Auf einer Wiese steht eine pneumatische Architekturkonstruktion. Zwei Menschen – ein Mann und eine Frau – im Astronautenanzug mit Helm auf dem Kopf betreten über eine Schleuse den gelben Innenraum und betten sich dort auf pulsierenden Kissen. Völlig losgelöst von Raum und Zeit blicken sie, umgeben von psychedelischer Musik, auf die Welt draußen.
Mit solch abgedrehten provisorischen Projekten an der Schwelle von Kunst und Architektur wie das „Gelbe Herz“ (1967/68) erregte die Wiener Architekten- und Künstlergruppe Haus-Rucker-Co (HRC) in den 60er- und 70er-Jahren großes Aufsehen. 1967 gegründet von den Architekten Laurids Ortner, Günter Zamp Kelp und dem Maler Klaus Pinter begeisterten sie sich vor allem für eine innovative provisorische Architektur, welche die Wahrnehmung der Nutzer verändern sollte. Inspirationsquelle waren die Pop Art und die Weltraumtechnologie des Space Zeitalters.
„Der Beginn der Raumfahrt und die erste Mondlandung lieferten Bilder einer Technologie, die unglaubliche Impulse versprach“, beschreibt Laurids Ortner die euphorische Stimmung dieser Zeit. Und Günther Zamp Kelp erinnert sich: „Aldous Huxley und Timothy Leary experimentierten mit bewusstseinserweiternden Drogen und waren die Leitfiguren der Gegenkultur. Wir wollten das Bewusstsein durch neue, noch nicht dagewesene Räume, Objekte und Gegenstände des Gebrauchs erweitern, nicht durch Drogen.“ Die Popmusik der Zeit gab ihnen den Impuls, mit den Gesten einer künstlerisch ausgerichteten temporären Architektur die Menschen so unmittelbar erreichen zu wollen wie die Songs der damaligen Zeit ihr Publikum.
Riesige weiße Luftmatratze mit weißen Kugeln
Mit Innovationskraft, Humor und viel Spaß schufen sie Objekte wie den „Environment Transformer“ (1968), einen Helm, der mit Farbfiltern und Rastern die Wahrnehmung der Nutzer auf die Umwelt verfremdet. Oder „Electric Skin“ (1968), einen Anzug aus Plastik in poppigen Farben mit psychedelischen Zeichen darauf und passender futuristischer Brille dazu. Ein wenig wie auf dem Mond mochten sich die Besucher gefühlt haben, wenn sie 1969/70 auf der begehbaren Installation „Giant Billard“, einer riesigen weißen Luftmatratze, mit drei überdimensionierten weißen Kugeln herumtollten.
So unbeschwert, hedonistisch und euphorisch sollte die Welt jedoch schon bald nicht mehr wahrgenommen werden. Der Bericht des Club of Rome und die Ölkrise zeichneten eher düstere Szenarien für die Zukunft, die sich auch in den Experimenten von Haus-Rucker-Co niederschlug. Sie schufen nun synthetische Reservate wie „Oase Nr. 7“, eine utopische Enklave mit Hängematten zwischen Kunstpalmen in einem transparenten Ballon, der an grauen Hausfassaden angebracht werden konnte, wie 1972 zur Documenta 5 in Kassel. Danach sind es vor allem Projekte wie das unrealisiert gebliebene „Big Piano“ von 1972, eine Klangtreppe in eine imaginäre Wolke, und „Rahmenbau“ von 1977, der für die Documenta 6 realisiert wurde. Die Weltkunstschau wollte mit künstlerischen Interventionen im Stadtraum das Bewusstsein für die städtische Kulturlandschaft verändern.
In einer fulminanten, vor allem Spaß machenden Ausstellung mit vielen Exponaten, Modellen, Zeichnungen, Collagen sowie fotografischen und filmischen Dokumentationen gibt das Haus am Waldsee Einblick in die visionären Ideen dieser Wiener Avantgardegruppe und veranschaulicht deren Aktualität für jüngere Künstler und Urbanisten wie Tomás Saraceno und Hussein Chalayan und Raumlabbor Berlin.
Haus am Waldsee. Argentinische Allee 30, Di-So 11-18 Uhr. Bis 22. Februar





