85. Geburtstag

Gedenktafel erinnert in Grunewald an Harald Juhnke

Am Dienstag wäre Harald Juhnke 85 Jahre alt geworden. Seine Witwe und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit enthüllten an seinem früheren Wohnort in Grunewald eine Gedenktafel.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Susanne Juhnke schaut kurz zum Himmel, als sie beginnt, von Harald zu sprechen: Ihr Ex-Mann hätte an diesem Dienstag seinen 85. Geburtstag feiern können. Sie steht am Pult, die Schauspielerin Judy Winter will ihr das Mikrofon etwas tiefer stellen, schaltet es dabei aber versehentlich ab. Susanne Juhnke greift kurz entschlossen zu dem mobilen Mikro, hinter ihr war mal ihre Villa, die einem Neubau weichen musste. Davor enthüllt sie gleich die Gedenktafel, gewissermaßen ein Geschenk des Landes zum Geburtstag. Auch Oliver Juhnke, der Sohn aus zweiter Ehe, ist gekommen.

Es ist die 33. „Berliner Gedenktafel“ , die die Gasag seit 2007 fördert, wie der Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, Stefan Grützmacher, sagt. Der Konzern unterstützt das Programm – und Grützmacher nutzt die Anwesenheit von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), um auf das seit 170 Jahren währende Engagement der Gasag in Berlin hinzuweisen und für eine Fortsetzung zu werben. Vor Pfingsten hatte der Konzern bei einer Ausschreibung um den künftigen Betrieb des Gasnetzes gegen einen landeseigenen Bewerber den Kürzeren gezogen.

Wowereit geht darauf in seiner Laudatio auch spontan ein („Wir wollen, dass die Gasag ein Berliner Unternehmen bleibt“), um dann wieder auf Harald Juhnke zu kommen. Auf den „Berliner mit Herz und Schnauze“, der in Wedding groß wurde und dem Wowereit „Charme und Lässigkeit“ bescheinigt. Ein „Allround-Talent“, ein Schauspieler und Sänger, der gleichermaßen auf der Bühne, im Film und Fernsehen präsent war, „einer der größten deutschen Entertainer“.

Viele Fans und Theaterleute sind gekommen

Die halbe Nation sah zu, wenn Juhnke „Musik ist Trumpf“ moderierte. Wowereit erinnert auch an die ebenso legendären Abstürze, die er poetisch als „Irrwege und Schwächen“ bezeichnet. Seiner Alkoholsucht hat Juhnke, der zuletzt an Demenz erkrankte und 2005 starb, mit der Verfilmung von Falladas „Trinker“ auch eine Art Denkmal gesetzt. Wer ihn als „Hauptmann von Köpenick“ am Maxim Gorki Theater gesehen hat, hat einen Charakterdarsteller in Erinnerung behalten. Wer ihn nicht sehen konnte, weil Katharina Thalbach kurzfristig für ihn einspringen musste, wird die Vorstellung auch nicht vergessen haben.

Die Lassenstraße 1, an der Ecke Koenigsallee in Grunewald, also Juhnkes Adresse, so geht eine andere Geschichte, soll sogar Teil der Taxiprüfung in West-Berlin gewesen sein. Jetzt hält der M19er an der Ecke, ein Fahrgast zückt das Handy, um ein Foto der illustren Gesellschaft zu machen, die bei schweißtreibenden 30 Grad auf der Straße steht – einige Herren im Anzug, andere in Sandalen und Shorts, Damen in Kleidern, manche mit Sonnenhüten – und auf die Enthüllung wartet. Viele Fans sind gekommen, auch Schauspieler wie Barbara Schöne und Theaterleiter wie Martin Woelffer von den Kudamm-Bühnen. Oder Friedrich Barner aus dem Direktorium der Schaubühne. Und Volker Ludwig, der Grips-Theater-Gründer, der in den 60er-Jahren Lieder für Harald Juhnke geschrieben hat, wie er am Rande der Veranstaltung erzählt.

Die Tafel ist enthüllt. Aus den Lautsprechern erklingt Juhnkes legendäre Version von Frank Sinatras „My Way“.