Der Berliner Senat will nach Angaben von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) nicht das Grundstück am Zoo zurückkaufen, auf dem zuletzt ein Riesenrad gebaut werden sollte.
Nach dem Scheitern dieses Baus werde der Senat sein Vorkaufsrecht nicht ausüben, sagte Nußbaum im Abgeordnetenhaus. Laut Baurecht dürfe auf diesem Grundstück - dem ehemaligen Wirtschaftshof des Zoos in Charlottenburg - nur ein Riesenrad errichtet werden. „Das werden wir nicht tun“, so der Senator. Deshalb werde das Land für dieses Grundstück auch keinen zweistelligen Millionenbetrag zahlen. Nach dem Scheitern der „Great Berlin Wheel“-Investoren hatte der Senat einen eventuellen Rückkauf geprüft.
Mit großer Enttäuschung hat die Technische Universität Berlin auf die Entscheidung von Finanzsenator Nußbaum reagiert. „Diese Entscheidung kommt für uns völlig überraschend, und wir sind sehr enttäuscht, war doch immer die Rede davon, dieses Filetgrundstück in bester City-Lage nach dem Scheitern der ‚Great Berlin Wheel’-Investoren einer sinnvollen Nutzung zu zuführen“, sagte TU-Präsident Jörg Steinbach. Aus Sicht der Universität müsse das Land Berlin das Areal unbedingt zurückkaufen. „Dauerhafte Brachflächen dürfen an so einem Ort nicht entstehen“, forderte Steinbach.
Enttäuschung auch im Bezirk
Auch der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf kritisiert die Entscheidung der Senatsfinanzverwaltung. „Man hätte sogar die Kosten für den Wirtschaftshof des Zoos abziehen können und auf diese Weise sehr günstig Land in der City kaufen und Stadtpolitik machen können, ein genialer Platz für wissenschaftsnahe Einrichtungen“, sagte Marc Schulte (SPD), Stadtrat für Stadtentwicklung in Charlottenburg-Wilmersdorf.
Da das Gelände zum Bezirk Mitte gehöre, könne er nur appellieren, dass es für die Entwicklung des TU Campus sehr wichtig wäre. „Es ist unerträglich, wie sich der Finanzsenator mal wieder durchgesetzt hat“, rügte Schulte in der jüngsten Bezirksverordnetenversammlung am Donnerstagabend im Rathaus Wilmersdorf die Entscheidung.
Der neue Wirtschaftshof des Zoos, der nötig wurde, weil das Land Berlin das ehemalige Zoo-Grundstück an die Riesenrad-Investoren verkauft hatte, kostete rund 17 Millionen Euro. 25 Millionen Euro hatte der damalige Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) für das Riesenrad-Gelände eingenommen.
Schon damals, vor dem Verkauf des Grundstücks an der Hertzallee für das Riesenrad, hatte die TU ihre Wünsche für eine wissenschaftsnahe Nutzung angemeldet, doch sie war nicht zum Zug gekommen. Das jetzige Aufleben der City West, so Steinbach, sei auch und besonders den Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen rund um den Ernst-Reuter-Platz zu verdanken. Die Vitalisierung angrenzender Quartiere, so auch des Quartiers an der S-Bahn-Trasse, sei eine zwingende Folge, wenn die Stadt ihre City-Areale zukunftsfähig gestalten wolle.
Die TU ist laut Steinbach „ein ganz starker Magnet“ für die Ansiedlung außeruniversitärer Einrichtungen, Wirtschaftsunternehmen und Start-ups aus der Uni. „Sie suchen die Nähe zur Forschung und zu den Studierenden. Der Campus Charlottenburg rund um den Ernst-Reuter-Platz ist dafür ein sehr gutes Beispiel“, so Steinbach. 2011 habe die TU rund 160 Millionen Euro Drittmittel für die Finanzierung ihrer Forschungsprojekte erhalten. Daraus seien 3000 Arbeitsplätze an der TU entstanden.
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