Panketal

Frau findet neugeborenes Baby in ihrer Hofeinfahrt

In Panketal bei Berlin hat eine Frau am Sonntagabend auf ihrem Grundstück einen Säugling entdeckt. Die Polizei fahndet nach den Eltern.

Die Bewohnerin eines Hauses an der Wiener Straße in Panketal (Landkreis Barnim) hat am Sonntagabend gegen 22 Uhr in der Auffahrt zu ihrem Grundstück einen Säugling gefunden. Das Mädchen war erst wenige Stunden zuvor auf die Welt gekommen. Die Polizei sucht nun die Mutter.

Das Mädchen kam mit einer Unterkühlung ins Klinikum Berlin-Buch, das nur etwa 400 Meter entfernt liegt. Bei dem Säugling sei die Nabelschnur nicht richtig durchtrennt worden, sagte ein Polizeisprecher.

Warum das Neugeborene im Garten des Einfamilienhauses abgelegt wurde, ist im Moment noch unklar. Einen Zusammenhang zu den Bewohnern gibt es laut Polizei nicht. Das Haus liegt in einer Siedlung mit mehreren Einfamilienhäusern. In der Nähe ist ein Supermarkt. In unmittelbarer Nachbarschaft haben ein Tier- und ein Zahnarzt ihre Praxen. „Möglicherweise hat die Frau gedacht, dass das Kind hier schnell gefunden wird“, sagte ein Polizist.

Spürhund verliert nach einer knappen Stunde die Spur

Die Kriminalpolizei sicherte bis in die Nacht Spuren und war auch am Montagvormittag erneut vor Ort. Spürhunde kamen zum Einsatz. Zwar schlug das Tier an und nahm Witterung auf, allerdings verlor sich die Spur. Nach einer knappen Stunden wurde die Verfolgung ergebnislos abgebrochen. Es gibt Vermutungen, dass die Mutter sich vom Tatort mit dem Auto entfernte.

Die Ermittler erhoffen sich unter anderem Ergebnisse von der Auswertung des Handtuches, in welches das Mädchen eingewickelt war. Außerdem sollen Aufzeichnungen ausgewertet werden, die möglicherweise gemacht wurden. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll ein Anwohner eine Überwachungskamera auf seinem Grundstück haben.

Das Mädchen wurde auch am Montag weiter auf der Kinderintensivstation des Krankenhauses behandelt. „Es geht ihm aber wieder gut“, sagte eine Sprecherin des Krankenhauses am Montag. Es wiegt 3500 Gramm und ist 49,5 Zentimeter groß. Der Soziale Dienst des Helios Krankenhauses und die Polizei haben sich mit dem Jugendamt des Landkreises Barnim in Verbindung gesetzt. „Das Jugendamt Barnim wird in Zusammenarbeit mit der Klinik weitere Schritte zur Sicherung des Kindeswohls einleiten. Sollte sich die Mutter in der Klinik melden, wird das Jugendamt mit ihr über die Zukunft des Kindes sprechen“, sagte eine Sprecherin des Landkreises.

Kind bekommt vorläufigen staatlichen Vormund

Der Landkreis hatte am Montag zunächst den Kinderschutz eingeschaltet, der einen vorläufigen staatlichen Vormund einsetzt. Sollten die Eltern gefunden werden, werde das Gespräch mit ihnen gesucht. Erst danach würde der Vormund über die weiteren Schritte entscheiden. Dazu gehört die Frage, ob das Baby in einem Heim oder bei einer Pflegefamilie untergebracht wird.

Die einzige Babyklappe in Brandenburg befindet sich im St.-Josefs-Krankenhaus in Potsdam. Sie besteht seit 2003. Im Krankenhaus besteht zudem die Möglichkeit, sich während der Schwangerschaft anonym beraten und behandeln zu lassen. In Berlin bestehen fünf Babyklappen.

Rechtlich wird die Aussetzung des Säuglings als Straftat gewertet (Paragraf 221 Strafgesetzbuch). Darin heißt es, wer die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsgefährdung in Kauf nimmt, wird mit Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Die Polizei prüft auch Verbindungen zu früheren Fällen

Die Polizei sucht nun Zeugen, die am Sonntagabend in der Zeit von 21.30 bis 22 Uhr etwas Verdächtiges beobachtet haben. Außerdem fragt die Polizei, wer Frauen kenne, die bis zum 27. August schwanger waren und jetzt ohne Kind unterwegs sind. Hinweise können unter der Telefonnummer 03338-3610 abgegeben werden. Die Polizei hofft, die Mutter des Mädchens auf diesem Wege noch zu finden.

Die Polizei prüft auch Verbindungen zu früheren Fällen. Im August 2016 wurde ein Baby in Pankow ausgesetzt und von Anwohnern gefunden. Ein Jahr zuvor war ein Neugeborenes an einer Bushaltestelle vor dem Klinikum in Buch ausgesetzt worden.

Nicht immer findet jemand die Säuglinge auch rechtzeitig. Anfang 2016 wurde in Lichtenberg ein in Handtücher und Müllsäcke eingewickelter toter Säugling auf einem ehemaligen Friedhof gefunden. Auch ein Massenspeicheltest im April dieses Jahres brachte bislang keine neuen Erkenntnisse zur Mutter des Kindes.

Im Jahr 2014 war beim Mähen einer Wiese in der Uckermark ein totes Baby gefunden worden. Das Mädchen wurde nach der Geburt getötet.

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