Immerhin können drei Auszubildende im Schwesterunternehmen „Mövenpick Hotel Berlin“ in Kreuzberg weiterarbeiten. Doch die restlichen 65 Mitarbeiter des Mövenpick-Restaurants im Europa-Center haben ihre Kündigungen erhalten. Fast 30 Jahre lang hatte das Schweizer Unternehmen dem Standort die Treue gehalten. Seit 1984 lockte es Berliner und Touristen gleichermaßen an. Doch nun ist Schluss.

Am 5. Januar öffnet das Restaurant zum letzten Mal. Stammkunden sind entsetzt. „Das Mövenpick im Europa-Center ist eine Institution. Die in der Umgebung zur Verfügung stehenden Frühstücksmöglichkeiten bieten nun wirklich keinerlei Ersatz“, schreibt ein Lankwitzer Familienvater, der das Restaurant seit Jahrzehnten besucht. Auch die Kündigungen der Mitarbeiter und deren Schicksale habe die Familie bewegt.

„Mit der Wiedervereinigung hat der Standort an Bedeutung verloren“, begründet Nicole Maissen, Marketingleiterin von Marché International, zu dem das Mövenpick-Restaurant gehört, den Rückzug des Unternehmens aus der City West. Köche und Kellner sind enttäuscht, dass sie nicht in den anderen Lokalen des Unternehmens – dem Mövenpick-Restaurant „Zur Historischen Mühle Sanssouci“ in Potsdam oder den kleinen Gastronomien an den Flughäfen in Tegel oder Schönefeld unterkommen konnten. Im Raum Berlin gebe es wenig Vakanzen, heißt es dazu von offizieller Seite.

Kündigungen für die Mitarbeiter

„Das ist traurig, die Kündigungen sind uns auch nicht leicht gefallen“, so Nicole Maissen. Ebenfalls aus Gründen der Wirtschaftlichkeit war am 11. April 2011 das Marché Restaurant am Kurfürstendamm geschlossen worden.

Die Marketingleiterin des Schweizer Unternehmens sieht zwei Hauptgründe, dass sich der einst so angesagte Standort für das Mövenpick nicht mehr rechnet: Das Konsumverhalten der Gäste habe sich verändert, take away, also das Essen zum Mitnehmen, habe zugenommen. Es gebe kaum noch Gäste, die sich mittags ein bis zwei Stunden zum Essen Zeit nehmen. Hinzu komme, dass die gemietete Fläche im Europa-Center sehr groß sei. „Das muss sich erst mal tragen“, sagt Nicole Maissen. Heutzutage würde das Unternehmen in städtischen Lagen Neueröffnungen nicht größer als 300 bis 500 Quadratmeter planen.

Uwe Timm, der Center-Manager des Europa-Centers, hat den Mietvertrag mit den Nachfolgern des Mövenpick vor sich auf dem Schreibtisch liegen. Er soll in Kürze unterschrieben werden. Wer die Nachfolge dort antritt, verrät er noch nicht. Nur so viel: „Es wird wieder ein Ganztageskonzept geben, also mit Frühstücks-, Mittags- und Abendangebot bis hin zum Cocktail am Abend. Ein gutes, mittelpreisiges Restaurant, in dem alles frisch zubereitet wird, ist geplant“, sagte Timm. Der Anbieter sei in Europa weit verbreitet, biete mediterrane Küche, kein Fastfood.

Anfang Februar Eröffnung von Niketown im Europa-Center

Der neue Mieter wird auch künftig Flächen im Erd- und Untergeschoss nutzen und die Außengastronomie am Brunnen betreiben. Der große Gastraum mit Küche im ersten Obergeschoss und Blick auf die Gedächtniskirche wird geteilt. Insgesamt stehen mit allen Nebenflächen laut Center-Manager Timm 2500 Quadratmeter zur Verfügung. Das Restaurant im ersten Obergeschoss bietet künftig 840 Quadratmeter. „Bislang waren es 1700 Quadratmeter“, sagt Timm, „wir versuchen, die Fläche Anfang Mai zu übergeben. Der Nachfolger wird dann zwei bis drei Monate brauchen, um das Restaurant auszubauen und einzurichten“.

Momentan beträgt der Gastronomie-Anteil im Europa-Center ein Drittel, das ist laut Timm das Doppelte, das sonst in Einkaufscentern üblich ist. Weil das Center nun den Gastronomie-Anteil zurückfahren will, wird die zweite Hälfte des jetzigen Mövenpick-Bereichs zur Budapester Straße hin an einen Einzelhändler vermietet. Dafür gibt es aber noch keinen Nachfolger.

Den gibt es aber bereits für die Fläche, die Esprit im Sommer freimachte. Der 2500 Quadratmeter große Bereich mit Blick auf den Tauentzien hat das Europa-Center bereits im August an Niketown übergeben. Das Sportkaufhaus zog nach 16 Jahren aus dem Gebäude Tauentzien Ecke Nürnberger aus und bereitet im Europa-Center seinen Neuauftritt vor. „Mit dem neuen Konzept, das Niketown bislang erst in London und Paris umgesetzt hat. Wir sind europaweit dann der dritte Store“, sagt Timm. Anfang Februar soll Eröffnung sein.

Nach Durststrecke sei der Standort wieder erfolgreich

Die Meinung der Schweizer, dass der Standort nicht mehr lukrativ genug betrieben werden kann, teilt Center-Manager Timm nicht. Der Standort habe sich verändert, seit Mövenpick im alten West-Berlin sein Restaurant eröffnet habe, als noch jeder Besucher zum Breitscheidplatz kam. Um das Jahr 2000 habe es dann eine Durststrecke gegeben. „Aber inzwischen sind wir wieder sehr gut besucht, der Standort ist extrem erfolgreich“, sagt Timm.

Dass die Lage attraktiv ist, habe er auch an der Nachfrage nach den Mieteinheiten gemerkt. „Es war kein Problem die Mövenpick-Fläche zu vermieten. Wir hatten zehn ernst zu nehmende Bewerber, die ein gutes, qualitätsvolles Konzept und eine entsprechende Bonität boten“, so Timm. Mövenpick konzentriere sich eben inzwischen auf kleinere Flächen an den Autobahnen und Flughäfen.