Noch einmal das Meer sehen, ein letztes Mal den Lieblingsverein im Fußballstadion anfeuern oder bei der Taufe der Enkelin dabei sein – danach sehnen sich Menschen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind. Um diese Wünsche zu erfüllen, gibt es den Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Berlin.

„Tatsächlich träumen viele Menschen vor ihrem Tod davon, noch einmal das Meer zu sehen. Gefühlt geht jede zweite Fahrt im Sommer an die Ostsee“, berichtet Babett Wetzlich. Sie ist eine von 50 Ehrenamtlichen, die die Fahrten in dem Wünschewagen begleiten. Seit 2016 ist der ausschließlich spendenfinanzierte Wünschewagen in Berlin stationiert, um sterbenskranken Menschen einen letzten Wunsch zu erfüllen – wenn sie den ersehnten Ausflug nicht mehr aus eigener Kraft schaffen.

Berliner helfen: Wünschewagen feiert Jubiläum
Als Ehrenamtliche mit dem Wünschewagen im Einsatz: Babett Wetzlich. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Babett Wetzlich ist durch eine Fernsehreportage vor acht Jahren auf den Wünschewagen aufmerksam geworden. „Ich war auf der Suche nach einer sinnstiftenden Aufgabe. Da habe ich gedacht, das ist etwas, wo ich mich engagieren kann“, erzählt die ehemalige Flugbegleiterin. Sie fing als Ehrenamtliche beim Wünschewagen in Brandenburg an. Während der Corona-Pandemie absolvierte sie eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin und erfüllte damit die Voraussetzung, um auf den Berliner Wünschewagen umzusteigen.

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Ehrenamtliche begleiten letzte Wünsche schwer kranker Menschen

An die 70 Fahrten hat Babett Wetzlich in den letzten sieben Jahren begleitet, schätzt sie. Die Fahrgäste oder deren Angehörige werden durch Flyer in Hospizen, Krankenhäusern und Pflegeheimen auf den Wünschewagen aufmerksam. 

Um die Termine kümmert sich das hauptamtliche Koordinationsteam. Die Ehrenamtlichen melden sich, welche Fahrt sie übernehmen möchten. Jede Fahrt wird von zwei Ehrenamtlichen begleitet. „Vor dem Einsatz gibt es ein Briefing, oft fahren auch Angehörige mit. Wir holen den Patienten mit dem Wünschewagen von zu Hause oder aus dem Hospiz ab. Dann treffen wir ihn oder sie zum ersten Mal“, sagt Babett Wetzlich.

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Die Wünsche der Todkranken seien nicht ausgefallen, findet sie: „Noch mal den eigenen Garten sehen, bei der Einschulung des Enkelkindes dabei sein oder bei der Beisetzung des Ehepartners – um Frieden zu schließen. Viele möchten noch einmal an einen Ort wie die Ostsee, den sie mit schönen Erinnerungen verbinden.“

Wünschewagen
Der Wünschewagen des ASB ist ein umgebauter Rettungswagen.© Lisa Hambsch | Lisa Hambsch

Hospiz-Patienten genießen Strandbesuch in Warnemünde

Wenn der Zielort zum Beispiel Warnemünde ist, bereiten die Projektkoordinatoren vor Ort alles vor. „In einem Rollstuhl mit breiten Gummirädern können wir mit dem Patienten über den Strand fahren. Abhängig vom Gesundheitszustand gehen wir dann in ein Restaurant oder essen ein Fischbrötchen auf der Promenade. Und natürlich gibt es ein Eis“, erzählt Babett Wetzlich.

Die Fahrten und das Programm vor Ort sind für den Fahrgast und eine Begleitperson kostenlos. Die Fahrgäste würden sich ganz unterschiedlich verhalten. „Manche erzählen nicht viel. Sie genießen den Tag in dem Wissen, dass es das letzte Mal sein wird. Von anderen habe ich schon tolle Lebensgeschichten erfahren. Manchmal kommunizieren wir nur mit Blicken oder einem Handdruck“, sagt die Ehrenamtliche.

Glücksmomente auf Hiddensee mit dem Wünschewagen

Eine Fahrt nach Hiddensee im vorletzten Jahr ist ihr besonders in Erinnerung geblieben. „Weil alles perfekt war. Die Ehefrau und beide Söhne kamen mit. Wir hatten für den Wünschewagen eine Ausnahmegenehmigung für die autofreie Insel, weil der Fahrgast auf die Trage angewiesen war. Das Wetter war herrlich, und die Menschen auf Hiddensee sind uns sehr herzlich begegnet. Es gab so viel positive Energie. Wir haben Rikschas gemietet und sind damit um die Insel gefahren“, erzählt Babett Wetzlich.

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Sie ist voll berufstätig als Disponentin bei einem Fahrdienst für behinderte Menschen. Ihr Ehrenamt liegt ihr sehr am Herzen. „Wenn ich Freunden davon erzähle, denken die oft, dass das sehr traurig sei. Der Hintergrund ist traurig, aber wir lachen bei den Fahrten auch sehr viel und haben Spaß. Manche Patienten brauchen da keine Medikamente mehr, wegen der Glückshormone“, sagt sie. Die ehrenamtliche „Wunscherfüllerin“ hat selbst auch einen Wunsch: „Dass noch mehr Menschen am Ende ihres Lebens vom Wünschewagen erfahren.“

Wünschewagen

Das Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes wird ehrenamtlich getragen und ausschließlich durch Spenden finanziert, auch von Berliner helfen e.V. , dem Verein der Berliner Morgenpost. Die Fahrten sind für den Fahrgast und eine Begleitperson kostenlos. Weitere Infos unter www.asb-berlin.de/unsere-angebote/wuenschewagen