Auf dem sonnigen Schulhof der Gustav-Meyer-Schule in Kreuzberg sieht es an diesem Vormittag aus wie in der Verkehrsschule: Rote Kegel sind zum Üben von Slalomfahren aufgebaut, Kreidezeichen auf dem Boden zeigen Haltelinien und Fahrtrichtungen an. Neun Kinder sausen mit Fahrrädern, Dreirädern oder speziellen Dreirädern mit großer Begeisterung hin und her.
„Ich bin so froh, dass wir wieder hier sein können“, sagt Tobias Kopetzki, Leiter und Trainer des Projekts „Zweirad inklusiv“ des Vereins gesufit (Abkürzung für „gesund und fit“) – der gemeinsam mit Co-Trainer Eduardo Cannizzaro mit den Kindern Fahrradfahren übt.
Dafür brauchen sie spezielle Räder, denn die Gustav-Meyer-Schule ist ein Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. 152 Schülerinnen und Schüler im Alter von 6 bis 18 Jahren mit unterschiedlichen Behinderungen werden dort unterrichtet.
Transporter mit Fahrrädern gestohlen
Dass die Kinder wieder Radfahren üben können, ist der großen Hilfsbereitschaft vieler Spender zu verdanken. Denn mit dem Diebstahl seines Transporters waren dem Verein neben den üblichen Trainingsrädern und dem Equipment für die Fahrradkurse auch Handbikes und Dreiräder für behinderte Kinder genommen worden. Tobias Kopetzki hatte den Transporter am Vorabend des 10. Mai in der Lindauer Allee in Reinickendorf geparkt und war am Boden zerstört, als er am nächsten Morgen den Diebstahl feststellte.
Nach einem öffentlichen Hilferuf auch in der Berliner Morgenpost wurden Geldsummen zwischen 30 und 500 Euro von Privatleuten gespendet. Berliner helfen e.V., die Berliner Sparkasse und der Zweirad-Industrie-Verband e.V. haben größere Spenden beigesteuert, sodass der Schaden von ca. 10.000 Euro für Spezialfahrräder, Helme und Parcourselemente aufgefangen werden konnte.

„Die Hilfsbereitschaft war einfach großartig“, sagt Marco Dames vom Verein gesufit. Auch gebrauchte Räder wurden dem Verein gespendet. „Diese Räder werden abgeholt und in der Fahrradwerkstatt im Jugendclub Heckerdamm instand gesetzt. Wenn wir sie nicht gebrauchen können, dann erfüllen sie ihren guten Zweck bei anderen Zweiradprojekten“, sagt der Vereinsvorsitzende Günter Müller.
Behinderte Kinder können Radfahren lernen
An sieben Förderschulen in ganz Berlin ist der Verein mit dem Projekt „Zweirad inklusiv“ im Einsatz, zwei weitere sollen noch dazukommen. An der Gustav-Meyer-Schule kümmert sich Maryna Tkachenko als Verkehrsbeauftragte um das Projekt. „Wir wollen, dass unsere Kinder auch am Verkehr teilnehmen können. Das müssen sie aber länger in einer geschützten Umgebung üben“, sagt die Referendarin. Sie freut sich über die Fortschritte der Kinder auf den unterschiedlichen Rädern.
Auch Schulleiterin Annett Steinke ist begeistert von dem Fahrradprojekt und dankbar für die Spenden: „Verkehrserziehung ist einer unserer Schwerpunkte und die Trainer stellen sich sehr gut auf die Besonderheiten unserer Kinder ein. Die Kinder lernen, sich an die Regeln zu halten, das ist ein großer Schritt für sie.“
Förderung des Senats anlässlich der Special Olympics
Das Projekt „Zweirad inklusiv“ wird in diesem Jahr von der Senatsverwaltung für Inneres, Digitales und Sport über die „Berliner Gesellschaft für Gesundheit durch Sport“, die Begspo gefördert, anlässlich der Special Olympics World Games in Berlin. „Wir würden uns sehr wünschen, dass sich auch die Schulverwaltung für das Projekt interessiert und finanzielle Mittel bereitstellt. Alle reden immer von Teilhabe, die muss man dann auch möglich machen“, betont Günter Müller vom Verein gesufit.
Fahrradprojekte an Schulen
Der Verein gesufit ist nicht nur an Förderschulen mit dem Projekt „Zweirad inklusiv“ aktiv, sondern bereitet an 50 Grundschulen dritte und vierte Klassen auf die Fahrradprüfung vor. Im Zweiradprojekt „mini“ werden Kitakindern von drei bis sechs Jahren die Ansätze des Radfahrens beigebracht. „Wir bringen die Räder und das Equipment in unseren Transportern mit. Durch den Diebstahl fehlt uns nun ein Fahrzeug. Das war zwar versichert, aber die Lieferfristen sind lang“, sagt der Vereinsvorsitzende Günter Müller. Er hofft: „Vielleicht gibt es Unternehmen, die uns leihweise oder zu günstigen Konditionen einen Transporter zur Verfügung stellen können.“ Kontakt per E-Mail an: info@gesufit-berlin.de


