Berlin-Reinickendorf

Mann mit Messer rastet in Kiosk aus - Polizist schießt

Schüsse in Berlin-Reinickendorf: An einem Lottoladen hat ein Polizist einen Mann angeschossen. Die Provinzstraße wurde gesperrt.

Vier Tage nach den tödlichen Schüssen auf einen Flüchtling in Moabit meldet die Berliner Polizei einen erneuten Schusswaffengebrauch. In Reinickendorf hat ein Beamter am Sonnabendmorgen einen gezielten Schuss abgegeben, um einen randalierenden mit einem Messer bewaffneten 22-Jährigen zu stoppen. Der Angreifer wurde durch einen Schuss in den Oberschenkel verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Lebensgefahr bestehe nicht, sagte ein Polizeisprecher.

Wie der Sprecher weiter mitteilte, wurde die Polizei gegen 8.40 Uhr von einem Angestellten eines Lottoladens an der Provinzstraße alarmiert. In dem Geschäft fuchtele ein schreiender Mann mit einem Messer herum, berichtete der aufgeregte Angestellte. Neben dem Angestellten und dem Randalierer soll sich offenbar noch ein Kunde in dem Geschäft aufgehalten haben, der sich bedroht fühlte.

Ob der 22-Jährige ernsthaft einen Raubüberfall geplant hatte, ist derzeit noch unklar. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, soll er den Angestellten des Lottoladens mehrfach aufgefordert haben, ihm etwas zu trinken zu geben.

Als kurz nach dem eingegangenen Notruf mehrere Funkstreifenwagen am Ort des Geschehens eintrafen, verließ der Randalierer das Geschäft. Auf der Straße versuchten die Beamten zunächst, beruhigend auf den Mann einzuwirken. Diese Bemühungen blieben jedoch erfolglos, ebenso wie die mehrfache Aufforderung, das Messer, das der Mann immer noch in der Hand hielt, fallen zu lassen.

Als der 22-Jährige die Hand mit dem Messer erhob und auf die Einsatzkräfte zuging, schoss einer der Beamten. Nachdem die Polizisten den Mann notversorgt hatten, übergaben sie ihn den zwischenzeitlich alarmierten Rettungskräften.

Ob der Beamte einen oder mehrere Schüsse abgab, ist nach Angaben der Polizei noch unklar, feststeht, dass der Angreifer von einer Kugel in den Oberschenkel getroffen wurde. Die Waffe des Beamten wurde sichergestellt, die Ermittlungen zu dem Vorgang hat, wie in solchen Fällen üblich, eine Mordkommission übernommen. Deren Mitglieder begannen direkt nach ihrem Eintreffen, die zahlreichen Zeugen des Geschehens zu befragen.

Augenzeugen machten widersprüchliche Angaben

Zum Ergebnis dieser Befragungen wollte sich die Polizei unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern. Offenbar gab es allerdings sehr widersprüchliche, zum Teil auch unglaubwürdige Aussagen, die jetzt allesamt geprüft und ausgewertet werden müssen. Der angeschossene Randalierer, ein Deutscher, konnte zunächst nicht vernommen werden, im Krankenhaus wurde zunächst die Schusswunde behandelt.

Machen Polizeibeamte von der Schusswaffe Gebrauch, gilt ein gezielter Schuss auf die Beine als „mildestes Mittel“. Denn er ist geeignet, einen Angreifer zu stoppen oder von einer geplanten Tat abzuhalten, ohne ihn lebensgefährlich zu verletzen oder gar zu töten. Noch gibt es kein Ergebnis der Ermittlungen, aber nach den bisherigen Erkenntnissen und der Gesetzeslage spricht vieles dafür, dass das Vorgehen der Beamten in Reinickendorf zulässig und korrekt war.

Erst am Dienstag dieser Woche endete ein Schusswaffengebrauch durch Polizisten tödlich. Die Beamten hatten in einer Flüchtlingsunterkunft in Moabit auf einen 29-Jährigen geschossen, der mit dem Messer in offenkundiger Tötungsabsicht auf einen zuvor festgenommenen Mann losgegangen war. Der Festgenommene soll die Tochter des 29-Jährigen sexuell missbraucht haben. Zu diesem Vorfall hat die Fraktion der Grünen eine Sondersitzung des Innenausschusses gefordert.