Im ältesten Haus Wilmersdorfs sollte das erste Roncalli-Café der Welt entstehen, der Chef des gleichnamigen Zirkus und Sammler von Kompletteinrichtungen ehemaliger Cafés und Gaststätten, Bernhard Paul, wollte sich selbst um die Einrichtung kümmern. Den Kontakt hatte Christina Rau hergestellt. Die private Bibliothek des 2006 verstorbenen Altbundespräsidenten Johannes Rau sollte das Herzstück des denkmalgeschützten Schoelerschlösschens werden, inklusive Kaminzimmer. Doch daraus wird nichts. Es gibt neue Pläne.

Der Bezirk und die Stiftung Denkmalschutz Berlin, die das Haus an der Wilhelmsaue 126 eigentlich bis 2026 kulturell nutzen wollte, werden den Nutzungsvertrag aufheben. Statt Roncalli-Café und Rau-Bibliothek will das Bezirksamt dort dann einen neuen Trauort schaffen. „Wir planen einen behindertengerechten Trausaal. Immer mehr Gäste, die an Hochzeiten teilnehmen, sind in der Bewegung eingeschränkt und fragen solch einen Ort nach“, sagte der für die Bezirksimmobilien zuständige Stadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Die beliebten Trauorte in Charlottenburg-Wilmersdorf, die Villa Kogge und das Rathaus Schmargendorf, bleiben bestehen. Sie seien jedoch nicht behindertengerecht.

Werbung untersagt

Lothar de Maizière, Vorsitzender der Stiftung Denkmalschutz Berlin, bestätigte, dass sich Bezirk und Stiftung trennen werden. Das sei zwar bedauerlich, weil das Schoelerschlösschen ein interessantes Projekt war, jedoch sei es nicht zu ändern. Es liege am Geld. Eigentlich habe die Stiftung die Lottomittel beantragen wollen. Doch der Bezirk habe eigene Vorstellungen zur Nutzung des Hauses entwickelt.

Gleich mehrere Gründe nannte de Maizière, warum das Projekt gescheitert ist. Erstens habe die Außensanierung wegen der langen Denkmalstreitigkeiten sehr lange gedauert, sodass die Frist, wann die Stiftung das Haus öffentlich zugänglich machen sollte, nicht zu halten gewesen sei. Zudem habe die Stiftung gehofft, dass die Kosten für die Innensanierung wie bei anderen Projekten mit Werbung am Baugerüst finanziert werden könnten. Aber Land und Bezirk hätten dies nicht mehr gewollt.

„Wir haben seit 1999 viele Denkmäler des Landes durch Werbung sanieren können wie das Brandenburger Tor, das Strandbad Wannsee und auch das Charlottenburger Tor, aber unser bürgerschaftliches Engagement war nicht mehr erwünscht, uns wurden immer öfter Steine zwischen die Beine geworfen“, kritisiert de Maizière. Deshalb begrüße auch er den klaren Schlussstrich, der jetzt zwischen Stiftung und dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gezogen werde.

Pläne, weitere Denkmäler zu sanieren, gebe es nicht. Und er habe auch den Eindruck, dass in der Frage von Werbung im öffentlichen Raum mit zweierlei Maß gemessen werde. Wie sonst sei es zu erklären, dass am Potsdamer Platz bereits seit Jahren an einer Gebäudeattrappe geworben werden dürfe, ohne dass Bautätigkeit stattfinde, wundert sich de Maizière. Ob Christina Rau mit der Bibliothek ihres verstorbenen Mannes inzwischen andere Pläne habe, wisse er nicht.

City-West-Modell könnte ausgestellt werden

Laut Baustadtrat Gröhler soll der behindertengerechte Trausaal im Erdgeschoss rechts entstehen. Im linken Bereich soll wieder ein kleines Café einziehen. „Im ersten und zweiten Obergeschoss stellen wir uns Ausstellungs- und Veranstaltungsräume vor“, so der Stadtrat weiter.

Angelehnt an das Konzept in der Villa Oppenheim nahe dem Schloss Charlottenburg, wo in den Ausstellungen beleuchtet werde, wie Charlottenburg und Wilmersdorf das geworden sind, was sie heute sind, soll im Schoelerschlösschen die bauliche Entwicklung des Bezirks veranschaulicht werden. Dabei wird auch gerade geprüft, ob das eingelagerte Stadtmodell der City-West dort gezeigt werden kann. Aus dem Amerikahaus, wo das Modell zuletzt die Entwicklung des Bezirks veranschaulichte, musste es weichen, da dort die C/O-Galerie nach dem Umbau einzieht.

Das älteste Haus Wilmersdorfs wurde 1752 zunächst als einfaches Bauernhaus errichtet, aber schon 13 Jahre später von dem Kaufmann Hesse zu einem Herrenhaus mit Park erweitert. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde es 1893 von dem Berliner Augenarzt Heinrich Schoeler erworben, nachdem es bis heute benannt ist. Die Stiftung hatte das Haus 2006 vom Bezirksamt übernommen – mit der Verpflichtung, es zu restaurieren. Dafür, so die Vereinbarung, darf sie es 20 Jahre für kulturelle Zwecke nutzen.

Geld für Innenausbau fehlt

Der Innenausbau wird mit 1,4 Millionen Euro geplant. Das Hochbauamt arbeite gerade den Entwurf aus. Laut Gröhler müssen auch die Sanitärbereiche sowie Strom und Heizung komplett erneuert werden. Noch in diesem Jahr will das Bezirksamt den Antrag an die Lotto-Stiftung einreichen. „Wir hoffen, dass er dann im Frühjahr 2014 genehmigt wird“, sagt Baustadtrat Gröhler weiter. Mit der Eröffnung des Standesamtes im ältesten Haus in Wilmersdorf wird im Sommer 2015 gerechnet. Ob bis dahin auch der Garten denkmalgerecht saniert ist – der letzte noch fehlende Baustein des jahrelangen Projekts –, ist noch offen.