Funkausstellung

IFA 2011 lockt Tausende Technikbegeisterte an

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Birgit Haas

Foto: dpa / DPA

Internetfähige Fernseher stehen dieses Jahr im Mittelpunkt der IFA, aber auch Computerspiele kommen nicht zu kurz. Doch neben den zahlreichen Besuchern tummeln sich auch Zollfahnder auf dem Berliner Messegelände.

Von meterhohen Leinwänden wirken bunte Bilder auf die Besucher der Internationalen Funkausstellung (IFA) auf dem Berliner Messegelände ein. Die meisten sind dreidimensional. Ohne 3D-Brille sind die Autofahrten, Naturbilder und Sportereignisse auf den Monitoren nur verwackelt zu erkennen. Dazwischen die ersten Besucher der diesjährigen Messe für Elektronik- und Unterhaltungsgeräte.

„Die IFA brummt“, sagt Roland Stehle vom IFA-Veranstalter, der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu), beim ersten Publikumstag. „Die Hallen sind gefüllt.“ Bis Mittwoch erwarten der Veranstalter und die 1441 Aussteller mehr als 220.000 Besucher. Im Mittelpunkt der bislang größten IFA stehen internetfähige Fernseher. Daniel und seine Freundin Nicole sind zur IFA aus Kiel angereist, tragen jeweils eine 3D-Brille.

Auf dem flachen Bildschirm vor den beiden läuft ein Autorennen. „Wenn man sich an die Sicht gewöhnt hat, ist das Spiel grandios“, sagt die 27 Jahre alte Verwaltungswirtin. Freund Daniel ergänzt: „Ich bin total an Computern interessiert.“ Besonders begeistert ist der 30 Jahre alte Elektroniker vom Samsung Galaxy Tab – der Tablet-Computer sei noch dünner, schneller und schöner als sein Vorgänger und funktioniere wie ein „iPad in groß“. Den tragbaren Fernseher vom Hersteller Sharo gibt es bisher nur in Japan. „Wir testen hier, ob er auch für die deutschen Kunden interessant ist“, sagt die Sharp-Mitarbeiterin Emina Acar. Sie selbst ist vom Zwölf-Zoll-Monitor überzeugt. „Ich kann damit in der Badewanne, im Garten und an allen anderen Orten mit W-Lan fernsehen.“

Wowereit von Videospielen fasziniert

Die IFA ist eine der wenigen Messen, die vom ersten Tag an auch für das Privatpublikum geöffnet ist. Doch auch viel Fachpublikum ist anwesend, will sich über die neuesten Marktentwicklungen informieren. Die IFA ist traditionell die Messe, bei der Elektronik-Hersteller vor der lukrativen Weihnachtssaison Geschäfte im Milliardenwert abschließen. Im vergangenen Jahr sind nach der IFA Aufträge im Wert von 3,5 Milliarden Euro vergeben worden. Zuletzt erlebte die erfolgsverwöhnte Branche im ersten Halbjahr einen deutlichen Geschäftsrückgang und hofft nun auf einen Schub durch die Funkausstellung. Die Veranstalter sind optimistisch. „Nie zuvor hat die Industrie so viel in Ausstellungsfläche investiert“, sagt Christian Göke, Chef-Organisator der IFA. Nie gab es so viele Aussteller wie in diesem Jahr.

Neben den vielen großen Herstellern wie Panasonic, Loewe und Siemens gibt es an zahlreichen kleinen Ständen Interessantes zu entdecken. Zum Beispiel bei AIWI in der iZone in Halle 15. An einem Riesenbildschirm spielt Jing HaoTennis. Dazu braucht sie keinen Schläger, das Match ist virtuell. Einen Joystick braucht sie auch nicht, auf ihrem Smartphone läuft ein Programm, mit dem sie das Spiel lenken kann: „Ich könnte mit meinen Freunden an jeder Konsole ganz spontan mitspielen.“ Sie müsse sich nur einloggen und das Spiel beginne.

Politiker wie Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) interessieren sich hingegen für die Highlights der IFA. 3D-Videospiele finden beim traditionellen Messerundgang bei den Politikern großen Anklang. Rösler, der sich als „Techie“ bezeichnet, zeigt sich angetan von der zunehmenden Verschmelzung von Internet und Fernsehen: „Es sind erst die Anfänge, aber die sind schon sehr spannend.“

Die zweite Säule der IFA kommt da fast zu kurz. Im Untergeschoss der Halle eins versteckt sich der Bereich für „Home Appliance“. Zu deutsch: „Haushaltsgeräte.“ Ihretwegen ist Daisy mit ihrer Tochter Noreen auf die IFA gekommen. „Ich richte derzeit die Küche in unserem neuen Haus ein“, sagt die 53-Jährige aus Weißensee. Dort sollen Geräte von Miele stehen, aber bisher hat sie die nur im Katalog gesehen. „Den Ofen hier live zu erleben, ist viel besser.“ Dieser Ofen denkt mit und berechnet Zubereitungszeiten. Induktionsherde mit automatischer Abluft, Kühlschränke, die von selbst schließen – Daisy ist begeistert.

Zollfahnder auf der IFA

Die zahlreichen, neuen Technologien sind nicht nur für das Messepublikum interessant. Zollfahnder haben im Einsatz gegen Produktpiraten am Freitag mehrere Stunden lang die Elektronikmesse IFA durchkämmt . Die Beamten beschlagnahmten Kisten mit Prospekten und Elektrogeräte. Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft gab es bis zum Nachmittag 16 Strafanzeigen. Ein Sprecher des Zollfahndungsamtes Berlin sagte, dass die Beamten auf der IFA nach Geräten ohne erforderliche Patentlizenzen suchen. Bereits am Vormittag war der Stand eines Herstellers geschlossen worden, weil er Ventilatoren des britischen Herstellers Dyson nachgeahmt haben soll. „Wir haben gegen diesen Aussteller eine einstweilige Verfügung erwirkt“, sagt Dyson-Chef Martin McCourt.