Berliner helfen

Geld für Heu und Gnadenbrot in Zehlendorf

In der Corona-Krise fehlen der Kinderreitschule in Zehlendorf Einnahmen aus Kursen. Berliner Helfen unterstützt den Verein.

Glinda Spreen vom Kinder- und Jugend-Reitverein Zehlendorf.

Glinda Spreen vom Kinder- und Jugend-Reitverein Zehlendorf.

Foto: Katrin Lange

Berlin. Luna hat die vertraute Stimme gehört. Sie löst sich aus der Gruppe und kommt gemächlich heran. Mit der Nase stupst die Stute Glinda Spreen über den Zaun an – das ist ihre Art, die Trainerin und Ausbilderin zu begrüßen. Dann geht das Pferd zu den anderen zurück. Gerade ist Fütterungszeit, da will auch Luna nichts verpassen.

Sie gehört zu einer Gruppe von Tieren, die eine Heuallergie haben. Weil sie keine Pilzsporen vertragen, bekommen die Pferde Spezialheu aus dem Norden, das in der Halle getrocknet wurde. Das Heu ist nicht nur besonders hergestellt, es ist auch besonders teuer. Wie lange sich Glinda Spreen das Futter noch leisten kann, weiß sie nicht.

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Corona-Krise bringt finanzielle Probleme

Die Corona-Krise hat auch den Kinder- und Jugend-, Reit- und Fahrverein Zehlendorf (KJRFV) schwer getroffen. Bei der letzten Vereinssitzung tauchte die Frage auf: „Wie kommen wir über den Winter, wie lange können wie uns das alles noch leisten?“ Auf der Koppel in Düppel, gegenüber von der Justizvollzugsanstalt an der Robert-von-Ostertag-Straße, ist vom März bis Oktober Saison. In dieser Zeit laufen die Zusatz- und Schnupperkurse für Externe, die zusätzlich Geld in die Vereinskasse bringen.

„Pro Monat mache ich derzeit 20.000 Euro Minus“, sagt die Gründerin der Kinderreitschule und Vereinsvorsitzende Glinda Spreen. Hochgerechnet sitzt sie im Oktober auf 160.000 Euro Schulden, obwohl sie eigentlich Rücklagen bilden sollte. Zum Beispiel für den Zaun, der dringend erneuert werden müsste.

Sechs Millionen Euro stellt der Senat für die Sportförderung bereit, 2000 Euro hat ihr der Landesportbund zugesagt. Damit kommt der Verein nicht weit. Mit noch einmal 2000 Euro unterstützt deshalb die Berliner Morgenpost mit ihrem Verein „Berliner helfen“ die Kinderreitschule.

Keine Einnahmen, aber die Kosten laufen weiter

„Von der Corona-Krise sind ja viele Pferdevereine betroffen, bei denen die Kosten weiterlaufen, obwohl sie nichts verdienen“, sagt die 62-Jährige. Futter, Tierarzt, Schmied und die Miete für die Grundstücke – das alles muss bezahlt werden. Dazu konnte sie ihre Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit schicken, weil es noch mehr als vorher zu tun gab. Denn die Kinder und Jugendlichen lernen nicht nur reiten, sie helfen auch mit, die Tiere zu füttern, zu pflegen und die Koppeln sauber zu halten. Seit März fiel diese Unterstützung weg.

Der Kinderreitverein unterscheidet sich dennoch in einigen Punkten von den anderen Vereinen. Er gehört zu den wenigen Ausnahmen, die keine Privatpferde haben, also auch keine Boxen und Koppelplätze vermieten. „Wenn ich 60 Boxen zu 300 Euro pro Monat vermieten würde, wäre das eine gute Grundlage“, sagt Glinda Spreen. Doch sie hat sich bewusst entgegen entschieden. Im Gegenteil: Bei ihr bekommen die Pferde ihr Gnadenbrot. Sie landen nicht in der Wurst, sondern in der Seniorengruppe.

Reitmöglichkeiten für behinderte Kinder

Etwa 50 alte Pferde. die nicht mehr geritten werden, stehen noch auf Koppeln. Auch die brauchen Heu, Impfungen und Pflege. Die übrigen 73 Pferde, zum Großteil Ponys, sind Schulpferde, mit denen die Kinder ab drei Jahren arbeiten. Und noch etwas ist anders auf der Weide in Düppel: Der Verein bietet in Kooperation mit dem Sportclub Lebenshilfe inklusives Reiten für Kinder mit körperlichen und geistigen Einschränkungen an. Sie werden in die Gruppen integriert und bekommen im Bedarfsfall einen Helfer zur Seite gestellt.

Außerdem arbeitet der Verein mit mehreren Förderschulen zusammen, darunter ist die Johann-August-Zeune-Schule für Blinde in Steglitz und die Sancta Maria Schule in Wannsee. Die Kinder kommen mit ihren Betreuern im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften oder auch im Unterricht nach Düppel.

Und wie kommt der Verein jetzt über den Winter? Glinda Spreen hofft auf Spenden von Firmen, die auch bei ihr an den Koppeln Bandenwerbung anbringen könnten. „Vielleicht finden sich auch einige, die eine Patenschaft über ein altes Pferd übernehmen“, sagt die Vereinschefin. Oder vielleicht ein altes Tier zu sich auf das Grundstück holen. Zwar können die Seniorenpferde nicht mehr geritten werden. Aber Streicheln, Putzen und Spazierengehen im Wald mögen sie immer noch sehr gern.