Silvester

„Nachts darf es auch mal ein bisschen schmutzig werden“

Seit fast 20 Jahren prägt Conny Opper die Clubszene in Berlin. Zusammen mit Autor Michael Nast hatte er Silvester zur großen Eröffnungsparty an seiner neuen Wirkungsstätte eingeladen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Eigentlich wollte Conny Opper das Buch über seine mittlerweile fast 20 Jahre im Berliner Nachtleben schon längst geschrieben haben. Ein Cover ist bereits entworfen. Sogar der Titel steht schon fest: „Die Nacht ist mein Tag“. Doch auch in diesem Jahr kam er einfach wieder nicht dazu. Anfang 2014 gab er mit dem „Palast Neukölln“ ein kurzes Gastspiel im Rollbergkiez, im September zog er mit dem von ihm gegründeten Berlin Festival vom Flughafen Tempelhof in die Arena nach Treptow. Seit Ende des Jahres bastelt er in den Räumen des Ehemaligen tschechoslowakischen Kulturinstituts in Mitte an einem Ort für Kunst und Kultur. Und dann gibt es ja auch noch seine „King Size Bar“ an der Friedrichstraße.

Conny Opper ist also schwer beschäftigt. Ein Buch über das Berliner Nachtleben hat derweil ein anderer geschrieben. In „Ist das Liebe oder kann das weg“ erzählt Michael Nast in Kurzgeschichten von skurrilen, hoffnungsvollen und einzigartigen Begegnungen an den Bars der Stadt. Opper hat sich darin wiedergefunden, so lernten sich die beiden kennen. „Ich finde, besser kann man Berlin, besser gesagt das Nachtleben, gar nicht wiedergeben. Im letzten Sommer haben wir uns zufällig im ‚King Size‘ getroffen. So haben wir uns kennen und lieben gelernt und hatten seitdem immer die Idee, wir müssten mal etwas zusammen machen.“

Leise und lautere Themen

Umgesetzt haben sie ihre Idee dieses Jahr an Silvester. Conny Opper eröffnet das „Konzulát“ mit einer großen Party, Michael Nast sorgt zu früherer Stunde (21 Uhr) mit einer Lesung für literarischen Input. Schließlich soll an der Leipziger Straße 60 in Zukunft die Kultur im Vordergrund stehen. „Wir wollen der Tradition des ehemaligen Kulturzentrums folgen und neben Musikveranstaltungen, Literatur und Kunst das ganze Spektrum kulturellen Schaffens in Berlin hier stattfinden lassen“, sagt Opper.

Zu diesem Zweck wird es im ehemaligen Kulturinstitut Räume für Ausstellungen – aktuell von Galerist Johann König –, eine Kooperation mit der Yellow Lounge der Deutschen Grammophon und eine tschechische Nouvelle-Vague-Filmreihe im ehemaligen Kinosaal geben. „Die Kunstszene hat diesen Ort schon ein bisschen für sich entdeckt. Das wollen wir im nächsten Jahr und mit dem Startschuss an Silvester fortführen. Mit leisen und lauteren Themen“, so Opper.

Es war Liebe auf den ersten Blick

Die Räume des Kulturinstituts wurden ihm von der Organisation „Raumaufzeit“ für zwei bis drei Jahre zur kulturellen Zwischennutzung angeboten. Für Conny Opper war es Liebe auf den ersten Blick. „Das Haus hat mich sehr inspiriert“, sagt er. „Orte wie diese findet man nur noch selten in Mitte oder überhaupt in Berlin. Es ist ein bisschen, als würde man in eine Zeitmaschine steigen. Die Leipziger Straße mit ihren Hochhäusern ist für mich einer der urbansten Orte Berlins. Trotzdem ist es noch eine Art Nowhere Land, das sich gerade transformiert. Im ganzen Block sind temporär junge Kreative eingezogen. Hier passiert richtig etwas. Und plötzlich ist dieses richtige Berlin-Feeling der 90er wieder da. Sonst gibt es ja eher den Trend, dass die Clubkultur verdrängt wird.“

Mit dem „Konzulát“ kehrt Conny Opper in gewisser Weise zurück zu seinen Wurzeln. Als der gebürtige Kieler vor 20 Jahren von Bremen nach Berlin zog, hatte er eigentlich eine ganz andere Karriere vor Augen. „Ich bin nach Berlin gekommen, um an der UdK Architektur zu studieren. Ich war jedoch nicht wirklich glücklich damit. Deshalb habe ich angefangen, Ausstellungen, Konzerte und Partys zu organisieren“, sagt er. „Damals wurde ich oft ‚Architekt der Nacht‘ genannt. Weil es dann so erfolgreich war, hat mir das die Entscheidung abgenommen, das Studium abzubrechen. Kunst war schon immer eine große Inspiration für mich.“ So entstand sein erster Club, das „Rio“ an der Chausseestraße, aus einem Ausstellungsprojekt. Mit seinem „Broken Hearts Club“ gab er ein Gastspiel bei der Art Basel Miami Beach.

Die Stadt immer wieder neu entdecken

„Wenn man seit 20 Jahren in Berlin wohnt, muss man die Stadt immer wieder neu entdecken, sich immer wieder neu erfinden. Sonst bleibt man auf der Stelle“, sagt Opper. Deshalb sollen zukünftige Partys im „Konzulát“ im Idealfall immer mit einer Vernissage, einer Film- oder Buchpräsentation verbunden werden – ganz so wie bei der heutigen Silvesterparty: „Natürlich kann man auch einfach nur ausgehen und ein paar Drinks nehmen. Aber wenn man gleichzeitig noch etwas mitnehmen kann, dann kommt es manchmal zu diesem magischen Moment, der eine Party wirklich besonders macht. Für die perfekte Party gibt es kein Erfolgsrezept, die entsteht aus dem Moment.“

Zumindest für die entscheidenden Zutaten hat Conny Opper im Vorfeld gesorgt: gute Musik, authentische Menschen und eine Location, die eine richtige Party aushalten kann. „Ich finde, ein Club darf nicht zu clean sein. Deshalb mag ich alte Räume. Wenn man merkt, dass schon eine Geschichte dahinter steckt. Wenn es zu sauber ist, sind das tote Räume für mich. Das schlägt sich auch auf die Stimmung der Gäste nieder“, erklärt er. „Ich finde, nachts darf es auch mal ein bisschen schmutzig werden.“

In dieser Hinsicht ist er sich mit Michael Nast einig. Und vielleicht lesen beide im kommenden Jahr zusammen aus ihren Büchern über das Berliner Nachtleben. Material gibt es genug. „Die schönsten Geschichten passieren des Nachts“, sagt Conny Opper. „Ich hoffe, dass ich auch an diesem Ort viele schöne Geschichten erleben werde.“

Karten an der Abendkasse für 35 Euro