Die Polizistin Christine Böttcher-Kschonsak hat sich hübsch gemacht. Es ist ihr erster Arbeitstag im neuen Service-Büro der Polizei am Bahnhof Zoo. „Unser Ziel ist, den Menschen weiterzuhelfen“, sagt die 48-Jährige. Seit Mittwoch kann jeder, der beispielsweise am Zoo Opfer eines Taschendiebes geworden ist, gleich dort eine Anzeige erstatten. Früher musste man dafür zum nächsten Polizeiabschnitt am Ernst-Reuter-Platz fahren. Der neue Service wurde am 12. März begonnen und ist vor allem auf Touristen zugeschnitten.
„Englisch kann ich gut. Mit Französisch und Spanisch ist es etwas schwieriger“, sagt Böttcher-Kschonsak lachend. Außerdem kann man sich hier darüber informieren, wie man Straftaten vorbeugt sowie in allen anderen polizeilichen Belangen beraten lassen. Die Polizeibeamtin vermittelt den Eindruck, dass eine solche Beratung und Hilfestellung angenehm ablaufen kann. Es sei denn, die S-Bahn, die ständig über dem Büro dröhnt, würde nicht die Kommunikation stören.
Die Öffnungszeiten des Büros – von 13 bis 21 Uhr – sind auch an die Bedürfnisse von Touristen angepasst. In diesen Stunden ist deutlich mehr los, die Chancen für Diebe und Hütchenspieler steigen. „Vor allem der Taschendiebstahl ist hier im Bereich leider sehr häufig“, sagt Polizeihauptkommissar Holger Szymanski, der bereits seit 16 Jahren in diesem Kiez arbeitet.
Die Zahlen der Kriminalitätsstatistik für das vergangene Jahr sollen zwar erst in den nächsten Tagen veröffentlicht werden, doch schon jetzt steht fest, dass klassische Delikte wie Taschen- und Trickdiebstahl, Betrug und Raubtaten im Bereich der City West besonders häufig vorkommen. Da aber der Bahnhof Zoo gleichzeitig zu den beliebtesten Zielen der Berliner und Touristen gehört, braucht das Gebiet einen besonderen Schutz.
Die Bahnhofswache Zoo wurde 1990 geschlossen
Christine Böttcher-Kschonsak hat vor 15 Jahren bereits einen ähnlichen Job am Bahnhof Zoo gemacht. Damals gab es hier die „Bahnhofswache Zoo“. 1990 wurde das Büro geschlossen. Nun habe Innensenator Frank Henkel (CDU) den Bedarf wieder festgestellt, sagt der Polizeihauptkommissar. Die Einrichtung des Service-Büros geht auf die Initiative des Innensenators zurück und ist der letzte Schritt der Umsetzung einer verstärkten polizeilichen Präsenz in der City West.
Bereits seit 2012 sind zusätzliche Fußstreifen der Polizei auf dem Kurfürstendamm, dem Breitscheidplatz, der Tauentzienstraße und dem Hardenbergplatz unterwegs. Die Polizeibeamten des Abschnitts 25 stehen auch täglich mit einem Infomobil auf dem Breitscheidplatz, um die Bevölkerung über Straftaten und deren Verhinderung zu informieren.
Komplett verschwunden sind die Probleme am Bahnhof Zoo nicht
Drogenhandel und Prostitution – das sind die Begleitumstände, die den Bahnhof Zoo, vor allem nach dem Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (1978) und seiner Verfilmung, weltweit bekannt gemacht haben. Ist dieser Ort heute überhaupt noch gefährlich? „So wie in den 60er-, 70er-Jahren ist es lange nicht mehr, auch dank unserer Maßnahmen. Aber komplett verschwunden sind die Probleme nicht“, sagt der Polizeihauptkommissar. „Das ist aber ein gesellschaftliches Problem.“ Und die Bahnhöfe seien schon immer Orte gewesen, wo die sozialen Missstände am deutlichsten zu sehen sind.
Wenn man die Bahnhofshalle durchquert, liegen dort oft benutzte Spritzen auf dem Boden, sind Drogenabhängige mit glasig wirkendem Blick zu sehen, laufen Personen herum, die Frauen ihre Handtasche fester halten lassen. Ob das neue Büro dazu beitragen wird, einen Ort, der eine Visitenkarte Berlins sein könnte, in eine auch für Touristen sichere Attraktion zu verwandeln? „Wir sind keine Polizei-Wache im üblichen Sinne,“ betont Szymanski, „bei uns steht der Service-Gedanke im Vordergrund.“





