Auftritt in der Wuhlheide

Rainald Grebe - „Ich dachte, Sie wären witziger“

Rainald Grebe nennt sich selbst Liedermacher, bei seinem Auftritt in der Berliner Wuhlheide möchte er sich aber wie ein Rockstar fühlen. Ein Gespräch über die City West, Witz und Indianerhauben.

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Er selbst nennt sich Liedermacher, bei seinem Auftritt in der Wuhlheide möchte sich Rainald Grebe jedoch wie ein Rockstar fühlen. Im Gespräch erzählt der Wahlberliner, warum Witze über Prenzlauer Berg auserzählt sind, er über einen Umzug in die City West nachdenkt und weshalb er privat mehr Beobachter als Dauerunterhalter ist.

Berliner Morgenpost: Gibt es jetzt schon einen Moment, auf den Sie sich am 20. Juni besonders freuen?

Rainald Grebe: Ich versuche, auf einem echten Kamel einzureiten, da freue ich mich drauf. Aber vor allem auf die Atmosphäre. Dass es so schön wird wie beim letzten Mal – oder noch schöner.

Beim letzten Mal traten Sie vor 15.000 Leuten in der Waldbühne auf. So ein Spektakel wollten Sie eigentlich erst zu ihrem 50. Geburtstag wiederholen.

Ich bin wortbrüchig geworden, aber ich will unbedingt noch mal ein Stadion rocken. In der Waldbühne habe ich mich wie ein Rockstar gefühlt: Bei jedem Tastenschlag war ich Elton John.

Eigentlich treten Sie als One-Man-Show auf, was wird in der Wuhlheide passieren?

Ich bin nicht Mario Barth und werde alleine auf der Bühne stehen. Unter dem Thema „Weltfestspiele“, was damals in der Wuhlheide stattfand, wird es ein Spektakel mit 200 Menschen für einen Abend geben. In erster Linie machen wir Musik, aber es werden auch Chöre, Musikgruppen, Tanztruppen und Freunde auftreten, wie das Ensemble „Musici“, die Bolschewistische Kurkapelle und Thomas Quasthoff, der Volkslieder singen wird. Aber auch Grußworte, Stagediving, La Olas und Stadiongesänge wird es geben. Gestern habe ich noch einer griechischen Folkloregruppe zugesagt und Gottlieb Fischer habe ich auch angefragt. Kurzum, es wird ein echtes Happening!

Sie haben in Berlin Puppenspiel studiert. Jetzt lassen sie 200 Puppen tanzen? Wie hilft Ihre Ausbildung dabei?

Im Gegensatz zum Schauspieler, der oft nur sich selbst als Material hat, spielt der Puppenspieler alleine oft zehn Rollen und legt sie immer wieder ab. Man könnte das auch Regie nennen.

Wie ist Ihre Berufsbezeichnung eigentlich?

Liedermacher. Ich mache Musiktheater. Meine Stärke ist, aus der Luft gute Zeilen zu melken, die sich manchmal reimen und mit Musik unterlegt sind.

Sie wurden mit pointierten Liedern wie „Brandenburg“ und „Prenzlauer Berg“ berühmt. Sind Sie dort noch beliebt?

Ich wohne ja am Prenzlauer Berg und in der Uckermark. Ich würde sagen, dass ich seitdem sogar beliebter und bekannter bin. Die Leute haben sich durchaus wieder erkannt, sie singen die Lieder ja auch mit.

Was ist Ihr Lieblingsklischee über Prenzlauer Berg?

Mittlerweile merke ich, dass bei mir die Aufmerksamkeit erlischt. Die Bezeichnung „Bionade Biedermeier“ stammt von 2007, inzwischen ist das schon ein Oldie und zementiert. Genauso wie dieser Stadtteil. Es reizt mich immer weniger, darüber zu schreiben, weil es sich nicht mehr verändert. Es hat sich ausgentrifiziert. Insofern ist es auserzählt, was soll man da noch sagen.

Ist es jetzt Zeit, wegzuziehen?

Meine Freunde wohnen auch alle da, deshalb scheue ich mich davor. Aber ich interessiere mich gerade sehr für West-Berlin. Ich wohne jetzt seit 20 Jahren in Berlin, war auch bestimmt ein paar Mal im Westen, aber ich kenne mich überhaupt nicht aus – vor allem nicht mit ’49 oder ’89, der Insellage und der ganzen Zeit. Ich recherchiere gerade für ein Stück namens „West-Berlin“ für die „Schaubühne“ im Herbst.

Können Sie mit Witzen über sich gut umgehen?

Oftmals ja, aber es kommt darauf an, wer es macht und ob es wirklich treffend ist. Aber zugegeben, im Privaten trifft es mich schon manchmal. Es ist nicht schön, ertappt zu werden.

Sind Sie privat auch lustig?

Durchaus. Ich trenne das nicht und gehe privat nur als Miesepeter durch die Welt. Ich bin aber kein Dauerunterhalter, mein Naturell ist eher dasitzen, zuhören und beobachten. Manchmal sagen Leute dann schon: „Ich dachte, Sie wären witziger.“

Worüber würden Sie nie Witze machen?

Ich bin da total amoralisch und denke nicht: „Darüber darf man jetzt nicht lachen.“ Das hat weniger mit dem Inhalt zu tun als vielmehr mit dem Menschen, der den Witz macht. Das entscheidet, ob ich lachen muss oder nicht. Und wenn, dann fliegen auch die Grenzen weg von dem, was man darf und was nicht.

Was hat es eigentlich mit Ihrer Indianer-Kopfbedeckung auf sich?

Das ist eine Reminiszenz an meine Biografie und meinen Vater. Ich bin oft mit Kopfschmuck vom Kinderkarneval herumgelaufen, mein Vater ist Karl-May-Forscher. Das hat sich verselbstständigt. Früher habe ich gerne den Indianerhäuptling ohne Land gespielt, der stolz daherredet, aber kein Volk mehr hat. Der Kopfschmuck ist ein Emblem geworden. Ich trete damit auf, lege ihn aber nach der ersten Nummer ab.