Fernsehen

Uwe Kockisch heiratet seine Lebensgefährtin

Als Commissario Brunetti löst er in Venedig seinen 17. Fall. Als Schauspieler liest Uwe Kockisch am liebsten Drehbücher. Und privat trägt der 65-Jährige seit Kurzem einen Ehering.

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Ein Gespräch mit dem Schauspieler Uwe Kockisch kommt nur behutsam in Gang. Was liest er gern? Das ist keine Frage an den erfolgreichen Darsteller von Donna Leons Commissario Brunetti, der am Donnerstag in der ARD seinen 17. Fall „Das Mädchen seiner Träume“ löst. Die Frage lautet: Was liest eigentlich Uwe Kockisch.

„Am liebsten Drehbücher“, gesteht der 65-Jährige nach kurzem Zögern: „Ich bin ein Langsam-Leser. Ich lese Romane nicht zur Entspannung.“ Beim Lesen entstehe in seinem Kopf automatisch Film. Immer. „Das Lesen ist für mich eine aufregende, dramatische Angelegenheit. Ich tauche so tief in die Geschichte ein, dass mich dann der Alltag stört.“ Die ideale Voraussetzung also, um es als Regisseur zu versuchen. Doch er winkt ab: „Ich hätte mal Regie führen können, hatte damals allerdings zu großen Respekt davor. Vielleicht auch zu wenig Selbstvertrauen.“ Inzwischen denkt er, hätte er sich jemanden gesucht, der ihm technisch zur Seite gestanden hätte, er hätte es gewagt.

Doch Kockisch trauert der Chance nicht nach: „Ich bin sehr gern der Vertreter einer Figur.“ Dabei versucht er, jeden Charakter, den er spielt, zu verteidigen: den Ex-Häftling Harry Ritter im letzten „Spreewaldkrimi“, den Stasi-Major Hans Kupfer in der Serie „Weißensee“ und natürlich, seit 2003, Brunetti. „Sonst ist es Blödsinn.“ Es ist ein Leben zwischen den Welten: Seine Rollen hat er immer im Blick, achtet zum Beispiel auf sein Gewicht: „Für Brunetti habe ich mehr als in Weißensee, aber nicht so rund wie ein Ballon“, sagt er. „Ich könnte es nicht leiden, eine Rolle durch eine Äußerlichkeit zu versauen.“ Er isst bewusst, macht Krafttraining. Ausreden gibt es keine. „Dazu bin ich zu ehrgeizig. Nein, eitel, aber im Sinne der Figur.“ Die erste Sprache des Films sei das Bild. „Dem muss man entsprechen.“

Bei aller Strenge hat Kockisch einen sentimentalen Hang zum Schwärmen. Freie Zeit verbringt der gebürtige Cottbuser in Madrid, seiner Wahlheimat. „Das Magische dort ist das Licht, dieses Klima“, sagt er. Und korrigiert sich zugleich selbst: „Die Anziehungskraft von Madrid besteht nicht in der Gelassenheit der Spanier“, wie er zunächst geglaubt habe. „Der Denunziant ist überall gleich, der Gutmensch, das Mittelmaß, die achtsamen und unachtsamen, verantwortungsvollen und verantwortungslosen Menschen.“ Er hat gelernt: „Es gibt nicht den mentalen, temperamentvollen Aufklatsch, der alles verändert.“ In Spanien genieße er es manchmal, nur Ausländer zu sein. „Ich kann mich mit Sprache nicht stark machen. Ich muss mich mit meinem Verhalten ausdrücken: Freundlichkeit, zum Beispiel, statt mich zu streiten.“ Für Fremdsprachen fehle ihm die Begabung. Zur deutschen Sprache habe er durch seine Zeit am Theater ein wunderbares Verhältnis. „Die ist so reichhaltig, die ist so schön. Und es ist die Einzige, die ich habe.“

Trotzdem ist er viel und gern unterwegs. „Ich finde das angenehm bis man merkt, man hat nirgends einen Anker.“ Den hat er in Madrid. „Doch in den letzten zwei, drei Jahren waren wir immer weniger dort.“ Wir, das waren bisher er und seine Lebensgefährtin Christine Gautier. Inzwischen ist sie seine Ehefrau. „Wir haben geheiratet. Wir reisen immer zusammen, sie kommt immer mit.“ So hat er einen Anker immer dabei.