Jedermann-Festspiele

Barbara Wussow ist mit 50 die Sinnlichkeit pur

Sinnlichkeit hat kein Alter: Mit 50 Jahren hat Barbara Wussow die Rolle der Buhlschaft bei den Berliner Jedermann-Festspielen übernommen.

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Bisher waren es immer nur ein paar Tage, die Barbara Wussow Zeit hatte, sich in Berlin umzusehen. Während der Berlinale in heiteren Momenten. Und in traurigen, als sie ihren berühmten, kranken Vater, den Schauspieler Klausjürgen Wussow, in seinen letzten Lebensmonaten zusammen mit ihrem Bruder Sascha Wussow in einer Klinik in Rüdersdorf besucht hat. Schlimme Momente seien das gewesen, erinnert sie sich an die Zeit vor vier Jahren. „Jetzt bringe ich Papa immer Blumen oder Kerzen vorbei, wenn ich in Berlin bin. So wenig Zeit, das nicht zu schaffen, kann ich gar nicht haben.“

Eine neue Rolle ermöglicht es der 50-Jährigen nun, dass sie von September an mehr Zeit haben wird, das Grab ihres Vaters an der Heerstraße zu besuchen. Barbara Wussow soll in der 25. Ausgabe der Berliner Jedermann-Festspiele im Berliner Dom die Buhlschaft spielen. „Eine schöne Rolle. Sie versprüht Sinnlichkeit pur, steckt voller Freude und Lust am Leben.“ Kein Grund, diese Figur hintergründig anzulegen, sagt sie lachend. Sie habe in Salzburg schon viele Buhlschaften gesehen. Angst vor Vergleichen hat sie aber nicht. Jede Frau sei anders, und jede Buhlschaft auch: Veronica Ferres, Sophie Rois, Senta Berger. „Ich bin eine Bauchschauspielerin. Ich lasse mich darauf ein“, sagt sie und betont: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen Peter Sattmann, Ilja Richter und natürlich Regisseurin Brigitte Grothum.“

Mehr als zwölf Jahre hat sie nicht mehr Theater gespielt. „Als unser Sohn acht Monate alt war, sind mein Mann und ich zum letzten Mal zusammen auf Theatertournee gewesen.“ Statt aber dann ihre Heimat Wien für neue Bühnenengagements verlassen zu müssen, hat das Familienleben Vorrang. Dreht Barbara Wussow außerhalb der Stadt, kümmert sich Ehemann Albert Fortell um den Nachwuchs. Steht der vor der Kamera, bleibt sie zu Hause. „Dann heißt es um sechs Uhr aufstehen: Kinder wegbringen, Mittagessen kochen, für die Familie da sein.“ Nikolaus (13) geht zur Schule. Tochter Johanna wird sechs und im September eingeschult. Wie bei jeder berufstätigen Mutter kommt es da auf die Organisation an: „Mein Netzwerk funktioniert.“ Dank Kindermädchen und Assistentin läuft alles reibungslos, sodass sie ihren 17 Vorstellungen – Premiere im Berliner Dom ist am 20. Oktober – gelassen entgegen sieht.

Ganz und gar nicht gelassen reagiert sie auf Sabine Wussow, die Witwe ihres Vaters, die nun das Haus in Berlin-Westend verkaufen will. Es gebe keinen Kontakt. Nur so viel: Sie bedauere, dass der Vater seine letzte Ruhe nicht nahe seiner zweiten Frau, ihrer Mutter Ida Krottendorff, gefunden habe. „Doch was hilft es: Im Himmel sind sie wieder zusammen“, so die gläubige Christin, die sich über ihr eigenes Älterwerden keine Gedanken macht. „Ich habe keine Zeit, älter zu werden.“ Nur eins bereut sie: „Könnte ich die Zeit zurückdrehen: Ich würde mich viel früher für Familie und Kinder entscheiden.“ Spät Mutter zu werden – ihre Tochter brachte sie erst mit 44 zur Welt – habe Probleme mit sich gebracht. Heute sagt sie: „Nur, weil es biologisch geht, heißt es nicht, dass es richtig ist.“ Die Buhlschaft mit 50 zu spielen, damit hat sie kein Problem. „Ich bin ich.“