Mord

Vermisster aus Lichtenberg wohl Opfer von Kannibalismus

Die Polizei hat einen 41-Jährigen aus Pankow verhaftet. Er soll einen Mann getötet und anschließend Teile von ihm verspeist haben.

Offenbar Fall von Kannibalismus in Berlin

Seit Ende September suchte die Polizei in Berlin nach einem 44-Jährigen, Anfang November wurden seine Knochen im Norden Berlins gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass er einem Kannibalen zum Opfer gefallen ist. Ein 41-Jähriger wurde festgenommen.

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Berlin.  Nach dem Fund von Überresten eines seit mehr als zwei Monaten vermissten Mannes aus Lichtenberg hat die Staatsanwaltschaft gegen einen 41-Jährigen aus Pankow Haftbefehl erlassen. Der Mann steht im Verdacht eines Sexualmordes aus niedrigen Beweggründen, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte. Der Mann sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Die Ermittler der 6. Mordkommission hatten den Mann am Mittwoch festgenommen, nachdem er über die Auswertung verschiedener Chatgruppen ins Visier der Fahnder geraten war. Sie hatten Chatprotokolle des Verdächtigen Stefan R. und des Opfer Stefan T. gesichert und ausgewertet. Beide hatten sich auf einer Dating-Plattform für Männer und Frauen ausgetauscht. Über diesen Fall berichtet auch die "Bild"-Zeitung.

Am Freitagnachmittag twitterte die Berliner Staatsanwaltschaft: "Die Mordkommission der Polizei Berlin und die Staatsanwaltschaft Berlin ermitteln mit Hochdruck zur Aufklärung eines Sexualmords mit dem Verdacht eines kannibalistischen Hintergrunds."

Kannibalismus in Berlin: Verdächtiger in einschlägigen Chatgruppen unterwegs

Wie die Morgenpost aus Polizeikreisen erfuhr, ergaben weitere Ermittlungen, dass der am Mittwoch Festgenommene auch in Chat-Gruppen für Kannibalismus im Internet unterwegs war.

Es bestehe daher der Verdacht, dass der Festgenommene sein Opfer getötet und anschließend Teile von ihm verspeist haben könnte. Das zumindest würden die gefundenen Knochen erklären, die ohne jegliches Fleisch gefunden worden sind. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, sagte am Donnerstagabend auf Nachfrage, dass es Hinweise auf Kannibalismus gebe.

Von einem Einverständnis des Opfers gehen die Ermittler nicht aus: Es gebe keine Hinweise auf Einvernehmlichkeit, betonte Steltner.

Leichenspürhunde der Berliner Polizei witterten Leichenteile in Dosen

Am Mittwoch wurde die Wohnung des Verdächtigen, bei dem es sich um einen Lehrer handeln soll, in Pankow an der Parkstraße durchsucht. Zum Einsatz kamen auch Leichenspürhunde. Wie die Morgenpost erfahren hat, schlugen die Tiere an, als sie Tiefkühlbehältnisse und Dosen aufspürten. Diese waren jedoch leer. Das reichte offenbar noch nicht für einen Haftbefehl, wie diese Zeitung erfuhr.

Erst anschließende Tests der Experten der Kriminaltechnik sollen Blutspuren des Vermissten in der Wohnung des später Verhafteten sichtbar gemacht haben. Daraufhin soll die Staatsanwaltschaft der Verhaftung zugestimmt haben. Zudem wurden eine Sackkarre und eine Tiefkühlbox entdeckt und auf Spuren untersucht. Auch „einschlägige Werkzeuge“ wie etwa Messer und Sägen wurden gefunden.

Anfang November hatten Spaziergänger beim Gassigehen mit ihrem Hund an einem Waldstück am Buchholzer Graben mehrere Knochen entdeckt. Daraufhin hatte die Gerichtsmedizin die Überreste sichergestellt und untersucht. Bei dem Mann handelte es sich um einen Monteur im Hochleitungsbau.

Berliner Fall erinnert an Kannibalen von Rotenburg

Der aktuelle Fall weckt die Erinnerungen an einen Fall aus dem Jahr 2001. Damals hatte Armin Meiwes, der nach seiner Tat als „Kannibale von Rotenburg“ bekannt geworden ist, seine Internet-Bekanntschaft aus Berlin, Bernd Brandes, getötet, zerlegt und Teile des Körpers gegessen. Meiwes verbüßt seit 2006 eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes.

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