Über zwei Jahre nach seiner Schließung als Wohnstätte für Senioren hat das St. Josefsheim in Prenzlauer Berg als Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge wieder eröffnet. Wie die Caritas als Betreiberin auf Morgenpost-Anfrage mitteilt, sind in dem historischen Gebäudekomplex aus dem Jahre 1891 inzwischen 180 Kriegsflüchtlinge einquartiert.

Bemerkenswert ist das Zustandekommen des neuen Wohnprojekts: „Senatorin Katja Kipping hat Erzbischof Heiner Koch gebeten, kurzfristig eine Unterkunft für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine bereit zu stellen. Deshalb hat die Caritas das leerstehendes ehemaliges Pflegeheim hergerichtet“, sagt Caritas-Sprecher Thomas Gleißner.

Vor Seligsprechung: Ukrainischer Priester Petro Wehun wirkte im St. Josefsheim

Erzbischof Heiner Koch besucht die geflüchteten Ukrainer im St. Josefsheim in Prenzlauer Berg.
Erzbischof Heiner Koch besucht die geflüchteten Ukrainer im St. Josefsheim in Prenzlauer Berg.© Unbekannt | Caritas

Eigentlich hatte man für das St. Josefsheim in der Pappelallee eine andere Bestimmung vorgesehen, die aber bislang noch nicht umzusetzen war. „Wir wollen auf dem großen Gelände einen caritativen Komplex mit Altenpflege und sozialem Wohnen realisieren. Aber die Planungen und Verhandlungen ziehen sich hin. Deshalb steht das Pflegeheim im Moment noch leer“, berichtet Geißner. Mithilfe vieler Ehrenamtlicher aus Kreisen der Caritas, der Kirchengemeinde Heilige Familie und der Nachbarschaft habe man das Gebäude nun provisorisch so hergerichtet, dass 180 Ukrainer hier leben können.

Eine Nutzung, die zur Geschichte einer der ältesten Sozialeinrichtungen von Prenzlauer Berg zu passen scheint. Ab 1927 wirkte hier laut Caritas der ukrainische Priester Petro Werhun, bevor er später selig gesprochen wurde. In der Zeit seines Wirkens setzte er sich als griechisch-katholischer Priester für orthodoxe und griechisch-katholische Ukrainer ein. „Mit der ukrainisch-griechisch-katholischen Gemeinde sind auch wir in engem Austausch“, bestätigt der Caritas Sprecher eine weiterhin bestehende Verbindung.

Caritas richtet Haus in Prenzlauer Berg zum Ukraine-Zentrum her

Die Sozialeinrichtung im historischen Gebäude des St. Josefheims in Prenzlauer Berg entstand ab 1891. Bis heute leben hier die Ordensschwestern der Karmelitinnen.
Die Sozialeinrichtung im historischen Gebäude des St. Josefheims in Prenzlauer Berg entstand ab 1891. Bis heute leben hier die Ordensschwestern der Karmelitinnen. © Unbekannt | Thomas Schubert

Und die neue Nutzung des St. Josefsheim als Flüchtlingsunterkunft ist noch nicht alles. So plant die Caritas in dem teils denkmalgeschützten Gemäuer ein Caritas-Ukrainezentrum zu eröffnen. Derartige Einrichtungen eröffnen an verschiedenen Orten Ostdeutschlands – neben Berlin auch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Solche Ukraine-Zentren wie das in Prenzlauer Berg sollen laut Caritas ein Anlaufpunkt und Begegnungsort sein, um Geflüchtete zu beraten – auch solche, die nicht vor Ort leben. Private Gastgeber, die Ukrainern helfen und Rat suchen oder sich vernetzen wollen, sollen ebenfalls willkommen sein.

Speziell für Kinder hergerichtet ist der Innenhof des Heims. Gleich neben einer Kirche, in der weiterhin die Gemeinde Heilige Familie und die hier lebenden Ordensschwestern der Karmelitinnen wirken. Damit die Sicherheit aller Bewohner garantiert ist, sind Brandschutzwachen im Einsatz – rund um die Uhr.

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