für einen Gebäudekomplex aus zwei Hotels und einem Businesscenter vor, die das Berliner Büro von KSP Jürgen Engel Architekten erarbeitet hat und jetzt erstmals veröffentlicht.
Doch nach zwei gescheiterten Bieterverfahren des Liegenschaftsfonds zum Verkauf des Grundstücks will die landeseigene Immobiliengesellschaft jetzt den sogenannten Portfolioausschuss einschalten.
Kritik an langsamer Bürokratie
Das Gremium aus Vertretern der Senatsverwaltungen und den Bezirken soll entscheiden, nach welchen Kriterien das landeseigene Areal verkauft werden soll. Allerdings existiert der Portfolioausschuss bislang noch gar nicht. Doch damit rücken Verkauf und Entwicklung des Areals erneut in weite Ferne. Für Alexander Lohausen, Leiter des Berlinbüros von KSP Architekten, das auch ein Nutzungskonzept vorgelegt hat, ist das unverständlich. „Wenn man jetzt mit der Vermarktung dieses Grundstücks darauf wartet, bis die Zukunft des ICC entschieden ist, wird eine Chance vertan“, sagt Lohausen der Berliner Morgenpost. Die Messe habe immer gesagt, dass sie in unmittelbarer Nähe zum Messegelände ein Hotel brauche, so Lohausen. „Wenn sich hier nichts tut, ist das Thema irgendwann verbrannt, und es findet sich kein Investor mehr“, sagt der Berliner Planer. Die als Parkplatz genutzte Fläche wird schon seit Jahren als Standort für eine Bebauung mit einem Hotel gehandelt, nachdem der ursprünglich favorisierte Hotel-Standort am Hammarskjöldplatz mit Beschluss des Abgeordnetenhauses von Juni 2009 abgelehnt worden war. So hat der Liegenschaftsfonds zuletzt im Dezember 2012 sein zweites Bieterverfahren für das annähernd 6000 Quadratmeter große Grundstück in Charlottenburg gestartet.
Auch der jüngste Vermarktungsversuch scheiterte, wie erst jetzt bekannt wurde. Bereits im Mai wurde das nicht an inhaltliche Konzepte, sondern ausschließlich an die Höhe der Verkaufssumme gebundene Bieterverfahren gestoppt. „Wir haben fast ein Jahr mit dem im März 2013 ausgewählten Meistbieter verhandelt“, sagt Brigitte Möhring. Wie die Geschäftsführerin des Berliner Liegenschaftsfonds der Berliner Morgenpost auf Nachfrage mitteilte, konnte man sich bei wesentlichen Vertragsparametern nicht einigen. Der wichtigste: „Der Bieter hat die Finanzierung nicht nachgewiesen.“ Dass man nach dem Scheitern der Verhandlungen dann wiederum nicht mit den anderen Bietern ins Gespräch kam, begründet Lifo-Chefin Möhring: „Die drei Angebote, die wir hatten, lagen alle deutlich unter dem Verkehrswert des Grundstücks und dafür wollten wir es nicht verkaufen.“
Plötzliche Kehrtwende
Da dies wiederum mit der unklaren Zukunft des ICC zusammenhänge, will der Liegenschaftsfonds „das Grundstück jetzt beim Portfolioausschuss auf den Prüfstand stellen“, um zu klären, ob es weiterhin noch nach dem Bestbieterverfahren verkauft werden kann. Das Gremium soll künftig grundsätzlich die Verwendung der 29.000 landeseigenen Bauflächen und Immobilien beraten. „Die Entscheidungen müssen einstimmig ausfallen, ansonsten muss der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses darüber beschließen“, so Lifo-Chefin Möhring. Die Zukunft des landeseigenen Areals im Umfeld der Messe hängt demnach am ICC.
Bei der Messe Berlin verweist man auf Nachfrage an die zuständigen Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Wirtschaft. Die Frage, ob die Messe an dem Standort gegenüber dem ICC nach wie vor einen Hotelkomplex favorisiere, könne man derzeit nicht beantworten, sagt Pressereferentin Mandy Gutzeit. „Da es Aufgabe des Geländeeigentümers ist, über das Areal und dessen Entwicklung zu entscheiden, steht uns eine Beurteilung des aktuellen Sachverhalts nicht zu“, so die Sprecherin. Auf Nachfrage zu dieser plötzlichen Kehrtwende, da die Messe jahrelang für ein Vier-Sterne-Hotel plädiert hatte, erläutert die Sprecherin: „Wir können dazu nichts sagen, weil das ICC nicht mehr in Betrieb ist und wir selbst nicht wissen, wie es da weitergeht“.
Stadtrat beruhigt
„Da brennt nichts an“, sieht der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Marc Schulte (SPD) das schleppende Verfahren offenbar ganz entspannt. „Es kann doch nur von Vorteil sein, wenn die Entwicklung des ICC und des Grundstücks gemeinsam angegangen wird“, sagt er. Architekt Lohausen hingegen plädiert dafür, „die Flächen am Messedamm unabhängig von der Nachnutzung des ICC voranzubringen, um einen weiteren Stillstand zu vermeiden. Mit unserem Entwurf möchten wir zeigen, welches Potential die Flächen rund um das Messegelände haben. Immerhin handelt es sich um eines der interessantesten Grundstücke in der City West“.





