Brandschutz

Caritas räumt Altenheim in Prenzlauer Berg nach 128 Jahren

Wegen Problemen beim Brandschutz müssen 74 Bewohner des St. Josefheims ausziehen. Auf der Straße soll aber niemand landen.

Teurer Sanierungsfall: Die Caritas sieht keine Möglichkeit mehr, im historischen Gebäude des St. Josefsheims Senioren zu betreuen.

Teurer Sanierungsfall: Die Caritas sieht keine Möglichkeit mehr, im historischen Gebäude des St. Josefsheims Senioren zu betreuen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Es verhieß einen Lebensabend am Puls der Zeit, das Altwerden ohne Abschiedsschmerz vom Kiezgefühl in Prenzlauer Berg. Jetzt steht das St. Josefsheim an der Pappelallee – eine der traditionsreichsten Alten- und Pflegeeinrichtungen der Berliner Innenstadt – vor dem Aus.

Schon im September findet der Betrieb ein abruptes Ende. Was erst gerüchteweise nach außen drang, hat sich jetzt offiziell bestätigt: „Es stimmt leider, dass die Caritas Altenhilfe das St. Josefsheim schließen muss. Es tut uns sehr leid, dass wir den Bewohnern den Umzug zumuten müssen“, erklärt Caritas-Sprecher Thomas Gleißner auf Anfrage. Grund für das Ende der 128 Jahren alten Einrichtung: Probleme mit dem Brandschutz.

Mitarbeiter nachts als Brandwächter eingesetzt

Nach Untersuchungen an etwa 100 Stellen im denkmalgeschützten Gebäudekomplex steht fest, dass Schottungen in Decken und Wänden nicht den nötigen Standards entsprechen. „Dadurch könnten sich im Brandfall Feuer und Rauch sehr schnell verbreiten. Abgehängte Zwischendecken sind an Aufhängungen angebracht, die im Brandfall schmelzen würden, so dass die Decken herunterfallen würden“, beschreibt Gleißner das Dilemma. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass die Mängel entdeckt wurden. Nach einem Rohrbruch habe man den Boden im betroffenen Bereich öffnen müssen, um den Wasserschaden zu beheben. Dabei hätten Techniker festgestellt, dass Rohre und Leitungen nicht brandschutzgerecht verlegt wurden, erklärt der Sprecher. Also startete die Caritas eine Untersuchung des gesamten Hauses – und bemerkte bald, dass die Probleme mit einfachen Maßnahmen nicht zu lösen sind.

Zwischenzeitlich mussten Mitarbeiter des Heims nachts als Brandwächter im Einsatz bleiben. Weil die Sicherheit von Senioren und Mitarbeitern an erster Stelle steht, gibt es für die Caritas auf Dauer nur eine Option: das Ende des St. Josefsheims in seiner jetzigen Form. Nach dem Sommer soll das Haus geräumt sein.

Suche nach Ersatzplätzen gestaltet sich schwierig

Aber wohin mit den 74 Bewohnern? Eine Suche nach geeigneten Ersatzplätzen läuft derzeit auf Hochtouren. Doch eine gleichwertige Lösung im teuren Stadtteil zu finden, gestaltet sich schwierig. Behilflich sein will Pankows Sozialstadträtin Rona Tietje (SPD). „Wir wollen ausloten, was geht“, bemüht sie sich um eine Lösung für die Senioren.

Bei den bezirkseigenen Immobilien gebe es jedenfalls keinen Spielraum. „Befremdlich“ erscheint Tietje das Tempo des Auszugs, nachdem über das Problem lange nicht gesprochen wurde. „Der Betreiber ist zwar nicht verpflichtet, sich bei uns zu melden, aber wir hätten es gerne früher gewusst“.

Inzwischen seien die Defizite bei der Kommunikation behoben. „Wir bedauern die Angelegenheit außerordentlich“, kommentiert die Stadträtin den Fall. Der kurze Vorlauf bis zum Auszug erhöht den Druck bei der Suche nach Ausweichplätzen zusätzlich.

Mitarbeiter sollen Beschäftigungsangebote bekommen

Egal, ob sich Lösungen in der Nähe finden lassen oder ein größerer Umzug ansteht – auf der Straße soll keiner der Senioren landen, stellt die Caritas klar. „Wir werden alles tun, um die schwierige Situation abzufedern“, versichert Thomas Gleißner von der Caritas. Man werde die Bewohner nicht nur nach Kräften beim Umzug unterstützen, sondern auch die gesamten Kosten übernehmen. Auch für die Mitarbeiter sind sozialverträgliche Lösungen im Gespräch. Ziel ist es, dass alle jetzigen Kräften ein Beschäftigungsangebot bekommen.

Wie es mit dem historischen Backsteinhaus weitergeht, ist noch offen. Fest steht nur, dass auch künftig soziale und kirchliche Zwecke im Vordergrund stehen sollen und ein Verkauf nicht in Frage kommt. Formell gehört das Gebäude an der Pappelallee dem Karmeliterorden und wurde der Caritas per Erbaurecht übertragen.

Auch am Hackeschen Markt verschwand ein Seniorenheim

Die Schließung des St. Josefsheims ist nicht das erste Beispiel für den Wegfall von Heimplätzen in der Berliner Innenstadt. 2018 mussten 245 Bewohner der „Residenz Vis à vis der Hackeschen Höfe“ in der Rosenthaler Straße eine neue Bleibe suchen. In diesem Fall erfolgte ein Abriss des erst 20 Jahre alten Gebäudes, um Platz zu schaffen für einen Neubau mit Büros. Bewohner wurden vom Betreiber auf andere Heime in Berlin verteilt und konnten dabei unter mehreren Standorten wählen.

Anders als für den Zweckbau am Hackeschen Markt ist für das historische Backsteingebäude in der Pappelallee kein Abriss zu befürchten. Zur Höhe der Sanierungskosten hat sich die Caritas bislang noch nicht geäußert. Für die Senioren heißt es jedenfalls auch Abschied nehmen von einem besonderen Serviceangebot, zu dem auch eine Seelsorge gehörte. Worum es dabei laut der Internetseite des Heims geht, ist das Zuhören, Erinnern, Verstehen, Teilen, Bleiben, Beten – und das Loslassen.